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Ein Pontifikalamt ohne Bischof und ein Pfarrheim voller Segen in St. Konrad in Weiden

Weiden. Bischof Rudolf Voderholzer steckt im Stau fest und kommt erst zum Schlusssegen. St. Konrad weiht ihr neues Pfarrheim am Hammerweg ein: 20 Jahre von der Idee bis zur Fertigstellung.

Ein Pontifikalamt ohne Bischof und ein Pfarrheim voller Segen in St. Konrad in Weiden

Bischof Rudolf Voderholzer weiht das neue Pfarrheim ein. Foto: Helmut Kunz
Wegen eines Staus auf der Autobahn erreicht der Bischof die Pfarrkirche St. Konrad zum Schlusssegen und einigen kurzen Worten. Foto: Helmut Kunz
Auszug aus der Kirche. Foto: Helmut Kunz
Architekt Volker Schwab erinnert an die Bauarbeiten. Foto: Helmut Kunz
Schlüsselübergabe. Foto: Helmut Kunz
Architekt Volker Schwab bringt das gesegnete Kreuz an. Bischof Rudolf Voderholzer dankt für die handwerkliche Leistung. Foto: Helmut Kunz
Bischof Rudolf Voderholzer segnet die Räume des neuen Pfarrheims. Foto: Helmut Kunz

Ein Pontifikalamt ohne Pontifex. Das erlebt man auch nicht alle Tage. Als in St. Konrad am Hammerweg der Festgottesdienst zur Einweihung des neuen Pfarrheims beginnen sollte, fehlte ausgerechnet derjenige, der ihm den bischöflichen Glanz verleihen sollte: Bischof Rudolf Voderholzer steckte im Stau fest. Eineinhalb Stunden brauchte er späteren eigenen Angaben zufolge für die Strecke zwischen Teublitz und Schwandorf-Süd. Warum es dort nicht voranging, wusste offenbar niemand so genau. „Kam gar nicht vor in den Verkehrsnachrichten. Keiner wusste, was eigentlich vor sich ging“, erzählte der Bischof.

Beginn des Pontifikalamts wird um eine halbe Stunde verschoben

Damit der Ehrengast zumindest noch etwas vom Festgottesdienst mitbekam, reagierte Stadtpfarrer Johannes Lukas kurzerhand pragmatisch: Der Beginn wurde um eine halbe Stunde verschoben. Es reichte trotzdem nur knapp. Voderholzer traf gerade noch rechtzeitig zum Schlusssegen ein. „Das ist mir noch nie passiert in meinen 14 Jahren Bischofssein“, sagte der Bischof mit einem Schmunzeln. Und so wurde aus dem geplanten Pontifikalamt zunächst ein Festgottesdienst ohne Bischof – gefeiert von Stadtpfarrer Johannes Lukas gemeinsam mit Pfarrvikar Patrick Akpan, Pfarrer Christian Kalis von St. Jakob in Schwandorf und Ruhestandsgeistlichem Gerhard Pausch.

Erste Segnung eines Pfarrheims in Weiden seit sieben Jahren

Ganz leer ging der Bischof trotzdem nicht aus. Die Predigt musste zwar ohne ihn stattfinden, dafür durfte er anschließend seinen eigentlichen Auftrag erfüllen: das neue Pfarrheim segnen. „Ich hätte schon gerne während der Predigt ein bisschen über das neue Pfarrheim nachgedacht“, sagte Voderholzer. Doch dann habe es eben nur noch für den Schlussteil gereicht: „Jetzt bin ich gerade noch rechtzeitig gekommen, um das Pfarrheim mit Segen zu füllen.“ Zuletzt hatte der Bischof vor sieben Jahren ein Pfarrheim in Weiden eingeweiht. In Herz Jesu. Damals war der Ruhestandsgeistliche Pausch in dieser Pfarrei noch Stadtpfarrer.

Ein Glaubenszeugnis

Die Verspätung konnte die Freude über das neue Gebäude ohnehin nicht trüben. „Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem neuen Pfarrheim“, sagte Bischof Voderholzer. Und fügte einen Satz hinzu, der durchaus als Kompliment an den Glauben in der Pfarrei verstanden werden durfte: „Wie gut geht’s uns noch im Bistum Regensburg, dass wir heute noch Pfarrheime einweihen dürfen.“

Weit mehr als ein schmuckvoller Anbau

Denn das neue Gebäude solle weit mehr sein als ein schmuckvoller Anbau an die Kirche. Es solle ein Ort werden, an dem sich die Gemeinde trifft, miteinander arbeitet, feiert, diskutiert und ihren Glauben auch außerhalb des Gottesdienstes lebt. Stadtpfarrer Johannes Lukas brachte es auf den Punkt: Das Pfarrheim erfülle keinen Eigenzweck. Es solle der Kirche am Hammerweg „einen Raum bieten, um den Dienst der Kirche auch erfüllen zu können, nicht nur in der Liturgie, sondern auch in der Gemeinschaft“.

