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ARV Oberpfalz
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Zwei Jungen jahrelang gequält? Mutter und Stiefvater vor dem Landgericht Regensburg

Regensburg. Hunger, Schläge, Demütigungen: Zwei Brüder sollen im Landkreis Cham jahrelang schwer misshandelt worden sein. Ab Montag müssen sich ihre Mutter und deren Partner vor dem Landgericht Regensburg verantworten. Die Anklage schildert erschütternde Zustände.

Regensburg. Hunger, Schläge, Demütigungen: Zwei Brüder sollen im Landkreis Cham jahrelang schwer misshandelt worden sein. Ab Montag müssen sich ihre Mutter und deren Partner vor dem Landgericht Regensburg verantworten. Die Anklage schildert erschütternde Zustände.
Am Landgericht Regensburg beginnt am Montag der Prozess gegen eine Mutter und ihren Partner. Symbolfoto: Landgericht Regensburg

Zwei Jungen jahrelang gequält? Mutter und Stiefvater vor dem Landgericht Regensburg

Die Vorwürfe sind erschütternd. Ein Paar soll über einen Zeitraum von drei Jahren zwei Buben misshandelt und gedemütigt haben. Ab Montag stehen die 40-jährige Mutter und ihr 36-jähriger Ehemann vor dem Landgericht Regensburg. Sollte sich die Anklage der Staatsanwaltschaft Regensburg bewahrheiten, erlebten die Brüder die Hölle auf Erden. Unter anderem mussten die Kinder nachts den Rasen mit der Schere schneiden, Chilischoten essen und Gewalt-Pornos ansehen. Sie wurden ausgehungert, schliefen teils im Stall und auf dem Boden.

Die Jungen waren zur Tatzeit (2021 bis 2024) zwischen neun bis 14 Jahre alt. Die Brüder sind Jahrgang 2010 und 2012. Sie stammen aus einer früheren Beziehung der Frau.

Die Buben „störten“ das Familienleben

Hintergrund der mutmaßlichen Misshandlungen war nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Regensburg der Wunsch des Paares, ein ungestörtes Familienleben mit den beiden neuen gemeinsamen Kindern (geboren 2021 und 2022) verleben zu können. Die Buben „störten“. Außerdem warf man ihnen vor, die Mutter „vergiftet“ zu haben, weil diese bei einem Abgang ein weiteres ungeborenes Kind verloren hatte.

All das soll – so die Anklage – zu einer Eskalation auf dem Wohnanwesen bei Furth im Wald (Landkreis Cham) geführt haben. Die Misshandlungen sollen 2019 begonnen und sich ab 2021 erheblich gesteigert haben. Im Juli 2024 nahm das Jugendamt Cham die beiden Buben in Obhut.

Vier Kilometer Schulweg bei jedem Wetter

Laut Anklage mussten die Buben an jedem Schultag, zu jeder Jahreszeit und bei jeder Witterung, den vier Kilometer langen Schulweg zu Fuß zurücklegen. Er enthält teilweise gefährliche Verkehrsabschnitte. Dabei trugen sie keine angemessene Kleidung und seien durchnässt und durchgefroren in der Schule angekommen. Es sei ihnen von den Eltern verboten worden, mit Mitschülern und anderen zu sprechen.

Nach Schulschluss ging die Schikane weiter, so die Anklage: Teilweise stundenlang hätten die Buben vor dem Tor zum Hof warten, sich schließlich bis auf die Unterhose ausziehen und vom Stiefvater durchsuchen lassen müssen. Er suchte angeblich nach Süßigkeitenverpackungen. Beiden Kindern seien zur Demütigung die Köpfe kahl geschoren worden.

Witron – Nachmittag der Ausbildung
Witron – Nachmittag der Ausbildung

Schlafen im Stall, Toilette im Wald

Die Liste der Vorwürfe ist ellenlang und betrifft beinahe jeden Lebensbereich. Nur einige Ausschnitte: Der Angeklagte soll die Kinder im Hof mit kaltem Wasser aus dem Gartenschlauch „geduscht“ haben. Sie mussten – auch im Winter – teilweise draußen und im Stall schlafen. Ihre „Toilette“ war der Wald. Auch im Haus sollen die Buben nicht im normalen Wohnbereich, sondern in einer abgetrennten Wohnung im Untergeschoss – einem Rohbau – sich selbst überlassen gelebt haben. Sie wurden dabei durch eine Videokamera mit Tonaufzeichnung überwacht.

Dazu sollen absurde Handlungen des Stiefvaters gekommen sein: Er soll die Kinder nachts geweckt haben, damit sie den Rasen mit der Schere schneiden. Sie mussten Chilischoten essen und gewaltverherrlichende Pornos ansehen, so die Anklage. Detailliert listet die Staatsanwaltschaft zudem eine Reihe von Körperverletzungen auf, verursacht mit Kochlöffel, Steinen, Elektrozaun und Klebeband, auch Verbrennungen durch das Drücken der Kinderhände auf eine heiße Herdplatte.

Nach einem Döner zum Erbrechen gezwungen

Dazu kam Hunger. Als die Mutter eines Mitschülers den Buben einen Döner gekauft hatte, soll der Stiefvater die Kinder zu Hause zum Erbrechen gezwungen haben. Der Gewichtsverlust war am Ende sichtbar. Im Juli 2024 nahm das Jugendamt Cham die Kinder in Obhut. Alle Unterstützungsangebote durch das Jugendamt waren im Vorfeld abgelehnt worden. Einen Kinderarzt oder anderen Arzt soll die Frau mit den Söhnen bei Verletzungen nicht aufgesucht haben.

Elf Verhandlungstage vor der Jugendkammer

Der inzwischen 40-jährigen Frau aus dem Bayerischen Wald werden Misshandlung von Schutzbefohlenen und gefährliche Körperverletzung durch Unterlassen vorgeworfen.

Ihr Ehemann, 36 Jahre alt und gebürtiger Niederbayer, muss sich wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen, Nötigung und mehreren Fällen der gefährlichen Körperverletzung verantworten.

Verhandelt wird vor der Jugendkammer unter dem Vorsitz von Richterin Elke Knott. Angesetzt sind aktuell elf Verhandlungstage. Ein Urteil könnte noch vor Weihnachten 2026 fallen.