Altersvorsorge gegen den Kunden: Finanzlösungen und deren Lobby

Altersvorsorge gegen den Kunden: Finanzlösungen und deren Lobby
Denn es ist wahrlich nicht verwunderlich, dass in Vertriebsstrukturen, in denen Provisionen den Ertrag bestimmen, sich der Fokus zwangsläufig weg vom Nutzen für den Kunden, hin zur Platzierung und Verkauf einzelner Produkte verschiebt. Leider ist das eine systemische Realität.
Wer A sagt, der kann B schon einmal vergessen
Besonders deutlich zeigt sich das bei langfristigen Versicherungsprodukten. Hohe Abschlusskosten, intransparente Kalkulationen und (viel zu) optimistische Annahmen führen dazu, dass viele Verträge ihr zentrales Ziel verfehlen: reale Kaufkrafterhaltung oder planbare Altersvorsorge.
Was auf dem Papier „garantiert“ wirkt, verliert in der Realität und unter Inflation, Kosten und steuerlicher Belastung oft schleichend an Wert. Das menschliche Gehirn tut sich schwer damit, sich über einen langen Zeitraum einen derartigen schleichenden Wertverlust vorzustellen, weswegen solche Produkte weiterhin von Millionen Deutschen gekauft werden.
Eine gute Idee ist das im Allgemeinen nicht und das ist mittlerweile auch beim Verbraucherschutz und bei den Gerichten angekommen. Nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb ist Werbung irreführend, wenn wesentliche Informationen fehlen, die ein Verbraucher zur geschäftlichen Entscheidung benötigt. Grundlage dafür ist, dass Versicherungen oft von etwaigen Steuervorteilen ihrer Produkte schwärmen, aber vergessen, die nachgelagerte Versteuerung zu erwähnen.
Selbst die BaFin, die wohlgemerkt höchste deutsche Finanzaufsicht, hat in mehreren Veröffentlichungen betont, dass zahlreiche Versicherungsprodukte keinen ausreichenden Kundennutzen bieten.

Wie Sie aufhören, Blödsinn mit Ihrem Vermögen zu machen...
Grafenwöhr. Wer etwas Vernünftiges mit seinem Geld anfangen möchte, sollte sich den Vortrag von Dr. Matthias Bernhardt am Dienstag, 10. Februar, nicht entgehen lassen. Der Finanzexperte gibt wertvolle Tipps, wie man bei der Geldanlage Fehler vermeidet und Vermögen sinnvoll anlegt.
Das System ist politisch gewollt
Dennoch beabsichtigt die Bundesregierung eine weitreichende Reform des Verbraucher- und Versicherungsvertragsrechts.
Was zunächst nach abstrakter Rechtsmaterie klingt, wird für zahlreiche Versicherungsnehmer spürbare Konsequenzen haben.
Der vorliegende Gesetzentwurf sieht vor, zentrale Schutzmechanismen (wie das Widerrufsrecht und Informationspflichten der Versicherer) einzuschränken oder vollständig entfallen zu lassen.
Begründet wird dies offiziell mit dem Ziel einer größeren Rechtssicherheit und Bürokratieabbau. Faktisch führt die Reform jedoch zu einer Schwächung der Verbraucherposition, während Versicherungsunternehmen geringeren Transparenzanforderungen unterliegen.
Das heißt, dass die Verbraucher, die im Allgemeinen diese Verträge ohnehin kaum verstehen, auch noch weniger Rechte bekommen.
Nach derzeitiger Planung soll die Neuregelung am 19. Juni 2026 wirksam werden.
Dieses Datum stellt somit einen zentralen Zeitpunkt dar, den Versicherungsnehmer unbedingt im Blick behalten sollten.
Was konkret auf Sie zukommt
- Künftig soll das Widerrufsrecht spätestens einige Monate nach Vertragsschluss enden, selbst dann, wenn der Versicherer fehlerhaft belehrt hat. Das bisherige „ewige Widerrufsrecht“, wovon bereits Millionen von Versicherungsnehmern profitiert haben, würde entfallen.
- Bislang hatten Versicherungsnehmer nach § 7 Abs. 4 VVG einen gesetzlichen Anspruch darauf, vom Versicherer jederzeit eine erneute Übermittlung der Vertragsunterlagen zu verlangen.
Diese ausdrückliche Verpflichtung soll künftig entfallen; Versicherer müssen Vertragsunterlagen nicht mehr auf Verlangen erneut aushändigen. - Die Anforderungen an die Widerrufsbelehrung werden neu gefasst. Der Entwurf verzichtet auf einzelne nationale Formulierungen zur „deutlichen Gestaltung“, der bisherige nationale Schutzstandard wird formal umgestaltet.
Was Sie jetzt tun sollten
Wenn Sie einen Lebens-, Renten- oder Kapitalversicherungsvertrag besitzen und Ihr Ziel ist, Ihre Ruhestandsfinanzen sicher und transparent zu strukturieren, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, den Vertrag unabhängig prüfen zu lassen und gegebenenfalls nach Alternativen Ausschau halten, die Sie und Ihre Altersvorsorge in den Vordergrund stellen und nicht die Erträge aus dem Verkauf von fragwürdigen Produkten.
In meinem Fachvortrag am Dienstag, den 10. Februar, um 18:30 Uhr in Grafenwöhr mit dem Titel „Wie Sie aufhören, Blödsinn mit Ihrem Vermögen zu machen, und stattdessen kluge Finanzentscheidungen treffen“ greife ich unter anderem das Thema auf und zeige anhand mehrerer echter Beispiele und einer realen Vertragsanalyse, was es wirklich für Ihr Vermögen bedeutet, in solche Produkte zu investieren.




