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Vortrag beleuchtet Geschichte der NS-Baracken in Eschenbach

Eschenbach i.d.OPf. Im Museum Beim Taubnschuster zeigte Dr. Lorenz Burger, wie die Baracke von Militär, NS-Lagerwesen und Nachkriegsnutzung geprägt wurde. Der Vortrag begleitete die Sonderausstellung "Barackenleben".

Eschenbach i.d.OPf. Im Museum Beim Taubnschuster zeigte Dr. Lorenz Burger, wie die Baracke von Militär, NS-Lagerwesen und Nachkriegsnutzung geprägt wurde. Der Vortrag begleitete die Sonderausstellung "Barackenleben".
Dr. Lorenz Burger beim Taubnschuster. Foto: Kornelia Götz

Vortrag beleuchtet Geschichte der NS-Baracken in Eschenbach

Gastbeitrag von: Gregor Forster

Zahlreiche interessierte Besucher konnte der Heimatverein Eschenbach zum Begleitvortrag der Sonderausstellung „Barackenleben – Reichsarbeitsdienst- und Flüchtlingslager Eschenbach“ im Museum Beim Taubnschuster begrüßen. Referent war Dr. Lorenz Burger, der sich im Rahmen eines Projekts des Freilandmuseums Oberpfalz in Neusath-Perschen intensiv mit der Geschichte der Baracke als Bauform beschäftigt. Dort ist geplant, in den kommenden Jahren eine originale Pferdestallbaracke auf dem Museumsgelände wieder aufzubauen.

Die Baracke – älter als das NS-Regime

Zu Beginn seines Vortrags machte Burger deutlich, dass die Baracke keineswegs eine Erfindung des Nationalsozialismus ist. Bereits im späten 19. Jahrhundert entwickelte sie sich als moderne, transportable Bauform. Hintergrund war die zunehmende Mobilität der Kriegsführung: Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes konnten Truppen, Material und Versorgungsgüter innerhalb kurzer Zeit über große Entfernungen verlegt werden. Dafür benötigte man Gebäude, die industriell vorgefertigt, schnell errichtet und ebenso rasch wieder zerlegt oder an anderer Stelle aufgebaut werden konnten. Die standardisierten Bauteile ermöglichten eine kostengünstige und flexible Bauweise, die zunächst vor allem für Militär, Katastrophenschutz und andere temporäre Nutzungen gedacht war.

Grafenwöhr als frühes Beispiel

Wie früh sich diese Bauweise durchsetzte, zeigte Burger am Beispiel des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr. Dort entstand bereits zu Beginn des Ersten Weltkriegs das größte Kriegsgefangenenlager Bayerns. Zeitweise waren dort mehr als 20.000 Kriegs- und Zivilgefangene untergebracht. Das Lager bestand aus mehreren Bereichen mit Stall- und Holzbaracken sowie weiteren Arbeitslagern und verdeutlichte bereits damals die Vorteile standardisierter Unterkünfte für die Unterbringung großer Menschenmengen. Bereits hier wurde deutlich, welches Potenzial die Baracke als schnell errichtbare und flexibel nutzbare Bauform besaß.

Vom RAD zum System der Lager

Gerade diese Eigenschaften machten die Baracke später zur idealen Bauform für das Lagerwesen des Nationalsozialismus. Anhand zahlreicher historischer Pläne zeigte Burger, dass es sich keineswegs um wahllos errichtete Holzgebäude handelte. Vielmehr existierte ein ausgeklügeltes System unterschiedlicher Barackentypen, von Mannschafts- und Verwaltungsbaracken über Wirtschafts-, Küchen-, Wasch- und Krankenbaracken bis hin zu eigenen Sanitärgebäuden. Alle Gebäude waren genormt und konnten nach dem Baukastenprinzip zu vollständigen Lageranlagen zusammengesetzt werden.

