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Manchmal ein kompliziertes Thema: Autorin Anna Gorelik zur Mutter-Kind-Beziehung

Weiden. Anna Gorelik, selbst Mutter von zwei Kindern, ging bei der Lesung im Rahmen der 38. Weidener Literaturtage auf die oftmals schwierige Beziehung zur eigenen Mutter ein. Dabei begeisterte sie mit einer bewegenden Lesung.

Manchmal ein kompliziertes Thema: Autorin Anna Gorelik zur Mutter-Kind-Beziehung

Anna Gorelik
Erneut ein Volltreffer bei den Weidener Literaturtagen: Anna Gorelik liest im ausverkauften Saal der Regionalbibliothek. Foto: Martin Stangl

Die Lesung mit Anna Gorelik am vierten Abend der Weidener Literaturtage 2026 war neben dem sprachlichen auch ein emotionaler Höhepunkt. Der Saal der Regionalbibliothek war vollständig ausverkauft. Rund 120 – meist weibliche – Besucher erlebten eine intensive Veranstaltung, die viele sichtlich berührte. 

Anna Gorelik überzeugt mit literarischer Tiefe

Die vielfach ausgezeichnete Autorin Lena Gorelik war viel beachteter Gast in Weiden. Die 1981 in Sankt Petersburg geborene Schriftstellerin lebt heute in München. Sie hat sich mit Romanen und Essays einen festen Platz in der deutschen Literaturszene erarbeitet. Zahlreiche hochkarätige Auszeichnungen durfte sie in den vergangenen Jahren bereits entgegennehmen.
Im Mittelpunkt des Abends stand ihr Buch „Alle meine Mütter – Eine feinfühlige Erkundung der vielleicht prägendsten Beziehung unseres Lebens“ (gebunden, 272 Seiten, Rowohlt Verlag, 24 EUR). Darin widmet sich Anna Gorelik einem Thema, das jeden Menschen betrifft. Denn die Beziehung zwischen Mutter und Kind prägt ein Leben lang.

Lesung und Gespräch offenbaren sehr persönliche Eindrücke 

Im Gespräch mit Buchhändlerin Maria Rupprecht zeigte sich Anna Gorelik offen und reflektiert. Sie erklärte: „Jeder Mensch in diesem Saal hat eine Mutter! Das verbindet uns alle mit dem Thema ‚Mutter-Kind-Beziehung'“. Deshalb sei dieses Thema universell und emotional zugleich.
Außerdem betonte Anna Gorelik, dass diese Prägung dauerhaft wirkt. Selbst wenn man sich bewusst entfernt, bleibt die Beziehung bestehen. Gerade deshalb ist sie oft besonders intensiv.
Mit einem Augenzwinkern berichtete die Mutter vom aktuellen Verhältnis zu ihren eigenen Kindern: „Meine Jungs sind momentan in einem Alter, in dem sie mich gut finden. Noch!“

Krankheit der eigenen Mutter Auslöser für das Buch

Der Ausgangspunkt des Buches war eine persönliche Erfahrung. Die Krebserkrankung ihrer eigenen Mutter brachte Anna Gorelik dazu, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Dabei erkannte sie, dass Kinder oft ausschließlich die Rolle der Mutter sehen. Der Mensch hinter dieser Rolle bleibt häufig verborgen. Genau hier setzt ihr Buch an. Es zeigt neue Perspektiven und eröffnet einen differenzierten Blick. „Im Rückblick kann ich sagen, dass dieser Wendepunkt meinem Leben viel Nachdenkliches bescherte,“ so die Autorin. Letztendlich entstand aus diesem Erlebnis ein Buch, das die Vielschichtigkeit der Mutter-Kind-Beziehung Ausdruck verleiht.

Anna Gorelik verbindet Realität und Fiktion

Für ihr Werk führte Anna Gorelik zahlreiche Interviews. Gleichzeitig schrieb sie fiktionale Passagen. So entstand ein vielschichtiger Roman, der verschiedene Lebensrealitäten abbildet.
Der Schreibprozess dauerte über fünf Jahre. Dennoch ließ sie das Thema nicht los. Schritt für Schritt entwickelte sich daraus ein intensives Gesamtwerk.

Szenen aus dem ganz normalen Leben

Während der Lesung trug Anna Gorelik ausgewählte Passagen vor. Dabei überzeugte sie mit großer Empathie. Besonders ein Kapitel über Mütter von Kindern mit Behinderung bewegte das Publikum stark.
Die Autorin erklärte, dass sie bewusst auch schwierige Themen sichtbar machen wollte. Dadurch gewinnt der Roman zusätzliche Tiefe und Authentizität.
Still und nachdenklich wurde es im Publikum auch, als die Schriftstellerin ihr Kapitel über Mütter vortrug, die ihr Kind verloren haben. Dieser ultimative Schicksalsschlag ist oftmals eine lebenslange Wunde, die möglicherweise nur Mütter nachvollziehen können.
Auch das kontroverse Thema „Schwangerschaftsabbruch“ wurde an diesem Abend nicht ausgespart. Werdende Mütter müssen über Leben und Tod entscheiden und sind oftmals allein und mit dieser Entscheidung vollkommen überfordert.

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Ein Roman mit literarischer Tradition

Anna Gorelik bewegt sich mit ihrem Werk in einer bedeutenden literarischen Tradition. Bereits Hermann Hesse („Demian“), Günter Grass („Die Blechtrommel“) und Bernhard Schlink („Der Vorleser“) haben sich mit der Mutter-Beziehung beschäftigt.
Allerdings setzt Anna Gorelik eigene Akzente. Sie verbindet persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Fragen. Dadurch entsteht ein moderner und zugleich zeitloser Zugang.

Publikum applaudiert beeindruckt

Am Ende zeigte sich das Publikum sehr beeindruckt. Der lange Applaus bestätigte den gelungenen Abend. Viele Besucher nutzten anschließend die Gelegenheit zum Austausch.

Weitere Informationen zu den Weidener Literaturtagen gibt es unter weidener-literaturtage.de. Zusätzlich berichtet oberpfalzecho.de regelmäßig über regionale Veranstaltungen.