SSV Jahn dominiert zahme Löwen klar, scheitert aber an der Chancenverwertung
SSV Jahn dominiert zahme Löwen klar, scheitert aber an der Chancenverwertung
Toto-Pokal Bayern, Halbfinale
SSV Jahn Regensburg – TSV 1860 München 0:1 (0:0)
Tor: 54. Min. Haugen 0:1. – Zuschauer: 14.089. – Schiedsrichter: Andreas Hummel.
Zurück bleibt nach 96 Minuten eine Jahn-Elf, die 80 Minuten das klar bessere Team ist, aber halt einfach vergisst, mindestens ein Tor zu schießen. Und so kommt es – Achtung Binsenweisheit – wie so oft im Fußball, der manchmal so richtig ungerecht sein kann: Wenn du vorn deine Buden nicht machst, bekommst du sie hinten rein. Gefühlt sammeln die Rot-Weißen vor der bayerischen Pokal-Rekordkulisse zwei Dutzend Torschüsse. Die Mannen aus der Landeshauptstadt dagegen haben derer nur drei, von denen aber einer sitzt. Schütze wie so oft in dieser Spielzeit ist der gefährlichste Löwe, „Vikinger“ und Maskenträger Sigurd Haugen.
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SSV Jahn dominiert
Die leicht favorisierte Gastmannschaft startet an diesem Samstagnachmittag bei herrlichstem Fußballwetter leicht überlegen, nähert sich dem Jahn-Tor aber nur semigefährlich an. Nach zehn Minuten ist es mit der Münchener Fußballherrlichkeit vorbei, Regensburg kommt auf, und fortan spielt nur noch eine Mannschaft: der SSV Jahn. Angetrieben vom Filigrantechniker Fein, Kämpfer Saller und dem umtriebigen Bauer setzt man den behäbig, ja fast schon arrogant auftretenden Gast unter Druck. Doch ob Saller, Hottmann, Bauer, Fein oder Eichinger – sie alle vergeben kläglich oder scheitern am starken Löwenkeeper Dähne. Zur Halbzeit steht ein für die Gäste außerordentlich glückliches torloses Remis.
Was war im Pausentee der Löwen?
TSV-Trainer Markus Kauczinski muss den Seinen in der Pause entweder passende Worte gesagt oder einen aufputschenden Tee eingeflößt haben, so anders kommen die Löwen, die bis dahin eher wie zahme Kätzchen aufgetreten sind, aufs Feld. Jahn-Coach Munier Raychouni wird dagegen seiner Truppe nur eines eingetrichtert haben: „Schießt endlich ein Tor, Ihr habt es verdient!“ Dieses Tor aber fällt wie aus heiterem Himmel auf der anderen Seite. Der robuste Sigurd Haugen, den sie in München wegen seiner Maske, die er nach einem im Dezember erlittenen Kieferbruch trägt, nur „Hannibal“ (nach der Filmfigur „Hannibal Lecter“) rufen, setzt sich im Laufduell gegen den gewiss nicht schwachen Österreicher Felix Strauss durch und jagt die Kugel aus zehn Metern humorlos ins linke Eck, – unhaltbar für Youngster Wechsel, der ansonsten einen geruhsamen Nachmittag verlebt.
Es folgen weitere Regensburger Angriffe, die aber jetzt häufig ungenauer werden, weil die Kraft nachlässt – nachvollziehbar angesichts des aufwendigen Spiels, das man eine Stunde leidenschaftlich gezeigt hat. Jetzt wachen auch die fast 5000 Löwenfans unter den gut 14.000 Zuschauern wieder auf, werden lauter und lauter. Lange müssen sie miterleben und mitleiden, welch bescheidene Leistung ihre Mannschaft über 80 Minuten bietet.
Starker Jahn, eifriger Vollath
Resümee: Der SSV Jahn belohnt sich für eine dominante und spielerisch starke Leistung nicht und scheitert hauptsächlich an der katastrophalen Chancenverwertung, an Keeper Thomas Dähne und an der „Ein-Mann-Mauer“ Max Reinthaler. Beeindruckend bei den Löwen der Einsatzwille von Kevin Vollath, der sich für keinen Weg zu schade ist. Auch wenn ihm nicht alles glückt: Was der Ex-Nationalspieler 90 Minuten lang rennt, Bälle verteilt und Teamkollegen motiviert, ist vorbildlich.
Beim SSV Jahn einen Akteur herauszuheben, fällt schwer. Allen gebührt ein Sonderlob für eine durch die Bank bärenstarke Vorstellung. Sie spielen die Löwen teilweise an die Wand, kämpfen bis zum Umfallen, erarbeiten sich Chancen im Minutentakt, allein: Sie vergessen das Toreschießen. Wie zuvor erwähnt: Wenn du vorn deine Buden nicht machst…







