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Digitalisierung aus Amberg wird zur Blaupause

Amberg. Die Stadt schließt mit Conrad Electronic das Projekt AM2Digital erfolgreich ab und setzt bayernweit Maßstäbe. Online-Wohnsitzanmeldung, vorgezogene E-Akte und eine nutzerfreundliche Website dienen als Blaupause.

Digitalisierung aus Amberg wird zur Blaupause

OB Michael Cerny (Mitte) und Dr. Werner Conrad (rechts), Conrad Electronic SE/Vorsitzender des Verwaltungsrates, präsentierten in Amberg gemeinsam die umfangreichen Ergebnisse des innovativen Projektes „AM2Digital“. Foto: Michael Golinski, Stadt Amberg
Foto: Michael Golinski, Stadt Amberg

Was passiert, wenn unternehmerischer Tatendrang auf kommunalen Gestaltungswillen trifft? In Amberg ist daraus innerhalb von nur 15 Monaten eine digitale Transformation entstanden, die weit über die Stadtgrenzen hinausstrahlt. Oberbürgermeister Michael Cerny und Dr. Werner Conrad präsentierten heute im Amberger Energiekompetenzzentrum der Stadtwerke Amberg (EKZ) die Ergebnisse des Projekts „AM2Digital“.

Michael Cerny bewertete „AM2Digital“ als strategischen Erfolg. „Das Projekt hat gezeigt, welches Potenzial in der digitalen Transformation der Verwaltung liegt und welche strukturellen Grenzen die föderale IT-Landschaft derzeit noch setzt“, erklärte Cerny. In einer in der öffentlichen Verwaltung bisher einmaligen Public-Private-Partnership initiierte Dr. Werner Conrad das Projekt persönlich. Seine Motivation: „Es ist genug kritisiert und geredet worden und endlich an der Zeit, anzupacken und zu machen.“

Herausforderungen der föderalen IT-Landschaft

Ursprünglich war eine vollständig durchgängige digitale Lösung auf Basis der Softwareangebote der AKDB vorgesehen. Nach Einschätzung der Projektleitung verhinderten jedoch unterschiedliche Verwaltungsprozesse, begrenzte Systemperformance und fehlende bundesweite Standards eine vollständige Umsetzung dieses Ansatzes. „Wir kommen historisch aus einer analogen Welt mit Papierakten in den Kreisverwaltungsbehörden, heute haben wir statt Papier eine föderale Datenhaltung“, so Cerny.

Die vom Bund beschlossene Registermodernisierung adressiere dieses Problem zwar grundsätzlich, echte flächendeckende Lösungen seien bislang jedoch noch nicht verfügbar. Zusätzlich erschwerten teils deutlich unterschiedliche Prozesse in den Behörden eine standardisierte und medienbruchfreie Digitalisierung.

Standards, Effizienz und Unterstützung aus der Wirtschaft

Vor diesem Hintergrund begrüßt Oberbürgermeister Michael Cerny ausdrücklich die Arbeit der Zukunftskommission des Freistaates Bayern in Zusammenarbeit mit den kommunalen Spitzenverbänden. Die dort entwickelten Ansätze mit bayernweit angebotenen zentralen Lösungen, standardisierten Prozessen und zentraler Datenhaltung seien aus seiner Sicht der richtige Weg. „Unsere kommunale Selbstverwaltung ist nicht gefährdet, wenn wir bayernweite Standards nutzen. Im Gegenteil: Sie sind die Grundlage für lokale Qualität“, betonte Cerny.

Zugleich dankte der Oberbürgermeister Dr. Werner Conrad für seine unternehmerische und inhaltliche Unterstützung des Projekts. „Der kritische Blick aus der Wirtschaft hat uns geholfen, die Verwaltungsdigitalisierung als das zu begreifen, was sie sein muss: ein Realitätscheck für unsere Strukturen, Prozesse und gesetzlichen Rahmenbedingungen“, sagte Cerny.

