Rio-Räuber täuscht Herzinfarkt vor – SEK vereitelt Befreiungsversuch

Rio-Räuber täuscht Herzinfarkt vor – SEK vereitelt Befreiungsversuch
Der Fall kam durch ein Tiktok-Video an die Öffentlichkeit, das aus dem Krankenhaus gedreht wurde. Es zeigt, wie Viktor C. am Montag, 6. Juli 2026, in einem Rollstuhl – flankiert von schwer bewaffneten SEK-Leuten – zu einem Helikopter geleitet wird. Er wurde zurück in die JVA Landshut gebracht. Zu diesem Zeitpunkt war der Einsatz praktisch schon beendet. Man hatte laut BILD sogar eine Geiselnahme befürchtet. Der Sohn sei festgenommen worden.
Die Vorgeschichte: brutaler Raub 2016 in Grafenwöhr
Die Vorgeschichte. Es war im April 2016: Der Raubüberfall auf ein betagtes Wirte-Ehepaar löst in Grafenwöhr heute noch Schaudern aus. Ernst und Luise W., ehemalige Besitzer der Rio-Bar, waren am späten Abend vor dem Fernseher (es lief der „Bulle von Tölz“) von vier schwarz vermummten Männern überfallen worden. Die 80-Jährige und der 89-Jährige erholten sich nie wieder von der brutalen Tat.
Die Täter hinterließen DNA: zwei Ukrainer, zwei Transnistrier. Als Anführer der Bande verurteilte das Landgericht Weiden den Ukrainer Viktor C. (damals 41) im Jahr 2018 zu zehn Jahren Haft. Üblich ist eine Überstellung an das Heimatland nach Verbüßung der Halbstrafe. Das ging im Fall von Viktor C. nicht, weil der Ukraine-Krieg ausgebrochen war. Der Verurteilte bemühte sich intensiv um eine vorzeitige Rückkehr, schaltete sogar den Landtag ein. Er wolle Familie und Heimatland unterstützen.
Freigelassen Juni 2024, wieder in Haft im Oktober
Am Ende half ihm das nicht. Er wurde erst im Juni 2024 regulär in sein Heimatland abgeschoben. Seine Familie traf er zunächst nicht: Bereits an der Grenze erwarteten ihn (nach eigenen Angaben vor dem Landgericht Amberg) Polizeikräfte, die ihn zum ukrainischen Militär brachten. Er sollte für den Einsatz im russischen Angriffskrieg vorbereitet werden. Seine schlechte gesundheitliche Verfassung infolge jahrelangen Drogenmissbrauchs sowie die Zahlung von Geld hätten dies verhindert.
Und zack – im Oktober 2024 saß Viktor C. schon wieder in bayerischer Haft, auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Amberg. Der Vorwurf: die Beteiligung an einer Bande, der Drogen- und Waffengeschäfte vorgeworfen wurden. Fünf Männer sollen mit über 25 Kilo Crystal gehandelt haben. Vier lebten in Amberg und Schwandorf – plus Viktor C., den der Bandenchef (40) im Knast in Bayreuth kennengelernt hatte.
Familie von Viktor C. wollte sich in Tschechien niederlassen
Vor Gericht verteidigte sich Viktor C. über seinen Anwalt Jörg Jendricke (Amberg) damit, dass er bei den Deals nur mehr oder minder zufällig im Auto des Hauptangeklagten (40) saß und Gespräche übersetzte. Er habe den „alten Geschäftskontakt“ zu dem 40-Jährigen im August 2024 wieder aufleben lassen, weil er mit seiner Familie in ein nicht vom Krieg betroffenes europäisches Land, nämlich Tschechien, umsiedeln wollte.
Nach seinen Angaben habe ihn der 40-Jährige jedoch dazu bewegt, mit ihm Urlaub in Deutschland zu machen. Damit habe er gegen das Einreiseverbot verstoßen. Die abgehörten Telefonate erklärte er damit, dass er den 40-Jährigen häufig begleitet und bei Gesprächen als Dolmetscher unterstützt habe. Von Drogengeschäften habe er trotz Gesprächen über Mengen und Preise nichts gewusst.
Das Landgericht Amberg glaubte ihm nicht. Vorsitzende Richterin Elke Escher sprach von einem „Märchen“. Die Strafkammer verhängte gegen Viktor C. elf Jahre Haft.
Herzinfarkt vorgegaukelt
Das Urteil fiel am 25. Juni 2026. Exakt elf Tage danach spielte sich jetzt der Versuch der mutmaßlichen Gefangenenbefreiung in Landshut ab. Laut BILD soll sich der Gefangene einen filmreifen Ausbruch ausgedacht haben. Durch Medikamentenmissbrauch gaukelte er in der JVA Landshut einen Herzinfarkt vor, um ins Krankenhaus zu kommen. Der Sohn soll mit Waffen gewartet haben. Laut „Landshuter Rundschau“ war eine Geiselnahme nicht ausgeschlossen, daher der SEK-Einsatz. Viktor C.’s Sohn soll festgenommen worden sein.

Letzte Urteile nach Raubüberfall auf Rio-Wirt (89) und seine Frau: 8 Jahre für Räuber
Weiden. Alle vier Männer, die 2016 ein betagtes Ehepaar in Grafenwöhr überfallen haben, sind zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Das Landgericht Weiden schickte am Mittwoch die letzten beiden für acht Jahre ins Gefängnis.




