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Sued-Ost-Link: TenneT zieht Stromtrasse durch Nordbayern – Tiefbau Gollwitzer beteiligt

Hof/Weiden/Schwandorf. Bei einem Baustellenbesuch bei TenneT in Hof zeigt sich: Der Sued-Ost-Link ist in Oberfranken fast fertig verlegt. In der nördlichen Oberpfalz startet der nächste Abschnitt. Auf politischen Druck erfolgt die Verlegung komplett per Erdkabel. Sprich: Trotz des enormen Eingriffs wird die gigantische Stromtrasse später kaum sichtbar sein.

Hof/Weiden/Schwandorf. Bei einem Baustellenbesuch bei TenneT in Hof zeigt sich: Der Sued-Ost-Link ist in Oberfranken fast fertig verlegt. In der nördlichen Oberpfalz startet der nächste Abschnitt. Auf politischen Druck erfolgt die Verlegung komplett per Erdkabel. Sprich: Trotz des enormen Eingriffs wird die gigantische Stromtrasse später kaum sichtbar sein.
Arbeiten am Sued-Ost-Link in Oberfranken. Foto: Christine Ascherl

Sued-Ost-Link: TenneT zieht Stromtrasse durch Nordbayern – Tiefbau Gollwitzer beteiligt

Ein warmer Frühlingstag, beinahe windstill. Die Windkraftanlagen rund um Hof stehen heute still. Dafür wird auf der Erde rotiert. Hier in Oberfranken kann man sich ansehen, was die nördliche Oberpfalz in den nächsten drei Jahren erwartet. Wie eine Ader zieht sich die Sued-Ost-Link-Baustelle durch die Landschaft. In 1,90 Metern Tiefe werden Leerrohre für die vier oberschenkeldicken Stromkabel des Sued-Ost-Links verlegt. Sie sollen Wind- und Solarstrom von Nord nach Süd transportieren und sind ein zentrales Projekt der Energiewende.

Breite Schneisen, schwere Technik, tiefe Gräben: Der aktuelle Arbeitsbereich, in dem es staubt und lärmt, ist gut 40 Meter breit. Doch genau hier zeigt sich auch das Prinzip des Projekts: Nach Abschluss verschwinden die Kabelgräben wieder unter der Erde. „Am Ende ist davon nichts mehr sichtbar“, sagt Benjamin Mignon, der als Abschnittsleiter Kommunikation für TenneT das Projekt begleitet.

Firma Gollwitzer bereitet Querungen vor

Die eigentliche Herausforderung spielt sich dort ab, wo ein offener Kabelgraben unmöglich ist. Überall dort, wo Straßen, Flüsse oder Bahnlinien die Trasse kreuzen, kommen Spezialverfahren zum Einsatz. Beteiligt ist hier die Firma Harald Gollwitzer aus Floß im Landkreis Neustadt/WN.

Die Spezialtiefbauer bereiten die Querungen vor – also jene Stellen, an denen die Stromtrasse unter Hindernissen hindurchgeführt werden muss. „Überall dort, wo ein offener Graben nicht möglich ist, muss gebohrt werden“, erklärt Gollwitzer-Projektleiter Sead Sehic. Dafür werden Start- und Zielgruben angelegt, von denen aus später Horizontalspülbohrungen durchgeführt werden.

Allein im 55 Kilometer langen Abschnitt C1 sind rund 50 solcher Querungen notwendig. Für Gollwitzer kein Neuland: Bereits beim westlich verlaufenden Suedlink-Projekt waren die Oberpfälzer Spezialisten bei 45 Querungen im Einsatz.

