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Lara Sophie Bothur: Die Technik-Influencerin, die KI auch ihrem Opa erklärt

Weiherhammer. Lara Sophie Bothur erklärt künstliche Intelligenz nicht mit Algorithmen, sondern mit Geschichten. Als Corporate Influencerin erreicht sie Hunderttausende auf LinkedIn. Ihre eigentliche Superkraft aber ist eine andere: Sie nimmt Menschen die Angst vor der Zukunft – und gibt ihnen das Gefühl, ernst genommen zu werden.

Lara Sophie Bothur: Die Technik-Influencerin, die KI auch ihrem Opa erklärt

Der DENK.Summit 2026: Interview mit Lara Sophie Bothur. Foto: Martin Zimmer

Es gibt Menschen, die einen Raum betreten und ihn sofort für sich einnehmen. Lara Sophie Bothur nimmt erst einmal ihr Gegenüber ein. Sie hört aufmerksam zu, lacht viel, fragt nach und schafft es innerhalb weniger Minuten, eine Atmosphäre zu erzeugen, in der man vergisst, einer der bekanntesten Tech-Influencerinnen Europas gegenüberzustehen.

Wer ihr begegnet, versteht schnell, warum internationale Konzerne sie nicht nur wegen ihres Wissens über künstliche Intelligenz buchen. Sie vermittelt etwas, das in der Tech-Branche oft Mangelware ist: Empathie, gute Laune, die echt wirkt, und Interesse, das nicht gespielt scheint. Mit anderen Worten: Sie schafft Vertrauen in ihre Authentizität.

„Natürlich Hermine. Immer Gryffindor.“

Mit ihrem öffentlichen Bekenntnis zur „Harry Potter“-Story liefert sie die Steilvorlage für den Einstieg. Mit welcher Figur würde sie sich eher identifizieren: Mit der klugen, aber etwas besserwisserischen Hermione Granger oder der tückischen Bellatrix Lestrange? Fast ein bisschen empört sagt Lara: „Natürlich Hermine. Immer Gryffindor.“ Die Frage ist gar nicht so abwegig. Schließlich schwört Tech-Gigant und „Herr der Ringe“-Fan Peter Thiel darauf, dass in Mordor die Guten wirken.

Und das sind für Thiel die Disruptiven, die den ausgleichenden Sozialstaat zerschlagen. Bei Harry Potter ist Lord Voldemort der Inbegriff von Machtgier und Überlegenheitswahn. In den USA nennt sich das „white supremacy“. Damit hat die 29-Jährige aber gar nichts am Hut. Sie will, wie Harry Potters beste Freundin, ihr Wissen nutzen, um anderen zu helfen. Tatsächlich beschreibt sie damit ziemlich genau ihre berufliche Mission.

Der Opa als Lehrmeister

Die beginnt ausgerechnet mit einem Hundertjährigen, der zwar nicht aus dem Fenster stieg, sich aber sehr gerne von seiner Enkelin die Welt der künstlichen Intelligenz erklären ließ – ihr Großvater, der heuer im Alter von 106 Jahren in Berlin friedlich einschlief, war lange Hauptdarsteller in Laras Posts, ihr Bezugs- und Kristallisationspunkt. Laras Aha-Moment: Als er sie bei einem Besuch fragt, was eigentlich dieses „Carsharing“ sei, womit sie ihn heute heimsuche.

Sie erklärt ihm den Anglizismus nicht anhand digitaler Mobilitätskonzepte oder der Plattformökonomie. Sie erzählt ihm einfach, warum Menschen heute Autos miteinander teilen. Aus dieser kleinen Alltagsszene entsteht später ein LinkedIn-Beitrag, der Hunderttausende erreicht. Vor allem aber eine Erkenntnis: Nicht Innovationen verändern die Welt. Sondern Menschen, die Innovationen verständlich machen.

Pflege Oberpfalz
Pflege Oberpfalz

Bis heute buchstabiert Lara Sophie Bothur technische Innovationen so aus, als schaue ihr Großvater von seiner Wolke da oben aus zu. Algorithmen erklärt sie mit Schaltern und Knöpfen, künstliche Intelligenz mit Zauberei, autonome Systeme mit Geschichten aus dem Alltag. Das macht ihre Beiträge erfolgreich – und erklärt besser als jeder Lebenslauf, warum sie zur ersten hauptberuflichen Corporate Influencerin Deutschlands wurde.

