Neuer Cheftrainer: Sascha Hildmann will den Jahn stabilisieren
Neuer Cheftrainer: Sascha Hildmann will den Jahn stabilisieren
Die Pokalpleite muss kein Beinbruch sein. Zum einen, weil es noch eine winzige Chance auf Einzug in die Hauptrunde gibt: Die beiden Finalisten könnten das Ticket für die lukrative erste Chance auf ein Kracherlos auch anderweitig lösen – die Löwen müssen unter die ersten 4 kommen, die Würzburger Kickers die Regionalliga- oder die Amateur- Meisterschaft klarmachen. Dann würden Wacker Burghausen und der Jahn den letzten freien Platz unter sich ausspielen.
Zugegeben: Mehr „hätte, wäre, wenn“ als ein realistisches Szenario. Eines aber steht jetzt schon fest. Die Enttarnung des Sascha Hildmann hat keine negativen Konsequenzen für die Oberpfälzer. Der Ex-Cheftrainer von Preußen Münster – und seit dem Durchmarsch von der Regionalliga in die Zweite Bundesliga auch Publikumsliebling – ist der neue Hoffnungsträger der Regensburger.
Am Dienstagvormittag stand er erstmals auf dem Trainingsplatz. Kein großes Theater, kein Pathos. Eher dieser pfälzische Pragmatismus, der zwischen Bodenständigkeit und Ehrgeiz pendelt. Einer, der sagt: „Ich brauche den Rasen, ich brauche den Duft, ich brauche den Wettkampf.“ Und man glaubt ihm sofort, dass er genau das meint.
Akribischer Entwickler
Seine Karriere liest sich nicht wie ein Sprint, sondern wie ein zähes, geduldiges Klettern: SG Sonnenhof Großaspach, 1. FC Kaiserslautern, Nachwuchsarbeit beim FSV Mainz 05. Immer wieder Aufbau, Entwicklung, Vertrauen. Und genau das ist es, was der Jahn jetzt braucht – nach einem wankelmütigen Wimmer, dem in Schottland vermeintlich das bayerische Heimweh plagte, um mitten in der Saison ans andere Ende der Republik zu wechseln.
Er kann Mannschaften mit Kontinuität und Akribie weiterentwickeln.
Sportdirektor Alexander Schmalhofer
Es klingt wie eine nüchterne Analyse – und ist doch fast schon eine Sehnsuchtsbeschreibung. Denn genau daran hat es zuletzt gefehlt. Dass er mehrere Angebote ausschlug, passt ins Bild. Hildmann wirkt nicht wie einer, der den nächsten Job sucht – sondern wie einer, der auf den richtigen wartet. Und dann kommt Regensburg.
Unter uns Wittelsbachern
Ein Pfälzer in der Oberpfalz: Das passt schon mal historisch unter uns Wittelsbachern – und auch die letzte und die neue Station haben einiges gemeinsam: „Ich kann das total vergleichen, weil Münster ist eine wunderschöne Stadt, wirklich sehr lebenswert. Auch Regensburg ist eine wunderschöne Stadt, auch sehr lebenswert.“
Und die Vereine sind sich ähnlich, nur dass Münster seit 33 Jahren immer in der zweiten Bundesliga gespielt hat und Regensburg dafür von den letzten 10 Jahren 7 Jahre in der zweiten Bundesliga gespielt hat – und das ist schon gut. Das ist richtig gut.
Sascha Hildmann
Natürlich will man da wieder hin. „So ambitioniert bin ich auch, dass ich natürlich Ziele habe und gerne wieder aufsteigen will.“
Der lange Atem eines Aufsteigers
Hildmann kommt nicht als Heilsbringer, sondern als ambitionierter Arbeiter. Einer, der weiß, wie sich Fußball von unten nach oben anfühlt. Fünfeinhalb Jahre beim SC Preußen Münster, Doppelaufstieg von der Regionalliga in die 2. Bundesliga – das ist kein Zufall, sondern Methode. Zweite Bundesliga ist also das mittelfristige Ziel. „Ich mag auch Bundesliga“, hört man neue Töne bei der PK.
Mit einer kleinen Relativitätstheorie: „Ich will auch gerne in die Bundesliga. Das ist gar keine Frage, das kann man ja ruhig sagen. Natürlich muss alles realistisch sein und wir wollen hier aber was entwickeln.“
Der Moment, in dem alles zusammenpasst
Es gibt im Fußball diese seltenen Momente, in denen Trainer und Verein sich nicht nur finden, sondern erkennen. Hildmann nennt es selbst das „perfekte Match“. Und man spürt, dass dieses Wort bei ihm nicht aus dem PR-Baukasten stammt, sondern aus einer Phase der Selbstvergewisserung.
Nach seiner Freistellung in Münster: Leere. Dann ein persönlicher Schicksalsschlag. Der Tod der Mutter. Monate der Distanz, der Reflexion, des Wieder-Zusichfindens. „Ich habe ein halbes Jahr einfach gelebt“, sagt er. Dinge getan, für die im Fußball kein Platz ist. Und irgendwann, im Winter, kam sie zurück, diese Unruhe. Dieses Ziehen Richtung Seitenlinie.