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Baustellenbesichtigung: (von links) Benjamin Mignon (TenneT), Gollwitzer-Projektleiter Sead Sehic, Andre Seyrich (Teilprojektleiter HDD) und Tommy Gambke (Projektleiter C1). Foto: Christine Ascherl

Abschnitt C1 kurz vor dem Abschluss

Der Abschnitt C1 des Sued-Ost-Links (Münchenreuth bis Marktredwitz) ist nahezu fertiggestellt. „Wir sind im Zeitplan“, sagt Projektleiter Tommy Gambke von TenneT. Die größte Herausforderung sei die Geologie gewesen: „Schiefer, Basalt, Granit – wir hatten wirklich alles dabei.“ Die Zahlen zeigen den Fortschritt: 40 der 55 Kilometer Rohre sind bereits verlegt, rund 30 Kilometer Kabel eingezogen. Noch in diesem Jahr soll die Kabelschutzrohranlage des Abschnitts abgeschlossen werden.

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Neuvergabe im Abschnitt C2 (Marktredwitz bis Schwandorf)

Parallel dazu hat der nächste Abschnitt bereits begonnen: C2 von Marktredwitz bis Pfreimd. Die Trasse zieht sich quer durch die Region – vorbei an Mitterteich, Tirschenreuth, Störnstein, östlich von Weiden, weiter Richtung Pfreimd.

Nach Komplikationen mit dem bisherigen Auftragnehmer – TenneT trennte sich 2025 von der Firma Vinci Construction Geoinfrastructure – läuft derzeit die Neuvergabe. Davon unabhängig laufen bereits Arbeiten auf dem Abschnitt C2 durch Spezialfirmen, insbesondere für Horizontalspülverfahren und Bauvorbereitung. Auch Gollwitzer ist bei den Querungen wieder beteiligt.

Basis für Energiewende

Der Sued-Ost-Link ist weit mehr als ein Bauprojekt: Die 710 Kilometer lange Gleichstromleitung soll künftig große Mengen Strom aus Wind- und Solaranlagen von Norddeutschland nach Bayern transportieren – und umgekehrt.

Ausgangspunkt der Planungen war das Pariser Klimaabkommen von 2016, verschärft durch die Energiekrise infolge des Ukraine-Kriegs. Europa soll unabhängiger von fossilen Energieträgern werden. Dafür braucht es leistungsfähige Stromautobahnen. Größere Mengen Strom müssen über längere Distanzen transportiert werden.

In Bayern nur Erdkabel

Der Sued-Ost-Link ist eine solche Strom-Autobahn. Er verbindet die Küste Mecklenburg-Vorpommerns mit ISAR II in Landshut. Die Infrastruktur des abgeschalteten Atomkraftwerks wird als Knotenpunkt für die Verteilung des Stroms in Bayern genutzt. Die „Spezialität“ in Bayern: Hier wird der Sued-Ost-Link komplett in der Erde verlegt.

Hintergrund war der enorme politische Druck in der Planungsphase ab 2014. Der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) unterstützte den Protest gegen eine Freileitung („Monstertrasse“). Seit 2015 haben Erdkabel gesetzlich Vorrang.

Die Entscheidung für die Erdverkabelung hat ihren Preis: Fachleute schätzen die Kosten auf das Fünf- bis Sechsfache einer Freileitung. Auch die Bauzeit verlängert sich deutlich. Dafür bleibt die Landschaft weitgehend unberührt. „Der Kabelgraben wächst wieder zu, alles wird grün“, beschreibt Mignon den Abschlusszustand.

Gigantische Technik im Untergrund

Regelbauweise ist ein offener Kabelgraben. Sprich: Für die Leerrohre wird eine riesige Furche gezogen. Wenn alles wieder verfüllt ist, werden in diese Leerrohre die Kabel gezogen. Im Prinzip wie bei jedem Hausbau – nur in gigantischen Ausmaßen.

Jedes Stromkabel ist oberschenkeldick (Durchmesser 15 Zentimeter) und wiegt 41 Kilogramm auf einen Meter. Hersteller ist der italienische Kabelhersteller Prysmian mit Hauptsitz in Mailand. Die überdimensionalen Kabeltrommeln lagern bei Regensburg. Eine davon wiegt 85 Tonnen, Kabellänge 1,7 Kilometer. Die Kabeltrommeln wurden über die Häfen Regensburg und Kelheim angeliefert. Von dort bringen Schwertransporter die Kabel nachts an die Baustellen, wo sie per Winde eingezogen werden.

