Wachstumsdenken statt Notenfixierung beim Wirtschaftsforum in Neustadt
Wachstumsdenken statt Notenfixierung beim Wirtschaftsforum in Neustadt
Die dritte Station der Veranstaltungsreihe Wirtschaftsforum Nordoberpfalz – Work-Life-Wow machte beim Brucksaler in Neustadt/WN Halt. Inhaltlich betreuten die Wachstumsexperten der Strategieberatung The Ringsight die Runde, die das Thema Growth Mindset in den Mittelpunkt rückte. Nach der Diskussionsrunde der Wirtschaftsförderung des Landkreises Neustadt an der Waldnaab beantwortete Stefanie Luber vom ÜBZO OberpfalzECHO konkrete Fragen zum praktischen Nutzen einer wachstumsorientierten Denkweise.
Regionale Zusammenarbeit und Potenziale
Zu den Hürden in der Zusammenarbeit mit Betrieben in der Nordoberpfalz stand die Frage im Raum: „Sie arbeiten eng mit den Betrieben in der Nordoberpfalz zusammen. Wo liegen in den Betrieben die Hürden und Ängste?“ Luber ordnet ein: „Ich glaube, eine der größten Herausforderungen ist tatsächlich, Potentiale richtig zu erkennen. Noten sind wichtig, aber sie sind eben oft nur eine Momentaufnahme. Wir erleben im ÜBZO immer wieder, dass junge Menschen, die sich in der Theorie schwertun, in der Praxis richtig aufblühen. Und sobald sie verstehen, wofür sie das, was sie lernen, im Berufsalltag brauchen, wächst auch die Motivation deutlich. Deshalb ist mir wichtig: nicht nur aufs Zeugnis schauen, sondern jungen Menschen wirklich die Chance geben, ihre Stärken zu zeigen.“
Bewertungssysteme und deren Sinnhaftigkeit
Beim Blick auf Bewertungssysteme erläutert Luber ihre Haltung zu Noten ausführlich. „Noten sind erstmal nichts Schlechtes. Sie sind ein wichtiger Bestandteil von Bewertungssystemen und geben auch eine gewisse Orientierung. Problematisch wird es aus meiner Sicht erst dann, wenn sie das alleinige Kriterium für Entscheidungen sind. Denn sie bilden immer nur eine Momentaufnahme ab und spiegeln vor allem fachliche Leistungen in einer konkreten Prüfungssituation wider. Für eine erfolgreiche Ausbildung spielen aber viele andere Dinge eine Rolle: Motivation, Lernbereitschaft, praktische Fähigkeiten oder auch der Umgang mit Herausforderungen im Alltag. Das sieht man in Noten nur sehr eingeschränkt. Und wenn man ausschließlich darauf schaut, besteht einfach die Gefahr, dass man Potenziale übersieht. Ein umfassender Blick auf den Menschen und seine Entwicklungsmöglichkeiten ist deshalb deutlich zielführender. Für Betriebe genauso wie für die Jugendlichen selbst.“
Bildungs-Culture-Clash
Zum Spannungsfeld zwischen Bildungs- und Betriebspraxis nahm Luber ebenfalls Stellung. Auf die Frage „Erleben Sie manchmal einen Kulturclash zwischen Ihrer Wissensvermittlung und der betrieblichen Ausbildung?“ sagt sie: „Von einem Kulturclash würde ich ehrlich gesagt nicht sprechen. Was wir eher erleben, ist das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Perspektiven und Rahmenbedingungen. Betriebe arbeiten im Alltag sehr praxis- und prozessorientiert, oft auf Basis von Erfahrung und bewährten Abläufen. Wir im Bildungsbereich haben gleichzeitig den Auftrag, Grundlagen zu vermitteln, Lernprozesse zu begleiten und auch neue Entwicklungen in die Ausbildung zu integrieren. Manchmal entsteht dabei ein Spannungsfeld zwischen „Das haben wir schon immer so gemacht“ und neuen Anforderungen, sei es durch technische Veränderungen oder veränderte Erwartungen der Auszubildenden. Aber das ist aus meiner Sicht kein Widerspruch, sondern ein normaler Teil von Weiterentwicklung. Entscheidend ist, dass wir diese unterschiedlichen Perspektiven zusammenbringen. Genau darin liegt auch unsere Aufgabe im ÜBZO: Ausbildung gemeinsam mit den Betrieben so zu gestalten, dass Bewährtes erhalten bleibt und gleichzeitig Neues sinnvoll integriert wird.“
Ihr persönlicher Impuls
Sie hebt hervor, dass ein persönlicher Impuls entscheidend für eine wachstumsorientierte Denkweise ist: „Mein wichtigster Tipp ist, Lernen wirklich als kontinuierlichen Prozess zu verstehen und nicht als abgeschlossene Phase. Wichtig ist die Bereitschaft, sich selbst immer wieder zu hinterfragen, Feedback anzunehmen und neue Perspektiven zuzulassen. Und vielleicht auch: nicht zu denken „Das kann ich nicht“, sondern eher „Das kann ich noch nicht, aber ich entwickle mich dahin.“

Wirtschaftsforum Nordoberpfalz: Growth Mindset – echtes Wachstum beginnt im Kopf
Neustadt/WN. Beim Wirtschaftsforum Nordoberpfalz – Work-Life-Wow am 10. Juni 2026 drehte sich alles um das Growth Mindset. Ein Impulsvortrag von Dr. Pablo Neder und eine Podiumsrunde gaben Impulse für Unternehmen.
Wenn Du OberpfalzECHO als bevorzugte Quelle hinterlegst, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Dich auf.
Füge jetzt OberpfalzECHO Deinen Quellen hinzu!


