Hacker treiben Kühlräume in Windischeschenbach auf bis zu 150 Grad

Hacker treiben Kühlräume in Windischeschenbach auf bis zu 150 Grad
Unbekannte Täter manipulierten in der Nacht zu Montag die Kühlanlagen der Metzgerei Witt in Windischeschenbach im Landkreis Neustadt/WN. Der Angriff begann gegen 3 Uhr, als Mitarbeiter ungewöhnlich hohe Temperaturen an mehreren Kühlräumen feststellten und den Inhaber Charly Witt informierten.
Die Täter verschafften sich Zugriff auf Fernsteuerungs- und Überwachungssysteme und stellten nach Angaben des Betriebs Temperaturen in mehreren Kühlräumen auf bis zu 150 Grad; in der Spitze lagen Werte bei 130 bis 140 Grad. Zehn Kühlräume traf es, rund 30 Regler veränderten Unbekannte, etwa 15 Kühlhäuser blieben unbetroffen. Der Inhaber schätzt den Schaden im unteren fünfstelligen Bereich und berichtet, dass weder vor noch nach dem Angriff Lösegeldforderungen eingingen. „Wäre das einen Tag früher gewesen, dann wäre wahrscheinlich die ganze Metzgerei abgebrannt“, sagt Charly Witt.
Angriff, Reaktion und technische Erkenntnisse
Mitarbeiter entluden nach dem Alarm mehrere Räume und verluden Ware auf Lastwagen sowie in andere Kühlräume, um weitere Schäden zu verhindern. Der Betriebsleiter schaltete daraufhin betroffene Anlagen nach und nach ab, sodass die Steuerung seitdem nur noch intern läuft. Ein Kältetechniker stellte fest, dass Einstellungen offensichtlich von Hand verändert worden sein mussten; aus den Aufzeichnungen geht laut Betrieb hervor, dass innerhalb kurzer Zeit viele Parameter geändert wurden. „Dann habe ich ins System reingeschaut und gesehen: Wir haben brutale Temperaturen drin“, sagte Charly Witt und ergänzte: „Das Abschalten hat uns eigentlich gerettet.“ Zudem äußerte er den Verdacht, eine künstliche Intelligenz habe die Manipulation vorgenommen: „Das wäre menschlich nicht machbar.“
Ermittlungen und Warnungen
Die Kriminalpolizeiinspektion Weiden erfuhr am Montagmittag vom Angriff und kontaktierte die Metzgerei sowie die IT-Verantwortlichen; die Behörde ermittelt wegen des Verdachts der Datenveränderung, der Computersabotage und der Sachbeschädigung. Ermittler prüfen einen möglichen Zusammenhang mit vergleichbaren Angriffen in Frankreich, in Niederbayern in derselben Nacht sowie Meldungen aus Belgien, Schweden, Irland, Estland und den Benelux-Ländern. Ein Polizeisprecher sagte: „In den frühen Morgenstunden des vergangenen Montag kam es im Landkreis Neustadt an der Waldnaab in einer Metzgerei zu einem Cyberangriff. Hierbei haben unbekannte Täter Zugriff auf die Kühlung des Betriebs übernommen und hier bei Temperaturen bis zu 150 Grad erwirkt. Es ist so, dass wir aktuell von einem Schaden in Höhe von einer fünfstelligen Eurobetrag ausgehen.“ Ermittler meldeten, dass IT-Forensiker des zuständigen Kommissariats Spuren sichern und versuchen, Herkunft und Intention der Täter zu klären. „Wenn ich jetzt eine Firma bin, dass ich regelmäßig Updates durchführe und dass gerade im Softwarebereich, da kann ich ganz, ganz viel verhindern, wenn ich mich darum kümmere,“ lautete eine weitere Empfehlung der Ermittler.
Unternehmen raten Ermittler, ihre Hard- und Software aktuell zu halten, Fernzugänge abzusichern, sichere Passwörter mit Zwei-Faktor-Authentifizierung zu nutzen und Datensicherungen getrennt vom Netz zu speichern. Die frühzeitige Verständigung der Ermittler habe in diesem Fall dazu beigetragen, größeren Schaden zu verhindern, betonten die Behörden; gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass digitale Spuren gesichert werden müssen, bevor Betroffene selbst Änderungen an Systemen vornehmen. „Eine Garantie gibt es nie. Man kann zwar immer irgendwo hinterherlaufen und versuchen, irgendwas dichtzumachen, aber verhindern kann man es gar nicht,“ sagte Charly Witt über die künftige Bedrohungslage.
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