Wertschöpfung für die Region

Für den Sued-Ost-Link werden zwei parallel verlaufende Kabelgräben angelegt, in denen je ein Kabelpaar (Plus- und Minuspol) verlegt wird. Weitere Leerrohre für die Zukunft dürfen nicht verlegt werden. Laut Bundesbedarfsplanungsgesetz darf nicht über Bedarf gebaut werden. Der neue Sued-Ost-Link kann vier Gigawatt übertragen. Zum Vergleich: Das Atomkraftwerk ISAR lieferte ein Gigawatt.

Mignon: „Es ist ein Irrglaube zu sagen, das bringt der Region nichts, weil wir nur durchleiten.“ Zum einen werde am Ende der Stromkunde profitieren. Der Sued-Ost-Link wird die Netzeingriffskosten senken. Der Strompreis könne so zumindest stabil gehalten werden. Am Bau beteiligt sind zudem etliche Betriebe der Region. „Wir bringen ganz viel Wertschöpfung in die Oberpfalz“, sagt Mignon, der aus Sulzbach-Rosenberg stammt.

Arbeiten am Sued-Ost-Link bei Hof (Oberfranken). Im Abschnitt C1 sind die Leerrohre schon fast komplett verlegt. Foto: Christine Ascherl
Arbeiten am Sued-Ost-Link bei Hof (Oberfranken). Im Abschnitt C1 sind die Leerrohre schon fast komplett verlegt. Foto: Christine Ascherl
Gollwitzer-Projektleiter Sead Sehic. Foto: Christine Ascherl
Spezialtiefbau Gollwitzer bereitet die Baugruben für die Querungen vor. Unter Bahngleisen, Flüssen oder Autobahnen muss gebohrt werden. Foto: Christine Ascherl
Spezialtiefbau Gollwitzer bereitet die Baugruben für die Querungen vor. Unter Bahngleisen, Flüssen oder Autobahnen muss gebohrt werden. Foto: Christine Ascherl
Spezialtiefbau Gollwitzer bereitet die Baugruben für die Querungen vor. Unter Bahngleisen, Flüssen oder Autobahnen muss gebohrt werden. Foto: Christine Ascherl
Spezialtiefbau Gollwitzer bereitet die Baugruben für die Querungen vor. Unter Bahngleisen, Flüssen oder Autobahnen muss gebohrt werden. Foto: Christine Ascherl
Baustellenbesichtigung: (von links) Benjamin Mignon (TenneT), Gollwitzer-Projektleiter Sead Sehic und Tommy Gambke (Projektleiter C1). Foto: Christine Ascherl
Baustellenbesichtigung: (von links) Benjamin Mignon (TenneT), Gollwitzer-Projektleiter Sead Sehic, Andre Seyrich (Teilprojektleiter HDD) und Tommy Gambke (Projektleiter C1). Foto: Christine Ascherl
Arbeiten am Sued-Ost-Link bei Hof (Oberfranken). Im Abschnitt C1 sind die Leerrohre schon fast komplett verlegt. Foto: Christine Ascherl
Arbeiten am Sued-Ost-Link bei Hof (Oberfranken). Im Abschnitt C1 sind die Leerrohre schon fast komplett verlegt. Foto: Christine Ascherl
Benjamin Mignon von TenneT, Abschnittsleiter Kommunikation für C1. Foto: Christine Ascherl
Spezialtiefbau Gollwitzer bereitet die Baugruben für die Querungen vor. Unter Bahngleisen, Flüssen oder Autobahnen muss gebohrt werden. Foto: Christine Ascherl
Gollwitzer-Projektleiter Sead Sehic beim Baustellenbesuch in Hof. Foto: Christine Ascherl
Arbeiten am Sued-Ost-Link bei Hof (Oberfranken). Foto: Christine Ascherl
Von Nord nach Süd: Der Sued-Ost-Link zieht sich durch Oberfranken und die Oberpfalz bis nach Landshut. Foto: Christine Ascherl