Auch für Kinder und Jugendliche

Gerade für Kinder und Jugendliche gibt es neue Möglichkeiten. Bischof Voderholzer gratulierte ausdrücklich auch den Ministrantinnen und Ministranten: Sie hätten nun einen eigenen Raum, „in dem sie über ihren Dienst nachdenken können“, was mit Lachern und Beifall bedacht wurde. Musikalisch wurde der Festgottesdienst vom Kirchenchor unter Leitung von Angelika Sauer gestaltet. Auch die Bläsergruppe trug zur festlichen Atmosphäre bei.

Witron Zoiglbrotzeit
Witron Zoiglbrotzeit

Richtiges Pfarrheim hat es nie gegeben

Hinter dem Festtag liegen allerdings keine zwei, drei Jahre Bauzeit, sondern eine rund 20-jährige Geschichte. Architekt Volker Schwab erinnerte daran, dass am Hammerweg lange Zeit kein zeitgemäßes Pfarrheim vorhanden war. Ein altes Seniorenheim und ein in die Jahre gekommener Kindergarten gehörten zum bisherigen Gebäudebestand. Ein richtiges Pfarrheim, so Schwab, habe es eigentlich nicht gegeben. Was folgte, waren Planungen, Überlegungen, Abstimmungen und schließlich die Umsetzung des Projekts.

Funktionales Gemeindehaus

Für Schwab ist der Neubau deshalb mehr als ein funktionales Gemeindehaus. Er bezeichnete ihn als „ein Stadtbild prägendes Projekt am Hammerweg“ und sprach von einem „Tag der Freude für den ganzen Hammerweg“. Sein Dank galt dabei vielen Beteiligten. Unter anderem den Kirchenpflegern und den Verantwortlichen in der Pfarrei. Einen besonderen Anteil habe Stadtpfarrer Lukas getragen. Schwab beschrieb ihn mit einem typisch oberpfälzischen Lob: „Er ist halt ein Macher, wie man bei uns sagt.“ Schwab durfte auch den Nagel einschlagen für das Kreuz.

Bistum finanziert mit 50 Prozent

Auch die Finanzierung war Thema der Ansprachen. Das Bistum Regensburg unterstützte die Baumaßnahme mit 50 Prozent. Bischof Voderholzer nutzte die Gelegenheit, um einen verbreiteten Irrtum mit einem Augenzwinkern geradezurücken. „Das ist nicht mein Geld, das ist Ihr Geld“, sagte er mit Blick auf die Kirchensteuer. Die Gläubigen selbst seien es, die mit ihren Beiträgen die finanziellen Möglichkeiten des Bistums schafften.

Für Jung und Alt

Das Bistum müsse lediglich darauf achten, dass die entsprechenden Richtlinien eingehalten würden. „Wir könnten nicht großzügig sein, seitens des Bistums, wenn Sie uns das Geld nicht zur Verfügung stellen würden“, erklärte der Oberhirte. Sein Rat an die Gemeinde fiel entsprechend einfach und praktisch aus: „Nützen Sie das Gebäude – Jung und Alt.“ Zum gelungenen Erscheinungsbild des neuen Pfarrheims gehört inzwischen sogar die passende Infrastruktur vor der Tür. Rechtzeitig zur Einweihung wurde die Bushaltestelle vor dem Pfarrheim fertiggestellt.

Es geht um Menschen und Gemeinschaft

Architekt Schwab dankte dafür ausdrücklich Alkmar Zenger, dem Baudezernenten der Stadt Weiden, und der Stadt für ihre Unterstützung. Bei so viel Termintreue blieb am Ende eigentlich nur einer, der sich an diesem Festtag verspätet hatte und ausgerechnet der war der Ehrengast. Doch Bischof Voderholzer nahm es sportlich. Und vielleicht passte die kleine Panne sogar ganz gut zu einem Fest, bei dem es letztlich nicht um einen perfekten Ablauf, sondern um Menschen und Gemeinschaft ging.

Symbolische Schlüsselübergabe

Mit der symbolischen Schlüsselübergabe fand die Einweihung schließlich ihren sichtbaren Höhepunkt. Aus einem lang gehegten Wunsch ist ein modernes Haus für die Pfarrei geworden. Oberbürgermeister Benjamin Zeitler zeigte sich beeindruckt: „Was für ein wunderschönes Gebäude.“ Für ihn steht das neue Pfarrheim zugleich für etwas, das sich nicht in Baukosten, Quadratmetern oder Architekturplänen messen lässt. „Wir feiern heute die Lebendigkeit dieser Pfarrei, das Zusammengehörigkeitsgefühl dieser Kirche“, sagte der Rathauschef.

Segen über ein Haus, das künftig mit Leben gefüllt werden soll

Nach rund 20 Jahren Planung und Entwicklung hat St. Konrad damit nun einen neuen Mittelpunkt für die Gemeinschaft. Und auch wenn der Bischof beim Beginn des Gottesdienstes fehlte, war er beim wichtigsten Moment schließlich doch noch da: Für den Segen über ein Haus, das künftig möglichst oft mit Leben gefüllt werden soll.