Der DENK.Summit 2026: Neue Besucher-, Hitze- und Teilnahmerekord, starke Start-ups, viele Gewinner. Foto: jrh

Zukunft ohne Weltuntergang

Wer Lara Sophie Bothur zuhört, bemerkt schnell einen Unterschied zu vielen Debatten über künstliche Intelligenz. Während die einen vor dem Untergang der Menschheit warnen und die anderen vom digitalen Paradies träumen, bleibt sie gelassen. Natürlich kennt sie die Risiken. Deepfakes. Betrug. Manipulation. Die Frage, wer Verantwortung trägt, wenn autonome Systeme Entscheidungen treffen. Sie ignoriert das Restrisiko nicht. Aber sie verweigert sich der Lust am Weltuntergang.

„Es braucht Regeln“, sagt sie. KI-generierte Inhalte müssten gekennzeichnet werden. Transparenz sei wichtiger als Verbote. Nicht jede technische Möglichkeit müsse auch genutzt werden. Aber Angst sei noch nie ein guter Ratgeber gewesen. Sie nimmt Technologie nicht schicksalsergeben hin, sie will sie als Werkzeug nutzen. Ob daraus etwas Gutes oder Schlechtes entsteht, entscheidet am Ende nicht der Algorithmus, sondern der Mensch.

Klar ist aber auch: Das setzt Menschen voraus, die sich freiwillig ethische Grenzen setzen – keine Selbstverständlichkeit in einer Branche, in der Geschwindigkeit häufig höher bewertet wird als Selbstbegrenzung. Die vorsichtigen KI-Entwickler von Anthropic, nicht die OpenAI-Pioniere um Sam Altman, die ihr Tempo damit rechtfertigen, schneller als der „Todesstern von Google“ die allgemeine künstliche Intelligenz auf den Markt zu bringen.

Der DENK.Summit 2026: Neue Besucher-, Hitze- und Teilnahmerekord, starke Start-ups, viele Gewinner. Foto: jrh

Die Kunst des Zuhörens

Ob man einer Tech-Influencerin eine komplexe Risikoabwägung zutraut, hängt von vielen Faktoren ab: Wie unabhängig kann eine Medien-Unternehmerin sein, die von Aufträgen aus dieser Branche abhängt? Aber diese Rolle maßt sich Bothur auch gar nicht an. Weil ihr Erfolg aber auf dem Vertrauen basiert, dass sie keine platte PR verbreitet, ist eine gewisse Distanz zu den Produkten, die sie erklärt, Teil des Geschäftsmodells. Dabei fällt auf: Lara Sophie antwortet selten sofort. Sie hört genau hin. Überlegt einen Moment. Und antwortet selten mit Marketing-Plattitüden. Stattdessen erzählt sie Geschichten.

Von ihrer Mutter, die beim Abendessen sofort aufs Handy schaut, weil jede neue Nachricht wichtig erscheint. Von Kindern, die ihre Eltern schon heute dafür belächeln, dass sie jedes Video im Internet für bare Münze nehmen. Oder sie malt sich aus, wie ein multisensueller Geschichtsunterricht Schüler packen könnte: Mit VR-Brille am Esstisch von Ludwig XIV. dinieren, statt Jahreszahlen auswendig zu lernen. Gut, die Gerüche der Epoche sollte man vielleicht aussparen. Bilder statt Buzzwords, die nicht nur im Kopf haften bleiben.

Der DENK.Summit 2026: Neue Besucher-, Hitze- und Teilnahmerekord, starke Start-ups, viele Gewinner. Foto: jrh

Reichweite mit Haltung

Dass sie soziale Netzwerke versteht, daran besteht kein Zweifel. Sie analysiert Algorithmen wie andere Schachpartien. Sie weiß genau, welche Mechanismen Beiträge viral machen und warum Empörung fast immer besser funktioniert als Differenzierung. Respekt verdient ihre Entscheidung, dieses Spiel nur begrenzt mitzuspielen. „Ich möchte diese Spirale nicht mitmachen“, sagt sie. Lieber erzählt sie von mutigen Ideen und Menschen, die Probleme lösen wollen. Das kostet manchmal Reichweite. Offenbar nimmt sie das bewusst in Kauf.

