Barocke Affekte eröffnen Festival junger Künstler in Speinshart

Barocke Affekte eröffnen Festival junger Künstler in Speinshart
„Ich sehne mich nach einer sanften Zurückweisung. Und wenn es hier Engel gibt, so befindet sich der Engel, den ich liebe, jenseits des Unmöglichen.“ Engel gab es genug in der Klosterkirche zu Speinshart, die die Sehnsüchte der Sopranistin Radoslava Vorgic (Serbien) hätten stillen können. Engelheerscharen aus der üppigen Barockausstattung des Kirchenraums beobachteten die Szenerie da unten im sakralen Umfeld. Vielleicht gab es auch Engel in den gut besetzten Kirchenbänken zu entdecken. Zum Auftakt des 76. Für Festivals junger Künstler in Bayreuth ist es längst Tradition, die Konzertreihe an vorderster Stelle auch in Speinshart zu starten. Die Internationale Begegnungsstätte als Gastgeber freute sich über einen Liederabend mit der serbischen Künstlerin und dem spanischen Gitarristen Rafael Arjona Ruz (Laute und Barockgitarre).
Barocke Emotionen und virtuoses Saitenspiel
Ein leidenschaftlicher Auftakt des Festivals im Klosterdorf. Radoslava Vorgic weckte die Träume vieler Komponisten mit exquisitem Gesang und, facettenreich, vom Gitarrenvirtuosen begleitet, zu neuem Leben. Inspiriert vom Festivalthema „RE:SONANZ“ verstand es das Duo, in feinfühliger Harmonie die Klangwelten der Liebe aus dem frühen italienischen und spanischen Barock in den Kirchenraum zu zaubern. Oft klang diese Zweisamkeit geheimnisvoll. Die Liedbeiträge handelten von Sehnsucht, Verlust, Erinnerung, Tränen des Schmerzes und Glücksmomenten des Wiedersehens.
Jedes Stück dieses „Liebesgeflüsters“ hatte emotionale Tiefe und eröffnete neue Perspektiven auf universelle menschliche Empfindungen. Ja, wenn die Liebe blüht, blühen auch die Fantasien der Zuhörer. Den von der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart verteilten Begleittext mit der Übersetzung vor Augen lauschte die Hörerschaft andächtig und genussvoll den ausdrucksstarken Liederzyklen, beginnend mit dem „liebenden Heraklit“ aus L’Eraclito amoroso von Barbara Strozzi (1619–1677) bis zur berührenden und hoffnungsvollen Botschaft „Liebe, Schicksal, Welt, Verhängnis und Glück erhoben meine Hoffnung hoch auf den Flügeln meiner Gedanken“ aus Ay fortuna cruel von Esteban Daza (1537–1591).
Festival junger Künstler Bayreuth als Brücke der Begegnung
Eine berührende Liedfolge, sentimental, offen und erfrischend, mit Liebe als unendlichem Ding. Wirkungsvoll fügte sich der kongeniale und perlende Saitenzauber des spanischen Perfektionisten Rafael Arjona Ruz in das Gesamtbild des Konzerts ein. Gefesselt von dieser geheimnisvollen musikalischen Zweisamkeit honorierte die Hörerschaft die „barocken Affekte“ (so der Konzerttitel) mit viel Beifall. Dem Eröffnungskonzert gingen eine Einladung von Elisabeth Fichtner, Geschäftsführerin der Internationalen Begegnungsstätte, zu den vier weiteren Konzerten des Festivals, und eine Vorstellung internationaler Mitwirkender des Festivaltreffens aus dem Iran, aus Slowenien, China und Australien durch Intendantin Sissy Thammer, verbunden mit dem Credo, die Plattform des Festivals junger Künstler als Brücke für eine offene und freie Gesellschaft zu nutzen.
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