Evangelische Bläserinnen und Bläser bringen Hoffnung, Trost und Unterstützung
Evangelische Bläserinnen und Bläser bringen Hoffnung, Trost und Unterstützung
22 Bläserinnen und Bläser aus ganz Bayern – darunter auch wieder fünf Frauen und Männer des evangelischen Posaunenchors Wirbenz-Kemnath-Immenreuth, eine Musikerin aus Floß, einer aus Mantel, einer aus Weiden und einer aus Sulzbach-Rosenberg – hatten sich am Ostermontag auf den weiten Weg gemacht. Geistig begleitet vom Ehepaar Rita und Hans Scholz waren sie in Uschgorod und Mukacevo mit ihren „Hoffnungsklängen“ unterwegs.
Trost, Hilfsgüter und Spende
Eines unterschied die Reise aber dieses Mal von den vorherigen: Die Gäste aus Bayern hatten nicht nur Musik und Trost mitgebracht, sondern auch Hilfsgüter (Lebensmittel, Rollatoren, Krücken, Rollstühle, Hygieneartikel) und eine Geldspende. So übergab man 4500 Euro als Anschubfinanzierung für ein 13.000 Euro teures Spielplatzprojekt. Dank sagten die Bläser hier allen Spendern, besonders dem Lions Club Weiden, der allein 1.500 Euro für den Spielplatz der Romagemeinde gespendet hat.
Andrea Stigler aus Neuhof a.d. Zenn war erstmals dabei und hat folgenden Beitrag verfasst:
Aufbruch und Hoffnung
„Es ist mehr als eine Reise. Es ist ein Aufbruch. Wir tragen Instrumente bei uns – doch das Eigentliche, was wir mitnehmen, ist unsichtbar: Hoffnung. Zerbrechlich vielleicht, leise vielleicht – und doch kraftvoll genug, um sie zu teilen. Unter dem Motto „Hoffnungsklänge – Sounds of Hope“ machen wir uns auf den Weg in die Ukraine. Was uns dort erwartet, können wir nur erahnen. Und doch gehen wir – im Vertrauen darauf, dass Musik Wege öffnen kann, wo Worte längst versagen. Schon an der Grenze zur Ukraine wird die Spannung spürbar, die diese Reise mit sich bringt. Unsicherheit liegt in der Luft, vermischt mit leiser Vorfreude. Wird unser Transporter mit den Hilfsgütern passieren dürfen? Minuten ziehen sich, werden zu gefühlten Ewigkeiten. Dann endlich das erlösende Zeichen: Wir
dürfen weiterfahren. Ein Moment des Aufatmens – wie ein erster, unscheinbarer Akkord unserer gemeinsamen Reise.
Auch die letzte gemeinsame Probe bekommt eine neue, ungeahnte Tiefe. Jeder Ton trägt mehr Gewicht. Gemeinsam mit Gerhard suchen wir nicht einfach die richtigen Töne – wir suchen die schönsten. Unter Michaels Leitung wächst aus einzelnen Stimmen ein Klang, der mehr ist als Musik. Es ist, als würden wir uns nicht nur musikalisch vorbereiten, sondern unsere Herzen ausrichten – auf Begegnungen, die uns verändern werden.
„Musik erreicht Orte, die Worte nicht erreichen können“
Und dann begegnen wir Menschen. Im Altenheim empfängt uns eine Stille, die mehr ist als Ruhe. Sie ist durchzogen von Einsamkeit, von Erinnerungen, von Verlust. Doch mitten in dieser Schwere geschieht etwas: ein zögerndes Lächeln, das wärmer wird. Augen beginnen zu leuchten. Füße wippen im Takt. In solchen Momenten wird spürbar, was Musik vermag – sie erreicht Orte, die Worte nicht erreichen können.
Bei Veteranen und Geflüchteten stoßen wir an Grenzen. Nicht nur sprachlich, sondern auch innerlich. Das Erlebte dieser Menschen übersteigt oft jedes Vorstellungsvermögen. Es zeigt sich in ihren Blicken, in kleinen Gesten, in der Art, wie sie zuhören. Wir geben, was wir können: Hilfsgüter, Zeit, Musik. Und manchmal entsteht daraus etwas Zartes, kaum Greifbares – ein Funke Hoffnung. Vielleicht nur für einen Augenblick. Aber manchmal genügt genau das.
„Armut, sichtbar in vielen Details“
Die Begegnung mit der Romagemeinde geht uns besonders nahe. Armut zeigt sich hier unverstellt, sichtbar in vielen Details. Und doch begegnet uns eine Lebensfreude, die sich nicht unterdrücken lässt. Kinder tanzen, lachen, spielen – als gäbe es keine Grenzen. Selbst die Bahnschienen, die sich durch ihren Alltag ziehen, scheinen ihre Freude nicht aufzuhalten.
