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Gedenkführung erinnert in Pleystein an Großbrand vor 125 Jahren

Pleystein. Vor 125 Jahren verwandelte am 10. Juli 1901 ein verheerender Brand die Stadt in ein Flammenmeer: 71 Haupt- und 78 Nebengebäude brannten nieder, 102 Familien verloren ihr Zuhause. Eine Führung erinnert nun daran.

Pleystein. Vor 125 Jahren verwandelte am 10. Juli 1901 ein verheerender Brand die Stadt in ein Flammenmeer: 71 Haupt- und 78 Nebengebäude brannten nieder, 102 Familien verloren ihr Zuhause. Eine Führung erinnert nun daran.
Pleystein vor dem Brand. Foto: Josef Pilfusek

Gedenkführung erinnert in Pleystein an Großbrand vor 125 Jahren

10. Juli 1901: Pleystein ein Raub der Flammen. Die Brandkatastrophe vor 125 Jahren sorgte auch überregional für Schlagzeilen. „Die durch Feuer zerstörte Stadt Pleystein“ hieß es im „Neuen Münchener Tagblatt“ vom 16./17. Juli 1901.

Zeitzeugen und Chronik des Brandtages

Zeitzeugen gibt es natürlich nicht mehr. Der 10. Juli 1901 wird in der Geschichte der Stadt Pleystein aber dennoch auch den Nachfolgegenerationen in Erinnerung bleiben, vor allem durch die von Siegfried Poblotzki (1917-1997) erstellte umfangreiche Chronik „Geschichte der Herrschaft, der Stadt und der Pfarrei Pleystein“.

Um 11.20 Uhr brach in der Grabenmühle Nr. 21 (heute Stadtgraben Ost 5) Feuer aus. Ein starker Ostwind trieb die Flammen auf die Altstadt. Diese griffen von den Häusern auf das trockene Gebüsch und Gras am Kreuzberg über. Die an den Außenmauern der Kreuzbergkirche angebrachten Beichtstühle waren förmlich ein Fressen für die Flammen, sodass auch das Dach des Gotteshauses in Brand geriet.

Das Feuer wütet an der Ostseite des Kreuzbergs. Foto: Josef Pilfusek
So sieht der Marktplatz heute aus. Foto: Josef Pilfusek
Die Pfarrkirche am Tag nach dem Brand. Foto: Josef Pilfusek
Familien haben zum Teil alles verloren. Foto: Josef Pilfusek
Das Feuer wütet an der Ostseite des Kreuzbergs. Foto: Josef Pilfusek

Rettungen in letzter Minute

„Die Turmuhr blieb 12.55 Uhr stehen“, schreibt Poblotzki in der Chronik. „Dem Benefiziaten Keller gelang es, in letzter Minute das Allerheiligste zu retten.“ Pleystein mit dem brennenden Kreuzberg glich einer Riesenfackel. Und es dauerte nach dem Ausbruch nur eineinhalb Stunden, bis die Kirche auf dem Kreuzberg ausgebrannt war. Der Brand breitete sich in Riesenschnelle aus und erfasste auch die südliche Seite des Marktplatzes.

Als Benefiziat Keller und Stadtpfarrer Reiser aus der Kreuzbergkirche traten, mussten sie erschreckt feststellen, dass auch die Pfarrkirche in Flammen stand. So setzte Reiser zum Spurt an, und es gelang ihm gerade noch, auch hier das Allerheiligste zu retten. Unter schwierigen Umständen konnten Pfarrmatrikel und das gesamte Archiv aus dem brennenden Pfarrhof geholt und in Sicherheit gebracht werden.

Bilanz der Zerstörung und Folgen

Poblotzki als Urheber des 1989 erschienenen Buches „Kreuzbergkirche Pleystein“ zum 175-jährigen Bestehen des Wahrzeichens der Stadt schreibt darin, dass dem Brand 71 Hauptgebäude und 78 Nebengebäude zum Opfer fielen. Dabei wurde die Pfarrkirche bis auf die Umfassungsmauer vernichtet. In den Flammen ging nahezu die gesamte Einrichtung einschließlich der drei Altäre, der Kanzel und der Orgel zugrunde. 102 Familien hatten kein Zuhause mehr.

Witron Bewerbertag 18.07.
Witron Bewerbertag 18.07.

Die Obdachlosen wurden im Armenhaus und in der Friedhofskapelle untergebracht. Ein Teil verbrachte die Nacht auf freiem Felde. Da der Stallraum nicht ausreichte, wurde das Vieh auf die umliegenden Dörfer bis nach Reinhardsrieth verteilt.

Einsatz der Feuerwehren und dramatische Transporte

21 Feuerwehren kämpften ohne Pause gegen die Flammen, wobei die Feuerwehrleute viele persönliche Opfer brachten. Die Feuerwehr Neulosimthal, in der jetzigen Tschechischen Republik, brachte ihre Spritze im Mannschaftszug bis nach Hagenhaus. Von dort brachte sie Johann Herrmann mit zwei Pferden nach Pleystein.

