Novum in der Fußball-Kreisliga: Gleich zwei Teams verzichten auf Aufstieg
Novum in der Fußball-Kreisliga: Gleich zwei Teams verzichten auf Aufstieg
Es war alles angerichtet für den absoluten Saisonhöhepunkt: Am 26. und letzten Spieltag der Fußball-Kreisliga trafen mit dem VfB Arzberg und dem SV Poppenreuth der Zweite und der Erste im direkten Duell aufeinander, um die Meisterschaft unter sich auszumachen. Poppenreuth lag da drei Punkte vor dem VfB, der mit einem Sieg hätte gleichziehen können.
Dramatisches „Endspiel“
Das Spiel hielt, was man sich davon versprochen hatte, war an Dramatik und Spannung nicht zu überbieten: Alle Tore fielen in den letzten Minuten, zwei davon sogar in der Nachspielzeit (82. 0:1, 93. 1:1, 96. 1:2). Am Ende setzten sich die Gäste trotz zweifacher Unterzahl (zwei Spieler hatten Gelb-Rot gesehen) mit 2:1 durch und wurden mit 59 Zählern verdienter Meister, der VfB Arzberg fiel auf den vierten Platz zurück, und wurde von Union Selb (2., 54 Punkte) und dem FC Tirschenreuth (3., 54) noch überholt. So weit, so schlecht. Denn sowohl Poppenreuth als auch Arzberg hatten im Vorfeld erklärt, auf den Aufstieg in die Bezirksliga zu verzichten. Der SVP, weil er „back to the roots“ (weg vom „bezahlten“ Fußball) geht, der VfB, weil die Mannschaft in der Entwicklung noch nicht so weit sei, wie es von Vereinsseite hieß.

SV Poppenreuth zieht sich aus der Kreisliga zurück und beschreitet neue Wege
Poppenreuth. Jahrelang spielte der SV Poppenreuth im Fußballkreis Hof-Marktredwitz eine führende Rolle, kickte eine Spielzeit sogar in der Landesliga Nord und zuletzt zehn Jahre in der Bezirksliga. Jetzt geht der aktuelle Kreisligist freiwillig mehr als einen Schritt zurück.
Viele Vereine haben Personalprobleme
So nachvollziehbar die Entscheidung beider Vereine sein mag, so sportlich fragwürdig sind die Folgen. Denn wenn weder der Erste noch der Zweite (so der Stand vor dem letzten Spieltag) aufsteigen wollen, stellt sich die Frage nach dem sportlichen Sinn einer Meisterrunde. Für den Aufstiegsverzicht gibt es immer gute Gründe. Der finanzielle Aspekt dürfte der am häufigsten zutreffende sein. So ist es ein offenes Geheimnis, dass selbst in den unteren Fußballklassen oft Geld fließt, um Spieler zu verpflichten, beziehungsweise zu bezahlen. Diesen Weg wollte das neue Vorstandsgremium des SV Poppenreuth nicht mehr mitgehen und zog seine erste Mannschaft aus der Kreisliga zurück. Der Kreisliga-Meister und eigentliche Bezirksligaaufsteiger spielt also in der neuen Spielzeit 2026/27 nur noch in der Kreisklasse.
Ein anderes, nicht minder großes Problem ist der Spielermangel vielerorts. Viele Klubs, darunter auch einst große Traditionsvereine, sind von der Fußball-Landkarte komplett verschwunden (SV Waldsassen, FK 09 Selb) oder spielen nur noch eine Nebenrolle in unteren Klassen (Wacker Marktredwitz). So mussten in jüngerer Zeit einige Vereine gezwungenermaßen Spielgemeinschaften (Friedenfels-Fuchsmühl, Griesbach-Großkonreuth-Mähring, ASV Waldsassen-Neualbenreuth) gründen, um überhaupt noch Fußball spielen zu können. Dieser Trend scheint noch lange nicht abgeschlossen zu sein.
Erneut Waldershof – FC Tirschenreuth
Wie geht es nun weiter in der Kreisliga 2 Hof-Tirschenreuth-Wunsiedel? Aufsteiger ist Union Selb, das sich durch einen 5:2-Sieg beim Absteiger SV Pechbrunn als Tabellenzweiter direkt für die Bezirksliga qualifiziert hat. Der Dritte FC Tirschenreuth bestreitet die Relegation, in der man in der ersten Runde auf den Bezirksliga-Vierzehnten TSV Waldershof trifft. Pikant: Im vergangenen Jahr ermittelten bei nach Saisonschluss punktgleichen Teams den Meister in der Kreisliga 2. Waldershof setzte sich damals vor 1300 Zuschauern klar mit 4:1 durch, der FC Tirschenreuth scheiterte später in der Relegation am Aufstieg. Wie so oft ist der Relegationsmodus auch heuer wieder recht kompliziert. Bereits jetzt ist klar, dass der Sieger dieses Spiels noch zwei weitere Male gewinnen muss, um sich für die höhere Klasse zu qualifizieren. Außer, der Bezirksliga-Zweite Mistelgau steigt über die Relegation in die Landesliga auf, dann reichen zwei Siege…
Wie gesagt, es ist kompliziert …




