Jetzt Tickets für die kommenden Jahn-Spiele sichern!
Garten Punzmann – Großbäume
Garten Punzmann – Großbäume

Dem jüdischen Geschlecht der Crailsheimer auf der Spur

Floß. Nachfahren der jüdischen Familie Crailsheimer reisten aus Israel an, um Spuren ihrer Ahnen im Markt zu suchen. Bürgermeister Robert Lindner und Ex-Bürgermeister Fred Lehner führten durch Synagoge und Friedhof.

Dem jüdischen Geschlecht der Crailsheimer auf der Spur

Hönigsberger 4.JPG
Mit tiefen Eindrücken und neuen Erkenntnissen verließen die Eheleute Gilbert den Markt Floß. Von links: Bürgermeister a. D. Fred Lehner, Dr. Michael Mitri, Rafi Gibert, Frau Gilbert, Bürgermeister Robert Lindner, Katja Buchner und Frau Mitri. Foto: Fred Lehner

„Wir sind unserem Ziel, dem jüdischen Geschlecht der Familien Crailsheimer näherzukommen, einen wichtigen und bedeutenden Schritt weiter gekommen.“ Der 1.078-jährige Markt Floß mit seiner über 342 Jahre alten jüdischen Geschichte hat uns dazu geholfen.

Nachfahren der Crailsheimer erkunden jüdisches Erbe in Floß

Wieder hatten sich Nachfahren, diesmal aus den Familien der Crailsheimer aus Floß, von Israel aus, auf den Weg gemacht, die Spuren ihrer Ahnen und Urahnen zu erkunden. Dass sie dabei auf den Markt Floß gestoßen sind, rührt von den Überlieferungen ihrer Vorfahren her. Der Besucher Rafi Gilbert – er kam nicht mit seiner Frau – ist der Sohn von Ruth Crailsheimer. Diese wiederum war die Enkelin von Abraham Adolf Eismann. Eismann war bis 1934 Vorsteher der früheren jüdischen Gemeinde in Floß und Geschäftsführer bei J. M. Hönigsberger und seiner Frau Selma.

Die Judengemeinde in Floß, die im Jahre 1684 entstand, war die Heimat der Crailsheimer. Sie lebten auf dem heute noch so bezeichneten Judenberg, der nach dem Großbrand 1813 als bedeutendes städtebauliches Ensemble neben dem des Marktzentrums aufgebaut wurde. Nach dem Ghetto in der Mitte des 19. Jahrhunderts konnten sie in das Marktzentrum ziehen. Sie errichteten ein Geschäftshaus, das später die Flosser Apotheke wurde.

Besuch im Rathaus und lebendiger jüdischer Kultus

Die Eheleute Gilbert haben sich bei Bürgermeister Robert Lindner zu einem Besuch angemeldet und gebeten, mehr über die jüdische Geschichte von Floß, die Synagoge und den Friedhof zu erfahren. Es sind seltene Besuche, zumal seit 1942 keine Juden mehr in Floß leben und schon gar keine jüdische Gemeinde mehr besteht. Sie wurde in der Nazizeit 1933 bis 1945 ausgelöscht. Trotzdem: Synagoge und Friedhof sind heute noch steinerne Zeugen der Vergangenheit. Einer der noch lebenden Zeitzeugen, Bürgermeister a. D. Fred Lehner, spricht davon, dass der jüdische Kultus in Floß lebt. Jährliche Kernveranstaltungen, wie etwa die Gemeinschaftsfeier zwischen Juden und Christen oder die Konzerte der Pilsener Region, dazu eine Reihe von Vorträgen und Führungen, bestätigen dies.

Bei dem Besuch der Eheleute Gilbert, die als Begleiter und Übersetzer Dr. Michael Mitri vom Projekt Shoah Nürnberg, God’s Home Community, mitbrachten, hatte der Bürgermeister den ehemaligen Amtskollegen Fred Lehner gebeten, die Gäste durch das Gotteshaus der Juden zu führen. Lehner, ein profunder Kenner der jüdischen Geschichte, hatte der Bitte des Bürgermeisters gerne entsprochen. Er begrüßte die Gäste an dem Ort, wo er seine Kinder- und Jugendzeit verbrachte. Das Geburtshaus stand dabei im Mittelpunkt. Der Judenberg selbst hat seine städtebauliche Art nicht verloren. Nur geringe, an den Fassaden vorgenommene Veränderungen gestalten das Erscheinungsbild der Ortsanlage.

Synagoge, Friedhof und Eindrücke der Gäste

Nachdem schon neun Jahre nach der Ansiedlung der Juden im Jahre 1684 eine Friedhofsanlage errichtet wurde – sie besteht heute noch an der Flossenbürger Straße –, kam es zum Bau einer hölzernen Synagoge, die aber beim Großbrand 1813 in Schutt und Asche gelegt wurde. Der Aufbau des neuen Gotteshauses geschah von 1815 bis 1817. Seither besteht das Gebetshaus der Juden, das am 9. November 1938 geplündert und zerstört wurde. Nach 1945 dauerte es bis zum Jahre 1971, als die Entscheidung über die Restaurierung, die bis 1980 dauerte, fiel. Lehner erzählte auch darüber, dass es nicht einfach war, dieses Bauwerk durch den Markt als Bauträger anzugehen. Die Besuche und Führungen reichten von der Grundschule bis zu den Universitäten, vom Kommunalpolitiker bis zum Bundesminister, vom Ortspfarrer bis zum Weihbischof und Landesbischof. Sportliche, gesellschaftliche und kulturelle Vereine und Organisationen zeigten ebenfalls Interesse an der Judengeschichte von Floß.

Winkler Bräu Amberg
Winkler Bräu Amberg

Erstaunt haben die Besucher der Thoraschrein, die handgeschmiedete Standleuchte und vor allem die bunten Fenster mit Kunstglas aus Naharia/Israel und Gebetstexten aus dem Alten Testament. Erst nach einer guten Stunde verließen die Besucher das Gotteshaus. Sie ließen es sich nicht nehmen, auch den jüdischen Friedhof in Augenschein zu nehmen, wo die Familiengräber besichtigt wurden. Ein tiefer Eindruck, den die Gilberts mit nach Hause nehmen konnten, blieb. Sie waren über die Gastfreundschaft am Rathaus mit Bürgermeister Robert Lindner und Chefsekretärin Katja Buchner sowie Bürgermeister a. D. Fred Lehner überaus dankbar. Das finde man selten, lobten die Gäste aus Israel den Besuch in Floß.

Tipp: Wenn Du etwas googelst, bekommst Du neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt.
Wenn Du OberpfalzECHO als bevorzugte Quelle hinterlegst, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Dich auf.
Füge jetzt OberpfalzECHO Deinen Quellen hinzu!