Einen Stimmungsbericht gibt das Telegramm, das Bezirksamtmann Müller um 19.05 Uhr an das Bayerische Staatsministerium des Innern in München geschickt hat: „Heute Mittag, 12 Uhr, Brand in Pleystein ausgebrochen, welcher 71 Hauptgebäude und 78 Nebengebäude sowie Pfarrkirche, die Wallfahrtskirche und den Pfarrhof einäscherte. – Jammer und Elend unbeschreiblich. – Recht ergiebige Hilfe dringendst geboten. Befinde mich seit Ausbruch des Brandes am Brandplatze, habe alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen, sodass der Brand voraussichtlich keine weitere Ausdehnung nehmen wird. Ich weiche nicht vom Brandplatz, bevor nicht alles in Ordnung ist. Auf meine Veranlassung werden noch heute in Vohenstrauß, Waidhaus und Eslarn Lebensmittel und Futtervorräte gesammelt und hierher geschickt. Heute Abend, wenn alle Gefahr beseitigt, werde ich Hilfskomitee bilden und für Unterkunft und Verpflegung der Abgebrannten sorgen. – Ausführlichen Bericht kann ich noch nicht erstatten, da ich absolut unabkömmlich bin. Um Genehmigung einer Sammlung muss ich ebenfalls bitten, desgleichen um entsprechende Erhöhung des Zuschusses für die nahezu vollendete Wasserleitung.“ (Quelle: Staatsarchiv Amberg)

Große Anteilnahme und Spendenaufrufe

So groß das Leid war, die Anteilnahme war enorm groß. So lieferten etwa Bürger aus Vohenstrauß und Weiden große Mengen Lebensmittel und Kleider nach Pleystein. Aus Vohenstrauß kamen in den ersten Tagen 317 Laibe Brot, um die größte Not zu lindern.

Neben dem „Neuen Münchener Tagblatt“ berichtete unter anderem die „Kölner Volkszeitung“ und veröffentlichte einen Spendenaufruf. „Sogar in den USA sind Aufrufe für Spenden erfolgt“, erzählt Grete Reger vom Museumsarbeitskreis.

Sie hat sich wie Johann Walbrunn umgehört, ob es noch Nachfahren von Zeitzeugen gibt. „Wir haben leider niemand ausfindig gemacht“, bedauert der Altbürgermeister und Ehrenbürger. Er kann sich jedoch erinnern, dass sein Urgroßvater das Unglück erlebt hat. „Es sind aber keine Schilderungen von ihm da.“

Literarische Zeugnisse: Gedichte von Ferdinand Lehner

Mit Ferdinand Lehner (1868-1943) gibt es einen Pleysteiner, der den Brand in seinem 1931 verfassten Gedichtband niedergeschrieben hat. „Und das in Altdeutscher Schrift“, lässt Reger wissen. Also hat sie sich die Mühe gemacht, Lehners Werk zu „übersetzen“.

Unter anderem heißt es darin: „Ein Rufen! Ein Rennen! Alarm! Es brennt! Die Glocken all stürmten! Ein Schreck ohne End! Und ‚Feuer!‘ sie riefen! Schwarz qualmte Rauch! Die Grabenmühl` brannte! Heiß war es auch!“

Das Löschen beschreibt Lehner: „Kein Wasser! Die Leitung im Bau und die Straßen zum Legen der Rohre tief offengelassen! Leer waren die Brunnen, die alten! Vergebens der Wille zum Löschen! Gefahr nur des Lebens! Nur fliehen! Nur fliehen! Zum Tor hinausziehen mit allem, was man noch gerettet hier!“

Brandschutz heute: Einschätzungen der Experten

Mit heutigen Verhältnissen ist der Großbrand 1901 nicht zu vergleichen. „Ein solches Ausmaß wäre heute nicht mehr möglich“, sagt Kreisbrandrat Marco Saller. „Die Zeit hat sich natürlich geändert. Die Struktur des Feuerlöschwesens sowie dessen Rahmenbedingungen in Technik und Ausstattung wurden jahrzehntelang verbessert, dass sich solche Brandkatastrophen nicht wiederholen.“

Sallers Aussage kann Sven Riedel bestätigen. „Wir sind für derartige Katastrophen vorbereitet“, weist der Pleysteiner Kommandant hin. „Bei solchen extremen Brandereignissen werden neben unserer eigenen technischen Ausstattung und Personal auch die der umliegenden Feuerwehren zur Unterstützung angefordert. Da geht es Hand in Hand.“

Führung: Auf den Spuren des Feuers

„Auf den Spuren des Feuers“: Unter diesem Motto steht die Führung des Arbeitskreises Stadtmuseum Pleystein mit Johann Walbrunn am Freitag, 10. Juli. Beginn ist um 19 Uhr an der Grabenmühle im Stadtgraben Ost 5.

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