Jetzt Tickets für die kommenden Jahn-Spiele sichern!
ARV Oberpfalz
ARV Oberpfalz

Rio-Räuber täuscht Herzinfarkt vor – SEK vereitelt Befreiungsversuch

Grafenwöhr/Landshut. Viktor C. (49), einer der Rio-Räuber in Grafenwöhr 2016, hat am Montag einen SEK-Einsatz im Krankenhaus Landshut ausgelöst. Der mehrfach verurteilte Verbrecher täuschte einen Herzinfarkt vor. Sein bewaffneter Sohn aus der Ukraine sollte ihn befreien.

Grafenwöhr/Landshut. Viktor C. (49), einer der Rio-Räuber in Grafenwöhr 2016, hat am Montag einen SEK-Einsatz im Krankenhaus Landshut ausgelöst. Der mehrfach verurteilte Verbrecher täuschte einen Herzinfarkt vor. Sein bewaffneter Sohn aus der Ukraine sollte ihn befreien.
Ein Video zeigt den Abtransport von Viktor C. (im Rollstuhl) durch das SEK nach der gescheiterten Befreiung aus dem Landshuter Krankenhaus. Screenshot: Tiktok

Rio-Räuber täuscht Herzinfarkt vor – SEK vereitelt Befreiungsversuch

Der Fall kam durch ein Tiktok-Video an die Öffentlichkeit, das aus dem Krankenhaus gedreht wurde. Es zeigt, wie Viktor C. am Montag, 6. Juli 2026, in einem Rollstuhl – flankiert von schwer bewaffneten SEK-Leuten – zu einem Helikopter geleitet wird. Er wurde zurück in die JVA Landshut gebracht. Zu diesem Zeitpunkt war der Einsatz praktisch schon beendet. Man hatte laut BILD sogar eine Geiselnahme befürchtet. Der Sohn sei festgenommen worden.

https://www.tiktok.com/@jaymes1505?refer=embed

Die Vorgeschichte: brutaler Raub 2016 in Grafenwöhr

Die Vorgeschichte. Es war im April 2016: Der Raubüberfall auf ein betagtes Wirte-Ehepaar löst in Grafenwöhr heute noch Schaudern aus. Ernst und Luise W., ehemalige Besitzer der Rio-Bar, waren am späten Abend vor dem Fernseher (es lief der „Bulle von Tölz“) von vier schwarz vermummten Männern überfallen worden. Die 80-Jährige und der 89-Jährige erholten sich nie wieder von der brutalen Tat.

Die Täter hinterließen DNA: zwei Ukrainer, zwei Transnistrier. Als Anführer der Bande verurteilte das Landgericht Weiden den Ukrainer Viktor C. (damals 41) im Jahr 2018 zu zehn Jahren Haft. Üblich ist eine Überstellung an das Heimatland nach Verbüßung der Halbstrafe. Das ging im Fall von Viktor C. nicht, weil der Ukraine-Krieg ausgebrochen war. Der Verurteilte bemühte sich intensiv um eine vorzeitige Rückkehr, schaltete sogar den Landtag ein. Er wolle Familie und Heimatland unterstützen.

Freigelassen Juni 2024, wieder in Haft im Oktober

Am Ende half ihm das nicht. Er wurde erst im Juni 2024 regulär in sein Heimatland abgeschoben. Seine Familie traf er zunächst nicht: Bereits an der Grenze erwarteten ihn (nach eigenen Angaben vor dem Landgericht Amberg) Polizeikräfte, die ihn zum ukrainischen Militär brachten. Er sollte für den Einsatz im russischen Angriffskrieg vorbereitet werden. Seine schlechte gesundheitliche Verfassung infolge jahrelangen Drogenmissbrauchs sowie die Zahlung von Geld hätten dies verhindert.

Und zack – im Oktober 2024 saß Viktor C. schon wieder in bayerischer Haft, auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Amberg. Der Vorwurf: die Beteiligung an einer Bande, der Drogen- und Waffengeschäfte vorgeworfen wurden. Fünf Männer sollen mit über 25 Kilo Crystal gehandelt haben. Vier lebten in Amberg und Schwandorf – plus Viktor C., den der Bandenchef (40) im Knast in Bayreuth kennengelernt hatte.

