Erstes Grenzmuseum in Schirnding: Sonderausstellung zu 75 Jahre Bundespolizei

Erstes Grenzmuseum in Schirnding: Sonderausstellung zu 75 Jahre Bundespolizei
Über vier Jahrzehnte trennte eine tödliche Grenze die Tschechoslowakei von Bayern – bis zum Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Hälfte der heutigen Bevölkerung war noch gar nicht geboren, als die Sperranlagen abgebaut wurden. Umso wichtiger ist das Grenzmuseum im oberfränkischen Schirnding, einzigartig in seiner Art. Es gibt keine vergleichbare Einrichtung bis hinunter in den Bayerischen Wald, auch in Waidhaus nicht, dem ehemals größten Übergang Deutschlands nach Osteuropa.
Am Samstag hatten die Museumsleiter Wolfgang Brauner und zweiter Vorsitzender Rainer Schweigert zu einem Festakt zu 75 Jahren Bundesgrenzschutz (später in Bundespolizei umbenannt) eingeladen. Referenten waren Reinhold Balk, ehemaliger Sachbearbeiter Sicherheit beim Bundesgrenzschutz für die Grenze, und der aktuelle Pressesprecher der Bundespolizei in Selb, Reinhard Maschewski.
Mit Fördergeldern des Freistaats
Ehrengast war die Bürgermeisterin von Schirnding, Karin Fleischer. Sie spielte eine tragende Rolle bei der Umsetzung des Museums: Als der Zoll 2004 seine alten Bestände „aufräumen“ sollte, entstand die Idee eines Museums. Das wurde zunächst beengt direkt an den aufgegebenen Diensträumen an der Grenze eröffnet.
Dann erwarb die Gemeinde ein Bauernhaus aus dem 19. Jahrhundert mitten im Ort. Für fünf Millionen Euro wurde es zum Museum (plus Musikschule im Souterrain) umgebaut, gefördert vom Freistaat Bayern. Das Museum (eröffnet 2023) bedeutet der Bürgermeisterin viel: „Es ist für junge Leute gedacht, die mit der Grenze nie zu tun hatten.“ Die Organisation erfolgt ehrenamtlich, der Verein zählt rund 60 Mitglieder. Die meisten ehemalige „Grenzer“. Schweigert und Brauner waren früher Zollbeamte.
Immer am Puls der Zeit
Am Sonntag dreht sich alles um den Bundesgrenzschutz, 1951 als erste bewaffnete Polizei der Bundesrepublik gegründet. Der BGS ist Spiegelbild der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung des 20. Jahrhunderts. Erst Grenzüberwacher, dann Vereinigungs-Manager: 1989 änderte sich über Nacht die Situation. Der Fall des Eisernen Vorhangs 1989 kam selbst für Balk „absolut unerwartet“; er selbst wurde Leiter des Erstaufnahmelagers für Übersiedler in Weiden. In Schirnding reisten an einem einzigen Tag 23.300 Menschen ein.
2005 erfolgte die Umbenennung zur Bundespolizei. Neue Aufgaben waren jetzt Bahn und Flughäfen, außerdem die Gemeinsamen Zentren mit den Nachbarländern. Zu einem weiteren „Schlüsseljahr“ wurde das Jahr 2015. Über die Balkanroute reisten über 500.000 Menschen ein. Infolge der geopolitischen Instabilität wurden wieder Grenzkontrollen eingerichtet – ganz entgegen des Schengener Grenzkodex. Auch in Schirnding wird wieder durchgehend kontrolliert. Untergebracht sind die Beamte in Containern, weil es die Gebäude gar nicht mehr gibt.
Nichts ist so beständig wie der Wandel, sagt BuPo-Sprecher Maschewski. Ganz neue Aufgabe ist die Drohnenabwehr, aktuell am Flughafen München. Aber auch an der Grenze ist man geschult für derlei Fluggeräte.
Grenzmuseum Schirnding
Das Grenzmuseum Schirnding befindet sich in der Hauptstraße 15 in Schirnding. Parkplätze vor dem Haus, geöffnet sonntags von 14 bis 16 Uhr.
Gruppen auf Anfrage bei Wolfgang Brauner, Telefon 09233-4436.
Ein Höhepunkt ist ein großes Diorama der Grenze, ein Nachbau. Grenzpolizei, Zoll, Bundesgrenzschutz und die tschechischen Grenzwachen haben je eigene Abteilungen. Authentische Exponate wurden zusammengetragen: Uniformen, Arbeitsgerät, Abzeichen, Schmuggelware. Auf Schautafeln erfährt der Gast eine Fülle an interessanten Informationen über die Grenze zwischen Tschechien und Bayern im Wandel der Zeit.




















