Vierter Jahrgang aus El Salvador mit 23 Azubis für Weiden

Vierter Jahrgang aus El Salvador mit 23 Azubis für Weiden
Von „Bienvenidos“ in El Salvador zum bayerischen „Habedere“: Für 23 junge Menschen hat vor zwei Wochen ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Am 20. August 2026 gegen Mitternacht landeten sie am Münchner Flughafen, um in der Nordoberpfalz ihre Berufsausbildung zu starten. Vertreter der Agentur für Arbeit Weiden, der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der BA (ZAV), des Fachkräftezentrums Nordoberpfalz sowie weitere Azubis der letzten Jahrgänge nahmen die neuen Auszubildenden in Empfang und begleiteten sie anschließend mit dem Bus in ihre neue Heimat. Die 23 Nachwuchskräfte verteilen sich auf insgesamt zehn Ausbildungsbetriebe in der Region. 21 von ihnen starten in gewerblich-technischen Berufen, zwei weitere beginnen eine Ausbildung im Pflegebereich.
Ausbildungsmarkt in der Region: mehr offene Stellen als Bewerber
Der regionale Ausbildungsmarkt zeigt deutlich, warum Unternehmen zunehmend zusätzliche Wege bei der Nachwuchsgewinnung beschreiten. Rein rechnerisch kommen im aktuellen Berichtsjahr im Agenturbezirk Weiden auf jede gemeldete Bewerberin oder jeden gemeldeten Bewerber mehr als zwei gemeldete Ausbildungsstellen. Gleichzeitig zeigt sich ein deutliches Passungsproblem: Während knapp 200 junge Menschen derzeit noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, sind auf Unternehmensseite noch mehr als 1.000 Ausbildungsstellen unbesetzt. Bewerberwünsche und betriebliche Angebote finden also nicht immer zusammen – etwa hinsichtlich Beruf, Standort oder Anforderungen. Für Unternehmen wird es deshalb zunehmend wichtiger, bei der Nachwuchsgewinnung zusätzliche Strategien in den Blick zu nehmen. Eine davon ist die Gewinnung von Auszubildenden aus Drittstaaten – fair, transparent und offiziell begleitet durch die Bundesagentur für Arbeit.
Vom Pilotprojekt zum Erfolgsmodell
Bereits 2023 startete die Agentur für Arbeit Weiden gemeinsam mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der BA das Projekt zur Gewinnung von Auszubildenden aus El Salvador. Was damals mit 15 jungen Menschen begann, ist inzwischen deutlich gewachsen: Mit dem aktuellen vierten Jahrgang sind seit Projektstart insgesamt 96 Auszubildende aus El Salvador in die Region gekommen. Sie verteilen sich auf insgesamt 15 Arbeitgeber.
Und inzwischen gibt es die ersten ganz konkreten Erfolgsgeschichten: Einige der 2023 eingereisten Auszubildenden haben ihre dreijährige Berufsausbildung bereits erfolgreich abgeschlossen und wurden anschließend von ihren Ausbildungsbetrieben übernommen. Weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ersten Jahrgangs befinden sich derzeit noch in ihrer Ausbildung. Auch die bisherige Abbruchquote spricht für das Projekt: Von den 73 jungen Salvadorianerinnen und Salvadorianern, die vor dem aktuellen Jahrgang in die Region gekommen waren, hat lediglich eine Person ihre Ausbildung abgebrochen und ist in ihr Heimatland zurückgekehrt.
„Mit unserem vierten Jahrgang sehen wir inzwischen sehr deutlich, dass unser Ansatz funktioniert. Die ersten jungen Menschen haben ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und wurden von ihren Betrieben übernommen. Aus Auszubildenden werden damit Fachkräfte, die unserer Region erhalten bleiben. Genau das ist unser Ziel: Wir wollen offene Ausbildungsstellen besetzen und gleichzeitig langfristige Perspektiven schaffen – für die jungen Menschen genauso wie für unsere Unternehmen“, betont Bernhard Lang, Leiter der Agentur für Arbeit Weiden.
Umfassende Begleitung für Betriebe
Für die Unternehmen bietet das Projekt eine zusätzliche Strategie, um Ausbildungsstellen zu besetzen, für die sich vor Ort nicht genügend geeignete Bewerberinnen und Bewerber finden. Dabei werden sie nicht allein gelassen: Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der BA und der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Weiden begleiten die Betriebe vom Auswahlverfahren und den ersten Vorstellungsgesprächen über die Einreise bis zum Abschluss der Ausbildung – und bei Bedarf auch darüber hinaus. Ein wesentlicher Bestandteil ist dabei die Unterstützung bei den zahlreichen organisatorischen und bürokratischen Schritten, die mit der Gewinnung von Auszubildenden aus einem Drittstaat verbunden sind. Dazu gehören unter anderem Visum, Arbeitsmarktzulassung und notwendige Übersetzungen. Auch Flugbuchungen und Transfer, berufsbezogene Sprachkurse für Auszubildende (Azubi-BSK), berufsbegleitender Stützunterricht über die Assistierte Ausbildung flexibel (AsA flex) sowie Anträge auf Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) werden begleitet und koordiniert.
„Internationale Nachwuchsgewinnung klingt für viele Betriebe zunächst nach viel Bürokratie und organisatorischem Aufwand. Genau hier setzen wir an. Gemeinsam mit unseren Partnern begleiten wir die Unternehmen Schritt für Schritt und nehmen ihnen einen großen Teil dieser Aufgaben ab. Gerade für Betriebe, die ihre Ausbildungsstellen auf dem klassischen Weg nicht besetzen können, kann das eine echte Alternative sein“, so Lang.
Integration in der Region: Fachkräftezentrum unterstützt
Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist neben der beruflichen auch die soziale Integration. Gleichzeitig setzt das Projekt auf einen engen Austausch zwischen den beteiligten Arbeitgebern. Bei regelmäßigen „Runden Tischen“ informiert die Agentur für Arbeit über die aktuelle Lage, Fördermöglichkeiten und das weitere Vorgehen. Die Unternehmen können dort ihre Erfahrungen teilen, offene Fragen klären und sich über Herausforderungen austauschen, die im Ausbildungsalltag entstehen. Auch weitere Projektpartner und Bildungsträger sind in das Austauschformat eingebunden.
Eine wichtige Anlaufstelle ist zudem das Fachkräftezentrum Nordoberpfalz – eine gemeinsame Initiative der Agentur für Arbeit Weiden, des Landkreises Tirschenreuth, des Landkreises Neustadt/WN und der Stadt Weiden. Es unterstützt internationale Fachkräfte und Auszubildende beim Ankommen und Leben in der Region – beispielsweise bei Sprachförderung, Freizeitgestaltung, Alltagsfragen und der Integration in Vereine. Denn aus einem „Bienvenidos“ soll langfristig mehr werden: ein echtes Ankommen in der Nordoberpfalz – und vielleicht ein ganz selbstverständliches „Habedere“.
Unternehmen können sich beteiligen
Auch künftig soll das Projekt Unternehmen in der Nordoberpfalz eine zusätzliche Möglichkeit bieten, offene Ausbildungsstellen zu besetzen und Fachkräfte für die Zukunft zu gewinnen. Interessierte Arbeitgeber können sich jederzeit unverbindlich informieren und beraten lassen, wenn sie sich eine Teilnahme an einem der kommenden Jahrgänge vorstellen können. Der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Weiden informiert über Voraussetzungen, Ablauf, Fördermöglichkeiten und die konkrete Unterstützung im Rahmen des Projekts.
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