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Vier Kernaussagen aus AM2Digital

  • Agilität vor Perfektion: „Lieber 80 Prozent Lösung für alle, als 100 Prozent für wenige.“
  • Zentrale Aufgaben bündeln: Landesweit einheitliche Services, etwa bei der Kfz-Zulassung, erhöhen Effizienz und Bürgerfreundlichkeit.
  • Unternehmerisches Denken in der Verwaltung stärken: Skalierbarkeit, Standards und Effizienz müssen stärker in den Fokus rücken.
  • Standards und kommunale Selbstverwaltung verbinden: Bayernweite Lösungen bilden die Basis für eine leistungsfähige und moderne kommunale Verwaltung.

Digitale Erfolge für Bürgerinnen und Bürger

Die Stadt Amberg hat sich durch das Pilotprojekt „AM2Digital“ in nur 15 Monaten zu einer führenden digitalen Vorreiterkommune in Bayern entwickelt. Möglich wurde das durch eine einzigartige Public-Private-Partnership zwischen der Stadt Amberg, Conrad Electronic und weiteren Projektpartnern (UnternehmerTUM der TU München, byte und der AKDB). Die zahlreichen Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, wie digitale Stadtverwaltung den Gang ins Amt vermeidet, Bearbeitungszeiten verkürzt und den Bürgerservice optimiert. Dieser umfangreiche Prozess umfasst mehrere konkrete Verbesserungen für die Amberger Bürgerinnen und Bürger.

Online-Services und E-Akte

Als eine der ersten Städte ihrer Größenklasse in Bayern bietet Amberg jetzt die elektronische Wohnsitzanmeldung rund um die Uhr an. „Deutsche Staatsbürger können ihren Wohnsitz nun rund um die Uhr online anmelden – ohne Wartezeiten im Amt“, erklärt Oberbürgermeister Michael Cerny stolz. Nach den großen Pilotstädten München, Augsburg und Nürnberg gehört Amberg damit zu den bayernweiten Vorreitern für Kommunen unter 50.000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Zudem konnte die elektronische Akte (E-Akte) nun schon drei Jahre früher als geplant eingeführt werden – bereits 2024 statt im Jahr 2027. Zusätzlich wurden alle 70 städtischen Online-Formulare überarbeitet: Sie ermöglichen nun beispielsweise elektronische Rückantworten. Das spart in der Summe nicht nur jede Menge Zeit, sondern auch im Sinne der Nachhaltigkeit viel Papier. Auch die Einführung der digitalen Unterschrift innerhalb der Ämter der Stadtverwaltung beschleunigt langfristig viele Verwaltungsprozesse. So können Dokumente schneller bearbeitet und Wege verkürzt werden, während gleichzeitig die Sicherheit erhöht wird.

Benutzerfreundliche Website und virtuelle Sprechstunde

Die städtische Website wurde nun komplett auf konkrete Bürger-Bedürfnisse (zum Beispiel Geburt eines Kindes, Umzug, Gewerbeanmeldung) zugeschnitten. Wichtige Services und Leistungsangebote sind jetzt nach Lebenslagen wie „Geburt“, „Mobilität“ oder „Heirat“ sortiert – statt nach bloßer Verwaltungslogik. Eine deutlich verbesserte Suchfunktion sowie ein moderneres und übersichtlicheres Design machen das neue Online-Angebot der Stadt Amberg, das auch den Chatbot SAM umfasst, zusätzlich noch benutzerfreundlicher.

Neu ist zudem die virtuelle Sprechstunde unseres Oberbürgermeisters Michael Cerny. Ob Sie im Café am Marktplatz sitzen, krank zu Hause sind oder gerade mit der Bahn unterwegs – Sie können Ihr Anliegen bequem online besprechen. Pro Online-Termin steht dafür ein Zeitfenster von 30 Minuten zur Verfügung.

Smart City und LoRaWAN

Weitere Verbesserungen konnten durch Smart-City-Synergieprozesse und den Einsatz der energieeffizienten Funktechnologie LoRaWAN (das heißt „Long Range Wide Area Network“) erzielt werden. Dabei erfassen beispielsweise Sensoren im Bereich der intelligenten Straßenüberwachung kontinuierlich den Zustand der Verkehrswege. Schäden werden dadurch automatisch erkannt und gemeldet – für schnellere Reparaturen und mehr Verkehrssicherheit. Des Weiteren optimiert die präzise Messung von Bodenfeuchtigkeit die Bewässerung öffentlicher Grünanlagen. Das spart Wasser, reduziert Kosten und schützt gleichzeitig die Umwelt.

