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ECHO-Unternehmergespräch mit Christian Engel und Thomas List: Warum ist China für BHS Corrugated so wichtig?

Weiherhammer. BHS Corrugated ist eines von derzeit rund 5000 deutschen Unternehmen, die in China aktiv sind. Warum ist man dort? Was vermag die Volksrepublik, was Deutschland nicht kann? Wie sieht die wirtschaftliche Zukunft hierzulande aus? Jede Menge Fragen. Die interessanten Antworten aus berufenem Mund gibt es hier.

ECHO-Unternehmergespräch mit Christian Engel und Thomas List: Warum ist China für BHS Corrugated so wichtig?

Christian Engel, Geschäftsführer der BHS Corrugated, hat zu seinem runden Geburtstag ein Portrait im XXL-Format geschenkt bekommen. Foto: Theo Kurtz

China – das war in der Vergangenheit „nur“ die verlängerte Werkbank für internationale Industriekonzerne. Mittlerweile ist das Reich der Mitte zu einer Technologienation aufgestiegen. Bei der grünen Energie oder auch bei der Digitalisierung ist das Land dem Rest der Welt längst davongeeilt. Etwa 5000 deutsche Unternehmen sind in der Volksrepublik aktiv. Eines davon ist BHS Corrugated aus Weiherhammer. Seit mehr als zwei Jahrzehnten engagiert sich dort der führende Lösungsanbieter der Wellpappenindustrie. Mit großem Erfolg. Was aber macht China für die Oberpfälzer so interessant? Im Gespräch mit OberpfalzECHO zeigen Geschäftsführer Christian Engel und Group CFO Dr. Thomas List die Pluspunkte auf. Und sie machen gleichzeitig deutlich, woran es in Deutschland krankt. Zudem betonen sie, welche Schlüsselrolle der Hauptstandort in Weiherhammer einnimmt.

Beschreiben Sie doch das unternehmerische Engagament von BHS Corrugated in China. 2027 soll ja im Reich der Mitte auch noch ein zweiter Produktionsstandort eröffnet werden. 

Christian Engel: Wir engagieren uns schon seit mehr als 20 Jahren in China. 2003 haben wir in Shanghai ein Werk eröffnet. Dort werden auf einer Produktionsfläche von mehr als 33.000 Quadratmeter unter anderem Wellpappenanlagen und Riffelwalzen produziert. Shanghai ist auch unser Hauptquartier für den gesamten asiatischen Raum. Heute entwickeln und bauen wir hier Equipment für den Weltmarkt. Und wir errichten aktuell eine zweite Fabrik für neue Produkte.

Warum eigentlich China?

Engel: China ist ein Riesenmarkt, das war schon Mitte der 90er Jahre absehbar, als bereits unser Vater angefangen hatte mit diesem Land Geschäfte zu machen. Heute sind wir dort Marktführer.

Dr. Thomas List ist Group CFO in der BHS Welt. Foto: BHS Corrugated

Ist China für Sie als Wirtschaftsstandort im asiatischen Raum eigentlich alternativlos? Wie wäre es zum Beispiel mit Indien? 

Witron Zoiglbrotzeit
Witron Zoiglbrotzeit

Thomas List: Ja, China ist für uns alternativlos. Hier existiert der größte Markt für Verpackungen weltweit. Aber wir engagieren uns auch in Indien. So wurde Anfang 2026 eine neue Fabrik in Pune eröffnet. Indien ist für uns der „Brain Pot“, China der „Production Pot“. Beide Länder sind also für uns komplementäre Märkte. 

In Indien gibt es die besten Universitäten der Welt, die auch die absoluten Top-Absolventen, gerade im Softwarebereich hervorbringen. In nahezu jedem zweiten Chefsessel eines US-amerikanischen Unternehmens sitzt mittlerweile ein Inder. Und das Land selbst entwickelt eine unglaubliche Dynamik. In den vergangenen Jahren wurden mehr als 100 Flugplätze und 90.000 Autobahnkilometer gebaut. Unser Engagement in Indien ist auch eine Reaktion auf den Fachkräftemangel in Deutschland. Wir wollen diesen indischen Talentpool für uns nutzen.

Unser Engagement in Indien ist auch eine Reaktion auf den Fachkräftemangel in Deutschland. Wir wollen diesen indischen Talentpool für uns nutzen.

Dr. Thomas List, Group CFO in der BHS Welt

Was kann China, was Deutschland nicht kann? 

Engel: China zeichnet sich durch eine hohe Innovationsgeschwindigkeit und enormer Riskobereitschaft aus. Es herrscht dort ein intensiver Wettbewerb, der zu einem bitteren Überlebenskampf führt. Bis vor fünf Jahren gab es um die 160 Autobauer. Davon werden in ein paar Jahren ein Dutzend übrigbleiben. Es ist also eine Mär, wenn behauptet wird, dass Peking seine schützende Hand über die Unternehmen hält. 

