Gerlinde Werner: Erste Frau an der Spitze des Amtsgerichts Weiden

Gerlinde Werner: Erste Frau an der Spitze des Amtsgerichts Weiden
Mit dabei waren ihre drei erwachsenen Kinder Lilli, Ellen und Julius. Ehemann Peter Werner, Richter am Landgericht Weiden war erkrankt. Gerlinde Werner an der Spitze des Amtsgerichts – „Zeit is wor’n“, meinte Landgerichtspräsident Josef Weidensteiner. Auch historisch schließe sich ein Kreis: Die 1892 in Weiden geborene Maria Otto wurde 1922 die erste Rechtsanwältin Deutschlands. Ihr blieb als Frau der Zugang zu Justiz und Verwaltung verwehrt.
Diese Zeiten sind vorbei. Auch wenn Gerlinde Werner zugab, eigentlich ohne Karriereambitionen gewesen zu sein. Bis Ende 2020 habe sie das für äußerst unwahrscheinlich gehalten. Der damalige OLG-Vizepräsident Dr. Walter Bayerlein startete zwei Anläufe, die Kollegin aus Weiden für einen Senatsvorsitz abzuwerben. Gerlinde Werner: „Ich war leidenschaftlich gern Familienrichterin am Amtsgericht.“
Schließlich folgte sie dem Ruf nach Nürnberg trotzdem und genoss das letztlich auch: „Mein Büro lag am berühmten roten Teppich, über den ich täglich möglichst würdevoll geschritten bin.“ Sie habe im 9. Senat des OLG Nürnberg – dem Senat für Familiensachen – Freunde gefunden und auch diese Arbeit gern getan. Letztlich musste sie auch zum letzten Karrieresprung – dem Direktorenposten am Amtsgericht Weiden – überredet werden. Landgerichtspräsident Weidensteiner und der letzte Leitende Oberstaatsanwalt Bernhard Voit versprachen einen roten Teppich auch vor dem Weidener Büro (der bis heute nicht liegt).
Amtsgericht: personell am Limit
Die Rede der neuen Chefin wurde im Schwurgerichtssaal von den Mitarbeitern mit viel Applaus aufgenommen. Gerlinde Werner ist seit Mai wieder in Weiden, sie ist zurückgekehrt in den Kreis guter Bekannter aus alten Zeiten und neuer Kollegen. In ihrer Begrüßungsrede wolle sie nicht klagen, wies aber schon darauf hin, dass das Amtsgericht tagtäglich mit der personellen Situation und Komplikationen der digitalen Technik kämpfe. Trotz dieser Schwierigkeiten arbeite hier ein sehr motiviertes Team.
Sie bestätigte damit die Herausforderungen, wie sie auch ihr Vorgänger Rainer Lehner nach 40 Dienstjahren zusammenfasste: Das Amtsgericht erlebe eine „Evolution der Arbeit, eine erhebliche Expansion der Aufgaben und eine Erosion des Vertrauens und des Respekts“ der Gesellschaft.
Rechtsstaat unter Druck
Erstens bedeute die E-Akte bei aller Euphorie eine Beschleunigung, aber auch Verdichtung der Arbeit. Zweitens nehmen die Aufgaben immer mehr zu. Die Fallzahlen steigen, die Verfahren werden komplexer, das Amtsgericht ist neuerdings bis zu 10.000 Euro Streitwert zuständig (bisher 5.000). Belastend ist, dass Weiden das Schwerpunktgericht für Abschiebehaft im OLG-Bezirk sei. Zumindest hier ist zum 1. August eine halbe Richterstelle Verstärkung eingetroffen, wenn auch nur vorübergehend.
Und drittens stehe der Rechtsstaat grundlegend unter Druck. Lehner sprach von irrationalen, querulatorischen Angriffen. „Ich fürchte, dass auf die Justiz schwere Zeiten zukommen.“ Er forderte auf, aufmerksam und sensibel die Grundprinzipien der Verfassung zu verteidigen. Namentlich dankte Lehner seinen Geschäftsleitern Andreas Greiner (jetzt am Landgericht Geschäftsleiter) und dessen Nachfolgerin Marion Treptow, die ihm auch in schwierigen Phasen zur Seite gestanden hätten.
Zwei Eigengewächse der Weidener Justiz
Beate Ehrt, Präsidentin des Oberlandesgerichts, beschrieb Lehner mit den Worten „kompetent, verlässlich, menschlich“. Sie dankte ihm für seine Lebensleistung: Lehner trat 1990 in die Justiz ein, bewährte sich bei Amtsgericht, Landgericht und Staatsanwaltschaft, ehe er 2018 zum Amtsgerichtsdirektor ernannt wurde. Hier hielt er als große Herausforderung während der Corona-Pandemie den Justizbetrieb aufrecht.
Die OLG-Präsidentin führte die neue Amtsgerichtsdirektorin in ihr Amt ein: „Ich freue mich für die Kollegen in Weiden.“ Das Amtsgericht gewinne mit Gerlinde Werner eine herausragende und engagierte Führungspersönlichkeit. 1994 trat die Oberpfälzerin ihren Dienst bei der Staatsanwaltschaft Weiden an, wechselte dann ans Amtsgericht. Ab 2009 spezialisierte sie sich auf Familienrecht. Sie stehe für Empathiefähigkeit und Entscheidungsstärke. 2021 folgte der Wechsel an das Oberlandesgericht, wo sie sich schnell einen ausgezeichneten Ruf erworben haben. „Sie ist eine außerordentlich geschätzte Kollegin: fachlich und als Mensch.“
Ehemalige Behördenleiter zu Gast
Das Blechbläserensemble der Zollkapelle Nürnberg unter der Leitung von Armin Scharnagl umrahmte die Feier, unter anderem mit der Europa-Hymne „Freude schöner Götterfunken“. Von Seiten der Politik waren Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger, Oberbürgermeister Benjamin Zeitler und stellvertretende Landrätin Andrea Lang zur Justiz gekommen.
Unter den Gästen: der ehemalige Landgerichtspräsident Gerhard Heindl, der frühere Amtsgerichtsdirektor Roman Gollinger sowie stellvertretender Amtsgerichtsdirektor Hubert Windisch, Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier von der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg und Thomas Dickert, ehemaliger OLG-Präsident.










