SSV Jahn holt im Schweinfurter Eiskeller drei Punkte, die nur einmal am seidenen Faden hängen
SSV Jahn holt im Schweinfurter Eiskeller drei Punkte, die nur einmal am seidenen Faden hängen
Eric Hottann, John Posselt und Philipp Müller hätten ihrem Trainer Michael Wimmer wohl einige graue Haare ersparen können. Jeweils völlig freistehend scheiterten sie beim Stand von 0:1 und in Unterzahl kläglich vor dem FC-Tor. Ein zweiter Treffer hätte den ohnehin lange Zeit harm- und einfallslosen Gastgebern wohl vorzeitig den Garaus gemacht. So musste man sich schon auf Teufelskerl Felix Gebhardt verlassen, der in der allerletzten Sekunde die Riesenchance des eingewechselten Manuel Wintzheimer mit einem Reflex der Marke „unglaublich“ den Ausgleich verhinderte.
Dominant im „Eiskeller“
Eine Halbzeit lang sah es nach einem sicheren Sieg der nach der Winterpause so trost- und torlos in die Rest-Saison gestarteten Jahn-Kicker aus. Vom Anpfiff weg des später noch im Mittelpunkt stehenden Schiedsrichters Daniel Bartnitzki übernahmen die Gäste im Schweinfurter „Eiskeller“ die Initiative. Fast eine halbe Stunde lang kam das Schlusslicht kaum einmal in die Nähe des gegnerischen Strafraums. Anders dagegen der SSV. Mit schnellem, schörkellosem Spiel oft über die rechte Seite des agilen Noel Eichinger überrumpelte man die Abwehr der „Schnüdel“ ein ums andere Mal. Doch mehr als der schön herausgespielte Treffer des Rechtsaußen nach mustergültigem Passe von Benedikt Bauer sprang nicht heraus.
Wie es dann so oft ist im Fußball: Wenn du deine Chancen nicht nutzt, machst du den Gegner stärker. Doch „stark“ ist im Kontext der Schweinfurter Bemühungen der falsche Ausdruck. Die Gastgeber erarbeiteten sich zwar ein leichtes Plus an Ballbesitz und gewonnenen Zweikämpfen, aber wirklich gefährlich wurden sie lange nicht. Auf der Gegenseite spielte der Jahn seine Angriffe immer unentschlossener aus, wirkte gegen Ende der ersten Halbzeit zu passiv.
Plötzlich war Defensive angesagt
Auch der bei Temperaturen von deutlich unter null Grad willkommene, wärmende Pausentee, vermochte die Regensburger Bemühungen im zweiten Abschnitt nicht zielstrebiger zu machen. Schweinfurt wurde etwas mutiger, ohne sich aber auch nur eine ernsthafte Gelegenheit herauszuspielen. Ein Wendepunkt hätte eine Szene in der 63. Minute werden können. Felix Strauß spielte bei einem – zugegeben etwas sehr motivierten – Zweikampf gegen Leonard Langhans klar den Ball, doch der Schiedsrichter erkannte in dieser Szene ein Foul, was ihn veranlasste, eine unberechtigte Gelbe Karte zu zücken. Über diese Entscheidung regte sich der Österreicher im Jahn-Trikot derart auf, dass er den Unparteiischen mit der wohl ältesten Beleidigung im Fußball („Ihr seid ja alle blind“) bedachte. Daniel Bartnitzki konnte sich das natürlich nicht gefallen lassen und schickte Strauß mit glatt Rot vom Feld.
Jetzt war natürlich Defensive angesagt bei den Gästen, was Coach Wimmer mit der Einwechslung von Bene Geipl, Paul Müller und John Xaver Posselt auch verdeutlichte. „Hinten dicht machen“, hieß die Devise, was gegen die einfallslosen Gastgeber nicht allzu schwer fiel. Jahn-„Torwächter“ (um mit Fußballlegende Günther Netzer zu sprechen) Gebhardt musste sich lediglich bei einem Latteier-Schuss leicht bewegen. Ansonsten geriet sein Kasten kaum einmal in Gefahr. Bis in die besagte Minute 90+6, die es gar nicht hätte geben dürfen, weil nur fünf Minuten Nachspielzeit angezeigt waren.
Felix Gebhardts „Pranke“
Doch der Unparteiische, der im Dezember im Drittligaspiel in Rostock zuungunsten von Alemannia Aachen mehrere haarsträubende Fehlentscheidungen getroffen hatte, fand wohl so viel Gefallen an der Begegnung an diesem späten Samstagnachmittag, dass er noch zwei Minuten draufpackte. Und ausgerechnet da hätte der Tabellenletzte noch den Ausgleich gemacht. Nach einer schönen Kombination, der einzigen des FC in der gesamten Partie, stand Wintzheimer fünf Meter vor dem Tor plötzlich vollkommen frei. Er packte auch den Hammer aus, doch Hexer Felix Gebhardt riss die linke Pranke hoch und lenkte das Geschoss mit einem unglaublichen Reflex über die Latte.
Ein Schiedsrichter im Mittelpunkt
Schiedsrichter Daniel Bartnitzki geriet im Dezember 2025 nach dem Drittliga-Spiel Hansa Rostock gegen Alemannia Aachen (2:2) wegen zwei gravierender Fehlentscheidungen in die Kritik. Er gab fälschlicherweise einen Elfmeter für Rostock und benachteiligte Aachen durch eine weitere Fehlentscheidung, was zu einer kicker-Note 5,5 führte.
Was natürlich nicht geht, waren die Reaktionen darauf. Der 29-Jährige könne die Kritik an seiner Leistung verstehen. „Dass es zwei Fehlentscheidungen waren, die mir nicht passieren dürfen, steht außer Frage“. Doch aufgebrachte Stimmung hin oder her, in den Folgetagen erreichten neben der kritischen und sogar bundesweiten Berichterstattung Bartnitzki auch persönlich Zuschriften, „die krass sind und unter die Gürtellinie gehen“.







