Schuxn, Schoitl, Schlosserboum – Ein kulinarisches Vermächtnis aus der Oberpfalz
Schuxn, Schoitl, Schlosserboum – Ein kulinarisches Vermächtnis aus der Oberpfalz
Es sind Namen, die klingen wie aus einer anderen Zeit: Schuxn, Schoitl, Schlosserboum. Hinter ihnen verbirgt sich jedoch kein Geheimcode, sondern ein Stück gelebte Oberpfälzer Alltagskultur – festgehalten im Kochbuch „Schuxn, Schoitl, Schlosserboum – Traditionelle Oberpfälzer Kcoh- und Backrezepte“ von Erika Eichenseer (92) und Martin Stangl (65).
Dieses 176 Seiten starke Buch im küchentauglichen Alltagsformat ist weit mehr als eine Sammlung von Rezepten. Es ist ein kulinarisches Gedächtnis, gespeist aus Erinnerungen, Erzählungen und überlieferten Handgriffen. Die Rezepte stammen aus Küchen, in denen nicht nach Grammangaben gekocht wurde, sondern nach Gefühl: „Da nimmst a wengl vo dem, vo dem und vo dem, und dann riahst as durch.“
Signierstunden am Samstag, 4. April 2026
Die Autoren laden nach dem Auftakt in Regensburg auch zu Signierstunden in Amberg und Weiden ein: Am Samstag, den 4. April 2026, in Amberg um 11 Uhr im Buchladen Thalia (Georgenstr. 2) und in Weiden um 14 Uhr ebenfalls im Buchladen Thalia im NOC (Macerataplatz 1).
Kochen wie früher – einfach, ehrlich, bodenständig
Die Gerichte eint ihre Schlichtheit. Vieles wird in heißem Fett goldgelb gebacken, oft in echtem Butterschmalz – aus gutem Grund: „Weil das den besten Geschmack hat“, wie Stangl sagt, der sich in der kurzen Entstehungszeit des Buches zwischen Dezember und Februar auf Schmalzgebäck spezialisiert hat. Ob „Bachene Scheam“, die messerdick ausgerollt ins Fett wandern und kurz vor Verzehr, zum Beispiel bei einer Signierstunde, noch mit Puderzucker bestäubt werden, oder andere Schmalzgebäcke: Die Küche der „Bauersleut’“ war pragmatisch, nahrhaft und ohne Schnörkel.
Auch der Umgang mit Lebensmitteln erzählt von einer anderen Zeit. Nichts wurde verschwendet: Aus alten Semmeln wurden Brösel, aus Brezen entstanden Breznsuppen oder Knödel. Diese Haltung ist kein Trend, sondern gelebte Notwendigkeit vergangener Generationen – geprägt von Menschen wie der Tante Maria von Martin Stanngl: Jahrgang 1907, mit zwei Weltkriegen in den Knochen, die „nicht mal einen Brotkrumen weggeworfen hätte“. Sie hatte in ihrem Garten alles von der Erdbeere bis zur Kartoffel – „ich werde die „seißn Himbeeren“, die sie für mich an meinem Namenstag immer gemacht hat, nie vergessen. Und dazu gab es Schlagsahne.“
Zwischen Brauchtum und Rezept
Das Besondere am Buch ist diese Verbindung von Kulinarik und Kultur. Neben den Rezepten finden sich immer wieder Geschichten. Zum Beispiel vom Heischebrauch in Nabburg, bei dem junge Männer vermummt um die Häuser zogen, und um auch nicht an der Stimme erkannt zu werden, eine Schrift vors Fenster hielten:
„Mia ham g’hört, ihr habts g’schlacht
und recht große Würsccht auch gmacht.
Wir bitten den Herrn und bitten die Frau:
Gebts uns was von euerer Sau!“
Diese Erinnerungen machen deutlich: Essen war nie nur Nahrungsaufnahme, sondern Teil des sozialen Lebens, eng verwoben mit Brauchtum und Jahreskreis. Genau darin liegt der Mehrwert des Buches – es dokumentiert nicht nur, wie gekocht wurde, sondern warum.
Gemeinschaftsarbeit über Generationen hinweg
Die Zusammenarbeit zwischen Stangl und Eichenseer ist selbst Ausdruck dieser Weitergabe von Wissen. Zwei Generationen bündeln hier ihre Erfahrungen: die eine mit tiefem Wissen über Brauchtum und Erzähltradition, der andere mit praktischem Zugang zur Küche und fotografischer Umsetzung, beide vereint durch die Liebe zum Brauchtum und zum gut gemachten Buch.
„Mich hat der wache Geist von Erika Eichenseer sehr beeindruckt. Sie beantwortet Mails auch noch nachts, hat zum Beispiel eine Rezept-Dublette zielsicher entdeckt, die wir sonst übersehen hätten, und ist kürzlich nach Kairo gereist zur Eröffnung eines Museums“, schildert Stangl die rege und über die Grenzen der Oberpfalz hinaus reichende Wissbegier und Schaffenskraft der 92-Jährigen, bekannt nicht nur durch Bücher, sondern auch aus dem Bayerischen Rundfunk.
Viele Rezepte stammen von „Gewährsleuten“, deren Namen im Buch festgehalten sind. Sie stehen für Authentizität – und für die vielen unsichtbaren Hände, die dieses Wissen über Jahrzehnte bewahrt haben.
Für wen ist das Buch?
„Schuxn, Schoitl, Schlosserboum“ richtet sich an alle, die gerne bodenständig kochen – mit Zutaten, die man zuhause hat oder leicht bekommt. Es ist kein Buch für Perfektionisten oder Ernährungstrends. Vegetarisch oder vegan? Spielt hier keine Rolle. Entscheidend ist der Geschmack und die Verwurzelung in der Region.
Gleichzeitig spricht es Leser an, die sich für regionale Identität interessieren. Denn „Schuxn, Schoitl, Schlosserboum“ baut auf den früheren Bänden „Oberpfälzer Kost – Aus Bauern-, Bürger- und Pfarrershäusern“ sowie „Oberpfälzer Weihnacht“ und „Oberpfälzer Ostern“ von Dr. Adolf Eichenseer und Erika Eichenseer auf. Wer diese klassischen Werke zur Oberpfälzer Küche kennt, oder zeitgemäß aufbereitet kennernlernen will, findet hier eine lebendige Ergänzung – persönlicher, erzählerischer und oft unmittelbarer.
Fazit
Dieses Buch ist eine Liebeserklärung an die Oberpfälzer Küche – und an die Menschen, die sie geprägt haben. Es zeigt, dass Tradition nichts Starres ist, sondern etwas, das weitergegeben, neu interpretiert und gelebt wird. Oder, wie es augenzwinkernd auf den zum Dank an Erika Eichenseer gestaltenen Kochschürzen heißt: „The Schupfn must go on.“