Mentalität als Betriebssystem
Wenn Hildmann über Fußball spricht, fallen Begriffe, die fast altmodisch wirken – und gerade deshalb wieder modern sind: Demut. Intensität. Eigenmotivation. Er verlangt „1000 Prozent“, sagt er. Und meint damit nicht Lautstärke, sondern Verlässlichkeit. Jeden Sprint, jeden Zweikampf, jede Trainingseinheit.
Das passt gut zum Jahn. Zu diesem Verein, der immer dann am besten war, wenn er sich über Energie definiert hat – und immer dann Probleme bekam, wenn diese Energie verpuffte. Hildmann hat das sofort erkannt. Schon beim Pokalspiel gegen 1860, das er im Stadion verfolgte: „Eine charakterstarke Mannschaft. Sie hat alles gegeben.“ Der Satz bleibt hängen. Weil er implizit auch sagt: Mehr kann man verlangen – aber nicht weniger.
Ein Trainerteam als Versprechen
Mit Louis Cordes bringt Hildmann seinen engsten Vertrauten mit. „Ich vertraue ihm zu 1000 Prozent.“ Ein Satz, der in der nüchternen Fußballwelt fast schon intim wirkt. Doch zugleich setzt er auf das Bestehende. Munier Raychouni bleibt, wird eingebunden, nicht verdrängt. Kein Kahlschlag, sondern Integration. Auch das ist ein Signal: Dieser Trainer will nicht alles neu erfinden – sondern das Vorhandene besser machen.
Ein Prinzip, das er in Münster perfektioniert hat. Acht Spiele bleiben in dieser Saison. Acht Spiele, um eine Mannschaft kennenzulernen. Um Vertrauen aufzubauen. Um den Klassenerhalt abzusichern. Hoffentlich auch, um Talente und Leistungsträger zu halten. Die Tabellensituation ist inzwischen kein Himmelfahrtskommando mehr. Für Hildmann ist sie eine Einladung.
Acht Spiele als Auftakt
„Ich will diese Zeit unbedingt nutzen“, sagt er. Nicht als Übergang, sondern als Fundament. Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Pointe dieses Trainerwechsels: Dass er nicht nur für den Moment gedacht ist – sondern für etwas, das darüber hinausgeht. Der Jahn hat in den vergangenen Jahren viel Unruhe erlebt. Sportchefs kamen und gingen, Trainerwechsel, Abwärtsspiralen. Das Pokal-Aus gegen 1860 wirkt da wie ein Brennglas.
Sascha Hildmann tritt nicht an, um all das wegzuwischen. Sondern um es zu ordnen. Er spricht von Entwicklung, von Prozessen, von klaren Zielen. Und davon, dass Erfolg Zeit braucht – aber auch Konsequenz. Vielleicht ist das die größte Stärke dieses Trainers: dass er nicht verspricht, alles sofort zu lösen. Sondern dass er einen Weg beschreibt. Einen Weg, der in Regensburg schon einmal funktioniert hat. Und der jetzt, nach einem bitteren Pokalabend, genau zur richtigen Zeit beginnen könnte.
Hildmanns Premiere in Stuttgart: Talente, Tabellenrechner und die 40
Auftakt für den neuen Coach:Für Sascha Hildmann beginnt das Kapitel Jahn gleich mit einer anspruchsvollen Auswärtsprüfung beim Nachwuchs des VfB Stuttgart II. Anpfiff ist am 4. April um 16.30 Uhr – und es geht um mehr als nur drei Punkte: Es ist die erste Duftmarke des neuen Trainers.
Die Bilanz spricht knapp für den Jahn
23 Duelle, 11 Siege für Regensburg, 8 für Stuttgart II, 4 Remis. Das letzte Aufeinandertreffen im Oktober 2025 drehte der Jahn ein 0:2 zur Pause noch in ein 3:2. Ein gutes Omen – aber keines, auf dem man sich ausruhen sollte.
Die Lage im Tabellenkeller
Der Jahn steht bei 39 Punkten auf Platz 12 – solide, aber noch nicht ganz durch. Die 40-Punkte-Marke ist greifbar nah, reicht aber im 20er-Feld wohl noch nicht. Ein Sieg in Stuttgart, die einen Punkt hinter Regensburg auf Platz 14 rangieren, würde allerdings bereits rechnerisch für mentale Ruhe sorgen.
Zum Vergleich: „Verfolger“ wie Ulm (25 Punkte) müssten in den verbleibenden acht Spielen einen Aufstiegs-ähnlichen Lauf hinlegen – theoretisch möglich, praktisch selten.
Der Gegner: jung, wild, gefährlich
Die Zweitvertretung des VfB ist kein klassischer Abstiegskandidat, sondern ein Talentschuppen mit Tempo und Technik. Spieler wie Noah Darvich stehen für kreative Durchschlagskraft im Mittelfeld. Auch Ex-Jahn-Spieler Ouro-Tagba Mansour kennt die Regensburger DNA – und hat sich in Stuttgart zu einem gefährlichen Offensivspieler entwickelt.
Was für den Jahn zählt Nach dem bitteren Pokal-Aus gilt: Mund abwischen, Fokus schärfen. Hildmann wird genau das einfordern, was er angekündigt hat – Mentalität, Intensität, Klarheit.
Oder, um es im Jahn-Sprech zu sagen: Schauen wir auf uns – und knacken die 40 in Stuttgart.