Lara Sophie Bothur hat Freude daran, sich eine positive Utopie auszumalen. Ein Gegenentwurf zu den Dystopien, die besser zur derzeitigen Krisenstimmung passen. Autonome Fahrzeuge schaffen in ihrer Vision Platz für Menschen statt für Parkplätze. Roboter übernehmen schwere oder gefährliche Arbeiten, damit Pflegekräfte mehr Zeit für Zuwendung haben. Solardächer prägen die Städte, Drohnen liefern Pakete, dreidimensionale Drucker produzieren Kleidung nach Bedarf. Zu Ende gedacht heißt das: Die Tech-Influencerin will kein Primat der Technik. Sie will eine menschlichere Zukunft.

Der DENK.Summit 2026: Interview mit Lara Sophie Bothur. Foto: Martin Zimmer

Die freundliche Seite der Zukunft

Eine Welt, in der Technik den Menschen Arbeit abnimmt, aber nicht ihre Beziehungen ersetzt. Diese Zukunftsidylle mag naiv erscheinen. Vielleicht aber ist es das dringend benötigte Gegengift gegen die Propheten des Untergangs, die Angst verbreiten, um ihre eigene Machtergreifung vorzubereiten. Und diese Angst ist nicht unbegründet, in einer Gegenwart zwischen ignorierter Klimakrise, näher rückenden Kriegen und KI-Warnungen von den Zauberlehrlingen, die die Büchse der Pandorra erst geöffnet haben.

Das Metier der „Influencer“ hat keinen allzu guten Ruf. Man hat eine Heerschar von überschaubar talentierten jungen Menschen vor Augen, die allerlei unnützen Tand anpreisen, als sei er der heilige Gral: Kosmetik, Dubai-Schokolade oder von Scheichs bezahlte Imagekorrekturen am despotischen Königreich. Eitle Selbstdarstellung, Reichweitenjagd und eine künstlich kuratierte Perfektion sind ein schaler Ersatz für pralles Leben.

Lara Sophie Bothur zeigt, dass es auch anders geht. Auch sie inszeniert sich natürlich – wie jeder Mensch, der öffentlich kommuniziert. Aber hinter der professionellen Rolle bleibt etwas spürbar, das sich nicht planen lässt: echtes Interesse am Gegenüber. Und damit die Chance, auch andere Sichtweisen zur Kenntnis zu nehmen. Und gegebenenfalls die eigene Position zu korrigieren. Kommunikation als Dialog, nicht als Frontalunterricht.

Der DENK.Summit 2026: Neue Besucher-, Hitze- und Teilnahmerekord, starke Start-ups, viele Gewinner. Foto: jrh
Der DENK.Summit 2026: Neue Besucher-, Hitze- und Teilnahmerekord, starke Start-ups, viele Gewinner. Foto: jrh
Der DENK.Summit 2026: Neue Besucher-, Hitze- und Teilnahmerekord, starke Start-ups, viele Gewinner. Foto: jrh
Der DENK.Summit 2026: Neue Besucher-, Hitze- und Teilnahmerekord, starke Start-ups, viele Gewinner. Foto: jrh
Der DENK.Summit 2026: Neue Besucher-, Hitze- und Teilnahmerekord, starke Start-ups, viele Gewinner. Foto: jrh
Der DENK.Summit 2026: Neue Besucher-, Hitze- und Teilnahmerekord, starke Start-ups, viele Gewinner. Foto: jrh
Der DENK.Summit 2026: Neue Besucher-, Hitze- und Teilnahmerekord, starke Start-ups, viele Gewinner. Foto: jrh
Der DENK.Summit 2026: Neue Besucher-, Hitze- und Teilnahmerekord, starke Start-ups, viele Gewinner. Foto: jrh

Die Gewinner des DENK.summit 2026

Pitch-Wettbewerb

  • 1. Platz: Cyrock.AI (Weiden) – 15.000 Euro
  • 2. Platz: Endolease Systems (Würzburg) – 2.000 Euro

Nordoberpfalzpreis

  • 1. Platz: Fresh-Stick
  • 2. Platz: in.shave
  • 3. Platz: KERN

Cyrock.AI
Gründer: Markus Kett (CEO), Florian Habermann (CTO), Thomas Schmetzer (CFO). Das Start-up entwickelt eine neuartige Speicherarchitektur für Künstliche Intelligenz, die Rechenleistung, Energieverbrauch und Infrastrukturkosten deutlich reduzieren soll. Im Juni 2026 gab Dell Technologies eine Kooperation und die Integration in den eigenen KI-Software-Stack bekannt.