Copilot, Claude, n8n: Johannes Ostner und C4TRENDS über die nächste Stufe der KI

Copilot, Claude, n8n: Johannes Ostner und C4TRENDS über die nächste Stufe der KI
Texte schreiben, E-Mails zusammenfassen oder Informationen recherchieren: Für viele beginnt generative KI mit einem Chatfenster. Doch die Entwicklung geht längst weiter. KI-Assistenten ziehen in bestehende Anwendungen ein, unterstützen bei der Softwareentwicklung und können wiederkehrende Arbeitsschritte zu automatisierten Workflows verbinden.
KI-Weiterbildung: Praxisnah und anwendungsorientiert
C4TRENDS in Weiherhammer greift diese Entwicklung gemeinsam mit Johannes Ostner von 42 Coding Solutions in seinen Weiterbildungsangeboten auf. Ostner beschäftigt sich in seiner täglichen Arbeit mit KI, Digitalisierung und der Automatisierung von Unternehmensprozessen und bringt damit vor allem die praktische Perspektive in die gemeinsamen Trainings ein.
Dabei geht es nicht nur darum, einzelne KI-Werkzeuge kennenzulernen, sondern sie im eigenen Arbeitsalltag sinnvoll einzusetzen und Potenziale für Prozessautomatisierung zu erkennen.
Im Interview erklärt Ostner, wo er die Unterschiede zwischen Copilot, ChatGPT und Claude sieht, wann aus einem Chatbot besser ein automatisierter Workflow werden sollte – und warum KI-Kompetenz erst durch eigenes Ausprobieren entsteht.
ChatGPT kennen inzwischen fast alle. Daneben spielen Microsoft Copilot und Claude eine immer größere Rolle. Worin unterscheiden sich diese Werkzeuge im Arbeitsalltag – und wann würden Sie welches einsetzen?
Johannes Ostner: Jedes Tool hat Stärken und Schwächen. Bei der Nutzung von ChatGPT und Claude im Unternehmenskontext muss man sehr vorsichtig sein beziehungsweise verstößt gegebenenfalls ohne spezielle Konfigurationen und Preismodelle gegen die DSGVO oder den EU AI Act. Am rechtssichersten fährt man daher vermutlich mit Microsoft Copilot. Allerdings ist dieser ehrlicherweise auch das schwächste Tool, und wir nutzen es primär für die Verarbeitung von E-Mails und Videokonferenzen. ChatGPT und Claude sind von der Leistungsfähigkeit und den Funktionen her größtenteils sehr ähnlich. Bei der Bildgenerierung hat ChatGPT die Nase vorn, bei der Softwareentwicklung würde ich aktuell Claude beziehungsweise Claude Code empfehlen. Dennoch hier noch einmal der Hinweis: Dürfen die zu verarbeitenden Daten die EU nicht verlassen, kann man ChatGPT und Claude nicht ohne Weiteres nutzen.
Wann ist der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr nur darum geht, mit einer KI zu chatten, sondern ganze Abläufe oder wiederkehrende Aufgaben zu automatisieren? Können Sie dazu ein konkretes Beispiel aus der Praxis nennen?
Ostner: Wenn ich mit dem Chatbot meiner Wahl immer wieder dieselbe Unterhaltung zur selben Tätigkeit führe, sollte ich über eine Automatisierung nachdenken. Das muss keine vollständige Automatisierung sein; man kann auch menschliche Kontrollen als Teil der Automatisierung einbauen. Wenn ich zum Beispiel jeden Montag einen LinkedIn-Beitrag vorbereiten muss – mit Recherche und so weiter –, dann können Tools wie zum Beispiel n8n das von ganz allein, und ich segne den Text am Ende nur noch ab. Oder ich muss regelmäßig die Artikel und deren Beschreibungen in meinem Onlineshop anpassen, erweitern, hinzufügen: Auch hier kann n8n in Zusammenarbeit mit einem Sprachmodell für mich erledigen, und ich gebe die jeweiligen Artikel am Ende nur noch frei.
In den gemeinsamen Workshops mit C4TRENDS geht es bewusst auch darum, eigene Anwendungsfälle auszuprobieren und umzusetzen. Warum ist dieser Schritt so entscheidend, damit aus Weiterbildung tatsächlich Anwendung wird?
Ostner: An sich ist die Nutzung von generativer KI nicht schwer, da sie über menschliche Sprache gesteuert wird, und ihrer sind wir alle mächtig. Dennoch hat jeder seinen eigenen Stil, und nicht jeder Prompting-Tipp funktioniert bei jedem Nutzer und bei jedem Anwendungsfall gleich gut. In den Schulungen geht es also erst einmal darum zu vermitteln, wie die richtigen Anweisungen an die Sprachmodelle gestellt werden und welche Techniken man anwenden kann, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Richtig gefestigt werden diese Tipps meiner Erfahrung nach aber erst beim Ausprobieren an alltäglichen Aufgaben. Und diese sind dann bei den Schulungsteilnehmenden eben sehr individuell.
Wenn wir zwei oder drei Jahre nach vorne schauen: Welche Fähigkeiten im Umgang mit KI werden für viele Beschäftigte dann wahrscheinlich ganz selbstverständlich sein?
Ostner: Wir sind noch weit weg von einer flächendeckenden Nutzung der generativen KI im Alltag, obwohl LinkedIn oder auch die Medien das vielleicht anders präsentieren. Daher ist der Zeithorizont vielleicht etwas zu kurz. Wir haben allerdings schon erste Bewerbungen erhalten, die „Prompt-Engineering“ als Skill im Lebenslauf aufgelistet haben, und das ist vermutlich eine Fähigkeit, die mehr und mehr Relevanz erlangt. Ich persönlich hoffe beim Thema generative KI auch auf eine stärkere Sensibilisierung hinsichtlich Halluzinationen und Fehlinformationen.
KI vertiefen und ausprobieren bei C4TRENDSAI meets Automation
KI-Chatassistenten als neue Bedienoberfläche, KI-gestütztes Engineering in
der SPS-Welt und Live-Anwendungen aus der industriellen Automatisierung: Am 8. Oktober 2026 im Future Lab Weiherhammer bringt C4TRENDS Unternehmen,
Wissenschaft und Technologiepartner zusammen. Mit dabei sind unter anderem
Beckhoff Automation und Balluff. Die Teilnahme ist kostenlos, eine
Anmeldung ist erforderlich.
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