List: Man hat den Eindruck, dass diese Risikobereitschaft in der chinesischen DNA verankert ist. In Deutschland setzt man auf Gründlichkeit und auf die „von 0 auf 1“-Innovation, als erster Entwicklungsschritt für ein neues Produkt. China ist uns bei der Skalierung „von 1 bis 100“  überlegen. Und ehrlich gestanden, bin ich mir nicht einmal sicher, ob den Chinesen die „0 auf 1“-Innovation tatsächlich auch wichtig wäre. Ich möchte betonen: Auch wenn BHS Corrugated ihre internationale Präsenz weiter ausbaut, bleibt Weiherhammer ein maßgeblicher Standort für Forschung, Entwicklung und Innovation – wie bereits seit vielen Generationen. Wir schätzen das Know-how und den Zusammenhalt in der Region und möchten die Innovationskraft unserer Mitarbeitenden am Standort Weiherhammer weiterhin für die BHS Welt nutzen.

In China steht die Wirtschaft im Zentrum der Politik

Was macht einem deutschen Firmenchef in China im Vergleich zu Deutschland das unternehmerische Leben leichter?

Engel: Natürlich gibt es auch in China Bürokratie. Im Gegensatz zu Deutschland muss man aber nicht 1000 Vorschriften beachten, sondern nur ein paar, strikte und pragmatische Regeln, die aber konsequent durchgesetzt werden. In China steht die Wirtschaft im Zentrum der Politik, bei uns bestimmt der Sozialhaushalt die politische Agenda.

Was macht es schwieriger?

List: Die Sprache generell und die Zwischentöne in der Kommunikation, die man richtig einschätzen muss.

In China steht die Wirtschaft im Zentrum der Politik, bei uns bestimmt der Sozialhaushalt die politische Agenda.

Christian Engel, Geschäftsführer der BHS Corrugated

Wenn Sie beide Wirtschaftsstandorte vergleichen: Was sind die signifikantesten Unterschiede?

Engel: Die deutsche Bürokratie ist langsam und ineffizient. Bei uns im Unternehmen müssen sich sage und schreibe 17 Mitarbeitende nur alleine mit Themen wie zum Beispiel Arbeitssicherheit, Datenschutz oder dem Berichtswesen beschäftigen. Wir leiden hier unter den weltweit höchsten Kosten, einem Mangel an Arbeitskräften und Unflexibilität. In China profitieren wir von deutlich niedrigeren Kosten, einem riesigen Fachkräftepool und pragmatischen, unternehmerfreundlichen Behörden. Wenn das chinesische Finanzamt zum Beispiel feststellt, dass Unternehmenserträge gesunken sind, wird angeklopft und nachgefragt, ob man helfen könne. Als Standort für unsere neue Fabrik zum Beispiel haben sich vier oder fünf Distrikte interessiert. Wir wurden regelrecht umworben. Das reichte vom Erlassen der Umsatzsteuer, bis zur Bereitstellung von Wohnraum für die neuen Beschäftigten.

Ist für Sie Wirtschaftsspionage in China ein Thema oder gar ein Problem?

List: Der Schutz von Know-how und geistigem Eigentum hat bei uns einen sehr hohen Stellenwert und ist sogar fester Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie! Wir haben Patente und Patentstrategien und müssen schauen, dass wir immer besser sind, als der Wettbewerb. China selbst schützt Innovationen konsequent. Wer dagegen verstößt, muss mit drakonischen Strafen rechnen. Von diesem staatlichen Know-how-Schutz profitieren natürlich auch ausländische Firmen wie wir.

Keine Chance für Neuankömmlinge

Angenommen ein befreundeter Unternehemerkollege kommt auf Sie zu und sagt: Christian, ich geh mit meinem Betrieb nach China. Was würden Sie sagen: „Super-Idee“ oder „Überlege es Dir gut“?

Engel: Ich würde sagen: Pass auf, es ist zu spät, bleib lieber da. Der Wettbewerb in China wird jeden Tag brutaler. Als Neuankömmling hast du keine Chance mehr. Ich bin heilfroh, dass wir schon so lange dort sind.

In Berlin gaben sich ja die Kommissionsrunden die Klinke in die Hand, um die Bundesrepublik zukunftsfit zu machen. Wie sehen Sie die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland?

List: Die Lage ist zugegebenermaßen angespannt, aber nicht hoffnungslos. Ich würde also in keinster Weise den Abgesang auf den Wirtschaftsstandort Deutschland anstimmen wollen. Ich denke, der unternehmerische Mittelstand, und der bildet ja das wirtschaftliche Rückgrat, ist widerstandsfähig genug, um auch diese Krise zu meistern. 

Engel: Die hohen Energiekosten, der Fachkräftemangel, die Bürokratie, all das sind Problemfelder, die die Politik endlich angehen und lösen muss. Wir müssen auch weg von dieser „Weniger Arbeit für mehr Lohn“-Mentalität, wie sie die Gewerkschaften in der Vergangenheit propagiert haben und noch immer propagieren. Allerdings muss sich Mehrarbeit unbedingt lohnen. Die hohen Steuern und Sozialabgaben schaffen keinen Leistungsanreiz. Auch da muss die Politik unbedingt ansetzen.