Zwischen all den intensiven Eindrücken brauchen wir auch Momente des Innehaltens. Eine alte Burg, kühl und massiv, erzählt von vergangenen Zeiten. Der dunkle Folterkeller lässt uns erschauern. Im Kriegsmuseum wird Geschichte bedrückend greifbar. Und dann öffnet sich der Blick in die Weite – ein Kontrast, der unter die Haut geht. Durch unseren Guide wird die Geschichte der Burg und des anhaltenden Krieges erlebbar.
Nicht alles verläuft nach Plan. In Mukachevo zwingt mich eine Knieverletzung zum Pausieren. Während die anderen die Stadt erkunden, sitze ich mit Annette und Gerhard in einem Café. Ein ruhiger Moment – vielleicht gerade deshalb wertvoll. Zeit, um das Erlebte in Ruhe nachklingen zu lassen. Im „Deutschen Haus“ in Mukachevo erleben wir eine andere Form der Verbundenheit. Gemeinsam beten wir das Vaterunser – auf Deutsch. Stimmen
verbinden sich, Grenzen treten in den Hintergrund. Für einen Moment zählt nur das Gemeinsame: Glaube, Hoffnung, Menschsein.
Immer wieder Lichtblicke
Diese Reise fordert uns – körperlich und emotional. Es gibt auch Momente, in denen wir Grenzen akzeptieren müssen. Für mich bleibt das „House of Living God“ unerlebt. Die Müdigkeit fordert ihren Tribut. Und das ist in Ordnung. Der Besuch im Gefängnis hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Die Mauern wirken schwer, fast erdrückend. Es ist ein Ort voller Fragen. Als wir ihn wieder verlassen, atmen wir bewusster – vielleicht auch dankbarer. Und mit großem Respekt vor den Menschen, die hier arbeiten.
Doch es gibt immer wieder Lichtblicke. Begegnungen voller Wärme. Gespräche, die Brücken bauen. Menschen wie Father Vladislav, der uns einlädt, Schicksale erzählt und Fortschritte des vergangenen Jahres teilt. Im Gottesdienst der Adventisten geschieht etwas Besonderes: Ein dreijähriges Mädchen beginnt zu singen. Ihre Stimme ist klar, unbeschwert und voller Leben. Für einen Augenblick scheint die Welt stillzustehen. Gleichzeitig erleben wir, wie
diese Gemeinde täglich geflüchtete Menschen versorgt – mit Essen, Zeit und echter Zuwendung. Nächstenliebe wird hier nicht erklärt, sondern gelebt.
Musik erfüllt den Raum
Ein Standkonzert mitten in der Stadt bringt unsere Musik dorthin, wo Menschen sind. Einige bleiben stehen, hören zu, verweilen einen Augenblick. Musik findet ihren Weg – direkt und ungefiltert. Im Caritas-Heim begegnen wir einer stillen, würdevollen Atmosphäre. Menschen mit mentalen Einschränkungen gestalten Kerzen – jede einzelne ein kleines Kunstwerk. Nebenan ein kleines Café, in dem Inklusion gelebt wird. Hier wird sichtbar: Jeder Mensch trägt etwas Wertvolles in sich.
Dann die Kathedrale. Groß, erhaben, überwältigend. Unsere Musik erfüllt den Raum, steigt auf, verbindet. Am Ende Applaus – nicht nur für das, was hörbar ist, sondern für das, was mitschwingt. Die gelebte Gemeinschaft mit Xenia und ihren zarten 15 Jahren. Im Vergleich zu Peter mit seinen stolzen 83 Jahren. Und ich – trotz Verletzung ein Teil dieser einzigartigen Gruppe. Ein Moment, der bleibt. Ein weiteres Geschenk ist die Pessach-Feier mit messianischen Juden. Gemeinschaft, Freude, Leben. Bei „Hava Nagila“ wird getanzt, gelacht, gesungen. Für einen Augenblick scheint alles leicht – beinahe schwerelos. Ein gelungener Abschluss unserer Reise.
„Ein Gefühl, das nachklingt“
Auch die Heimreise bringt noch einmal Spannung. Werden wir problemlos zurückkehren können? Als die Antwort kommt, ist die Erleichterung groß: Ja, wir dürfen. Durch all das begleiten uns die Worte von Pfarrer Scholz. Gedanken, die tragen, ordnen und Halt geben, wenn Eindrücke zu groß werden. Und dann ist da Miroslav. Übersetzer – und doch so viel mehr. Er verbindet Sprachen, Kulturen und Menschen mit einer Hingabe, die berührt. Mit jedem Tag wächst der Wunsch, dass dieser Krieg endet – damit auch er wieder einfach
nur Vater, Ehemann und Mensch sein kann.
Am Ende bleibt etwas, das sich schwer in Worte fassen lässt. Keine einfache Erinnerung, sondern ein Gefühl, das nachklingt. „Hoffnungsklänge“ war nie nur ein Motto.
Es war Wirklichkeit.
In jedem Blick.
In jeder Begegnung.
In jedem einzelnen Ton.“










