Schlag gegen Schleusernetz in Serbien und Deutschland

Schlag gegen Schleusernetz in Serbien und Deutschland
Heute vollstreckten Staatsanwaltschaften aus Traunstein, Landshut und Weiden gemeinsam mit der Bundespolizei mehrere Haftbefehle und Durchsuchungsbeschlüsse im Rahmen umfangreicher Ermittlungen gegen organisierte Schleuserstrukturen. Die Behörden vollstreckten drei Haftbefehle im In- und Ausland und durchsuchten sechs Objekte im Bundesgebiet; dazu zählte unter anderem eine großflächige Lagerhalle, die mutmaßlich mit den Aktivitäten der Gruppierung in Verbindung steht. Dabei führte eine mehrjährige Ermittlungsarbeit in einem der Verfahren zur Festnahme eines Beschuldigten in Belgrad/Serbien.
Ermittlungen zur Schleusung über das Mittelmeer
Ermittler der Staatsanwaltschaft Traunstein beziffern die Fälle seit Oktober 2024 auf fünf Taten, in denen mindestens 125 überwiegend syrische Staatsangehörige unter lebensgefährlichen Bedingungen von Libyen über das Mittelmeer nach Italien und teilweise weiter nach Deutschland geschleust worden sein sollen. Auf den nach bisherigen Erkenntnissen nicht seetauglichen und überfüllten Booten befanden sich bis zu 61 Personen, denen nach Angaben der Ermittler keinerlei Sicherheitsvorkehrungen wie Schwimmwesten zur Verfügung standen. Für die Organisation und Durchführung der Überfahrten verlangten die Beschuldigten nach den Ermittlungen zwischen 6.500 und 7.800 Euro pro Person, wodurch die Gruppierung nach Schätzung der Ermittler mindestens 875.000 Euro einnahm. Am 7. Februar 2025 entdeckten Grenzbeamte am Grenzübergang Walserberg mutmaßliches Falschgeld in Höhe von 77.350 Euro bei einem der Hauptbeschuldigten; bei weiteren Kontrollen bis zum 30. Mai 2026 fanden Ermittler erneut mutmaßliches Falschgeld in Summen zwischen knapp 30.000 Euro und circa 100.000 Euro.
In einem weiteren von der Staatsanwaltschaft Landshut geführten Verfahren vollstreckten Ermittler in Serbien einen internationalen Haftbefehl gegen einen 31-jährigen syrischen Staatsangehörigen, der nach derzeitiger Einschätzung im Zeitraum April bis November 2022 in 17 Fällen des banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens verantwortlich sein soll. Nach den Angaben der Ermittler schleuste die Gruppierung auf verschiedenen Etappen mindestens 152 Migranten entlang der zentralen Balkanroute teils bis nach Deutschland. Dabei bestehen nach Auffassung der Ermittler Verbindungen der Täterstruktur nach Libyen sowie zu dort agierenden Milizen.
Parallel vollstreckten Ermittler in Belgrad einen internationalen Haftbefehl gegen einen 32-jährigen syrischen Staatsangehörigen; serbische Spezialkräfte führten die Festnahme aus. Nach Ermittlungsstand schloss sich dieser Beschuldigte spätestens im April 2023 mit zahlreichen weiteren Tatverdächtigen zusammen, und die Gruppierung verlangte zwischen 2.000 und 10.000 Euro pro Person, um überwiegend syrische Staatsangehörige über Routen von Serbien über Ungarn beziehungsweise von Bosnien und Herzegowina über Kroatien in die Europäische Union zu schleusen. Die Täter transportierten Betroffene anschließend mit Auto, Kleintransportern und Lastwagen über die Slowakei, Tschechien, Polen oder Österreich weiter nach Deutschland und in andere westeuropäische Zielländer. Ermittler schreiben dem Beschuldigten die Beteiligung an mindestens 37 Fällen zwischen Juni 2023 und Juni 2024 zu, bei denen insgesamt mindestens 625 Menschen befördert worden sein sollen.
Die zuständigen Staatsanwaltschaften setzten bei der Sachbearbeitung auf das Traunsteiner Modell zur Bekämpfung grenzüberschreitender und organisierter Kriminalität und koordinierten die Maßnahmen mit Europol und Eurojust sowie mit Ermittlungsbehörden in weiteren Mitgliedstaaten. Europol koordinierte eine Operational Task Force, die unter anderem den Austausch großer, verfahrensübergreifender Datenmengen sowie die Entsendung von Experten zur Unterstützung operativer Maßnahmen ermöglichte. Bei den derzeit laufenden Durchsuchungsmaßnahmen im Raum Saarbrücken befinden sich rund 240 Einsatzkräfte im Einsatz; die Behörden kündigten an, über die Ergebnisse zu informieren, sobald gesicherte Erkenntnisse vorliegen.
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