Erfolgreiche Zusammenarbeit mit Conrad Electronic

„AM2Digital ist ein großer Erfolg für die Stadt Amberg“, betont Oberbürgermeister Michael Cerny. „Wir haben gegenseitig viel voneinander gelernt und gleichzeitig gezeigt, dass wir Digitalisierung gemeinsam bedeutend vorantreiben können. Die enge, konstruktive und innovative Zusammenarbeit mit Conrad Electronic und UnternehmerTUM markiert für uns den maßgeblichen Schlüssel zum Erfolg.“

Dr. Werner Conrad, Verwaltungsratsvorsitzender der Conrad Electronic SE, sieht das Projekt als wichtigen Baustein für die Zukunftsfähigkeit der Region: „Mit der Stadt Amberg haben wir bewiesen, dass moderne Verwaltungsdigitalisierung auch in mittelgroßen Städten in Bayern möglich ist. Zugleich untermauert dieses einmalige Projekt, wie private Expertise und kommunale Innovation effektiv zusammenwirken können.“

Vom Pilotprojekt zur Blaupause

Das Besondere an „AM2Digital“: Es entstand parallel eine vollständige Dokumentation aller Prozesse und Erkenntnisse. „Wir haben nicht nur für Amberg digitalisiert, sondern zugleich eine Blaupause für andere Kommunen entwickelt“, erklärt Dr. Conrad.

Das Projektteam für „AM2Digital“ umfasste über 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Referaten und Fachämtern der Stadtverwaltung, die in agilen Teams zusammenarbeiteten. Neben Conrad Electronic wirkten UnternehmerTUM der TU München, die AKDB und byte mit.

Ausblick

„Mit diesem innovativen Ansatz wollen wir gezielt neue Wege zur schnelleren und umfassenderen Digitalisierung in den Städten gehen“, fasst Oberbürgermeister Cerny zusammen. „Unser Ehrgeiz ist es, die Digitalisierung der Verwaltung in der Oberpfalz weiterhin bedeutsam voranzutreiben und unsere wertvollen Erfahrungen mit anderen Kommunen zu teilen.“

Das Projekt knüpft an die 2023 veröffentlichte Digitalisierungsstudie für die Oberpfalz an, in der Handlungsbedarf bei kommunaler Digitalisierung identifiziert wurde. Mit „AM2Digital“ wurde aus dieser Fachanalyse nun erfolgreiche Praxis in Stadtverwaltung und Stadtgesellschaft, von der die Amberger Bürgerinnen und Bürger entscheidend und nachhaltig profitieren.

Zahlen und Fakten

  • Projektdauer: 15 Monate (November 2023 – März 2025)
  • Beteiligte: Über 50 Stadtverwaltungsmitarbeiterinnen und Stadtverwaltungsmitarbeitende
  • Umgesetzte Maßnahmen: 13 themenübergreifende Digitalisierungspakete
  • Formulare: Alle 70 städtischen Online-Formulare überarbeitet
  • Innovation: Amberg ist eine der ersten bayerischen Städte mit 24/7-Wohnsitzanmeldung
  • Zeitersparnis: E-Akte drei Jahre früher eingeführt als geplant

Über AM2Digital

„AM2Digital“ war ein Pilotprojekt zur Digitalisierung kommunaler Verwaltung, das von November 2023 bis März 2025 in der Stadt Amberg durchgeführt wurde. Ziel war es, eine digitale Stadtverwaltung zu entwickeln, die von Bürgerinnen und Bürgern sowie von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als effizient und nutzerfreundlich wahrgenommen wird. Jetzt gilt es, die gewonnenen Erkenntnisse aufzubereiten und anderen interessierten Kommunen bereitzustellen“, so Cerny abschließend.