Im Reichsarbeitsdienst erhielt diese Entwicklung ihren wohl konsequentesten Ausdruck. Die FOKORAD (Forschungsgesellschaft für Organisation und Rationalisierung des Reichsarbeitsdienstes) entwickelte standardisierte Typenblätter für den Barackenbau und schuf damit die Grundlage für eine einheitliche Lagerarchitektur. Die vergleichsweise gut ausgestatteten RAD-Lager verfügten über Speisesäle, Waschräume, Wirtschaftsgebäude, Verwaltungsbaracken und beheizbare Unterkünfte. Sie dienten jedoch nicht allein der Unterbringung, sondern waren Ausdruck einer bewusst inszenierten Lagerordnung. Die Lager sollten Disziplin, Gemeinschaft und die Ideologie des Regimes räumlich erfahrbar machen.

Von dort aus fanden die standardisierten Bauprinzipien ihren Weg in das gesamte Lagerwesen des NS-Staates. Die gleichen oder nur leicht abgewandelten Barackentypen wurden später in Kriegsgefangenen-, Zwangsarbeiter- und Konzentrationslagern eingesetzt. Während die baulichen Strukturen vielfach identisch waren, unterschieden sich die Lebensbedingungen jedoch erheblich. Im Gegensatz zu den vergleichsweise komfortablen RAD-Lagern betonte Burger die menschenunwürdigen Zustände in den Konzentrationslagern. Die Baracke wurde damit zu einem zentralen Baustein der nationalsozialistischen Herrschafts- und Lagerarchitektur.

Pflege Oberpfalz
Pflege Oberpfalz

Neuanfang nach 1945

Im weiteren Verlauf widmete sich der Referent der Nachkriegsgeschichte dieser Gebäude. Nach 1945 herrschte in Deutschland aufgrund der Kriegszerstörungen eine enorme Wohnungsnot. Gleichzeitig mussten Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten untergebracht werden. Ehemalige Lagerbaracken boten hierfür eine pragmatische Lösung und wurden vielerorts zu Wohnungen umfunktioniert. Am Beispiel Regensburg zeigte Burger eindrucksvoll, wie ganze Barackensiedlungen entstanden. Andere Gebäude erhielten völlig neue Funktionen: Sie dienten als Kirchen, Schulen, Werkstätten oder Handwerksbetriebe.

Eschenbacher Beispiele

Auch in Eschenbach lässt sich diese Entwicklung nachvollziehen. So wurde eine Baracke des ehemaligen RAD-Lagers nach Kriegsende als evangelische Notkirche genutzt. Der Vorläufer des heutigen Gymnasiums war zunächst ebenfalls in Baracken untergebracht. Ein weiteres Beispiel ist die Schreinerei einer aus den deutschen Ostgebieten vertriebenen Familie. Diese konnte eine größere Baracke aus der Umgebung von Auerbach erwerben und darin einen Schreinereibetrieb aufbauen.

Zwischen Denkmal und Alltagsgebäude

Zum Abschluss ging Burger auf die heutige Bedeutung dieser Gebäude ein. Historiker und Denkmalpfleger stünden zunehmend vor der Frage, ob Baracken als Zeugnisse der Geschichte erhalten werden sollten. Einerseits seien sie ursprünglich nur als provisorische Zweckbauten gedacht und ihre Erhaltung oft aufwendig. Andererseits dokumentierten sie wie kaum eine andere Bauform die Brüche des 20. Jahrhunderts. Besonders eindrücklich schilderte Burger die Ambivalenz im Umgang mit diesen Gebäuden: Ehemalige Baracken aus dem System der nationalsozialistischen Zwangsarbeit wurden nach dem Krieg teilweise zu Gartenhäusern, Werkstätten oder Lagerräumen umgebaut; ihre belastete Vergangenheit geriet dabei oftmals in Vergessenheit.

Mit einem augenzwinkernden Vergleich schlug der Historiker schließlich den Bogen in die Gegenwart. Der moderne Container und selbst das Tiny House seien gewissermaßen die Nachfahren der historischen Baracke. Auch sie beruhen auf standardisierten, transportablen und flexibel einsetzbaren Bauformen, allerdings heute überwiegend für zivile Zwecke. Die lebhafte Diskussion im Anschluss zeigte, wie groß das Interesse an diesem oft übersehenen Kapitel der Regional- und Zeitgeschichte ist.

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