Familie von Viktor C. wollte sich in Tschechien niederlassen

Vor Gericht verteidigte sich Viktor C. über seinen Anwalt Jörg Jendricke (Amberg) damit, dass er bei den Deals nur mehr oder minder zufällig im Auto des Hauptangeklagten (40) saß und Gespräche übersetzte. Er habe den „alten Geschäftskontakt“ zu dem 40-Jährigen im August 2024 wieder aufleben lassen, weil er mit seiner Familie in ein nicht vom Krieg betroffenes europäisches Land, nämlich Tschechien, umsiedeln wollte.

Witron Bewerbertag 18.07.
Witron Bewerbertag 18.07.

Nach seinen Angaben habe ihn der 40-Jährige jedoch dazu bewegt, mit ihm Urlaub in Deutschland zu machen. Damit habe er gegen das Einreiseverbot verstoßen. Die abgehörten Telefonate erklärte er damit, dass er den 40-Jährigen häufig begleitet und bei Gesprächen als Dolmetscher unterstützt habe. Von Drogengeschäften habe er trotz Gesprächen über Mengen und Preise nichts gewusst.

Das Landgericht Amberg glaubte ihm nicht. Vorsitzende Richterin Elke Escher sprach von einem „Märchen“. Die Strafkammer verhängte gegen Viktor C. elf Jahre Haft.

Herzinfarkt vorgegaukelt

Das Urteil fiel am 25. Juni 2026. Exakt elf Tage danach spielte sich jetzt der Versuch der mutmaßlichen Gefangenenbefreiung in Landshut ab. Laut BILD soll sich der Gefangene einen filmreifen Ausbruch ausgedacht haben. Durch Medikamentenmissbrauch gaukelte er in der JVA Landshut einen Herzinfarkt vor, um ins Krankenhaus zu kommen. Der Sohn soll mit Waffen gewartet haben. Laut „Landshuter Rundschau“ war eine Geiselnahme nicht ausgeschlossen, daher der SEK-Einsatz. Viktor C.’s Sohn soll festgenommen worden sein.

Dieser Sohn dürfte etwa 24 Jahre alt sein. Viktor C. hatte 2018 im Prozess persönliche Angaben gemacht: Damals sprach er von zwei Söhnen, 16 und 2 Jahre alt. Den Jüngeren habe er noch nie gesehen: Seine Frau war zum Zeitpunkt des Rio-Raubs und seiner Festnahme in einer Prager Wohnung schwanger. Sie lebte mit den Kindern in der Ukraine. Viktor C. hatte in Prag eine weitere Freundin und möglicherweise noch eine Partnerin in Ungarn. Seinen Geburtsort gab er mit Transkarpatien an (Westukraine, grenzt an die Slowakei und Ungarn). Viktor C. hatte zwei ungarische Alias-Identitäten als „Gabor“ und „Janos“. Seinen gelernten Beruf gab er mit Schweißer an.

Schon 2018 in JVA Amberg über Herzprobleme geklagt

Auch 2018 klagte Viktor C. während seiner Inhaftierung in der JVA Amberg über Herzprobleme. Dort saß er während des Prozesses in U-Haft. Er konsultierte mehrfach die Anstaltsärztin in Amberg. Um kardiale Erkrankungen auszuschließen, wurde ein EKG gemacht, das aber keine Hinweise auf einen Herzinfarkt ergab. Sie kam zu dem Schluss, dass eine akute Herzerkrankung nicht zu befürchten sei.

Um seine Verhandlungsfähigkeit zu überprüfen, kam damals auch Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder zum Einsatz. Er untersuchte Viktor C. im September 2018 in der Zelle; dieser klagte über ein innerliches Brennen des Thorax, ein Druckgefühl und Gefühlsstörungen in den Händen. Rieders Untersuchungsergebnis: „Alles unauffällig, alles im Normbereich.“ Der Prozess unter Vorsitz von Richter Markus Fillinger wurde wie geplant weitergeführt.

Viktor C. 2018 vor dem Landgericht Weiden, rechts sein Anwalt Jörg Sodann. Screenshot: OTV
Letzte Urteile nach Raubüberfall auf Rio-Wirt (89) und seine Frau: 8 Jahre für Räuber

Letzte Urteile nach Raubüberfall auf Rio-Wirt (89) und seine Frau: 8 Jahre für Räuber

Weiden. Alle vier Männer, die 2016 ein betagtes Ehepaar in Grafenwöhr überfallen haben, sind zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Das Landgericht Weiden schickte am Mittwoch die letzten beiden für acht Jahre ins Gefängnis.