Lobkowitz Realschule gedenkt der Opfer der Pogromnacht 1938
Lobkowitz Realschule gedenkt der Opfer der Pogromnacht 1938
In der Schule informierten sich die Schüler über die schrecklichen Ereignisse:
Erinnern – Gedenken – Nie mehr
Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 war eine Nacht des Grauens. Die Nationalsozialisten verübten an jüdischen Menschen Gräueltaten. Auch bei uns: Juden wurden gedemütigt, verletzt, verhaftet oder sogar getötet. Jüdische Häuser und Geschäfte wurden verwüstet, Gotteshäuser brannten lichterloh in ganz Deutschland – und die Feuerwehr sah zu und schützte nur die Nachbarhäuser. In dieser Nacht vor 85 Jahren wurde für alle Welt sichtbar, dass die Judenhetze in Deutschland einen schrecklichen Höhepunkt erreicht hatte.
Opfer der Reichskristallnacht
- 91 Juden wurden ermordet
- viele Tausende misshandelt, verhalftet und in Konzentrationslager verschleppt
- 191 Synagogen wurden niedergebrannt und 76 zerstört
Unschuldige Menschen wurden mitten in der Nacht völlig ahnungslos aus den Betten gerissen und in ihren Nachthemden durch die kalte Novembernacht getrieben – so auch der Weidener Jude Hermann Hausmann (13). „Dea Manni hot vielleicht Angst g’habt“, so berichtet später sein Lehrer. Das Schicksal des Jungen endet schließlich im Konzentrationslager, wie jenes von sechs Millionen anderer Juden.
Im Gedenken an die Opfer
Erst brannten Bücher, dann Synagogen und schließlich sogar Menschen in und aus ganz Europa. Nie wieder darf sich dieser Wahnsinn wiederholen.
Die Lobkowitz Realschule ist eine Schule ohne Rassismus – eine Schule mit Courage. Sie heißt alle Menschen herzlich willkommen, egal mit welcher Hautfarbe, Herkunft oder Religionszugehörigkeit. Deshalb bemüht sie sich um eine aktive Friedens- und Werteerziehung im Sinne der Demokratie. Dafür erinnert sie immer wieder an Grund- und Menschenrechte, die für alle Menschen in unserem Land gelten. Auch geht sie mit der Geschichte, läuft aber nicht vor ihr davon, sondern stellt sich mutig der Verantwortung auch heute, 85 Jahre danach.
Wer eine Zukunft aufbauen will, muss die Vergangenheit kennen.
Otto Frank, 1967
Wehret den Anfängen! Bis heute ist der 9. November ein Tag, um sich daran zu erinnern, dass wir alle wachsam sein müssen. Ausgrenzung, Antisemitismus, Intoleranz, Hass und Gewalt dürfen keine Chance haben. Nie wieder darf sich solches Unrecht wiederholen.
Aktion an der Lobkowitz-Realschule
Bereits im Sommer reservierten die beiden Religionslehrkräfte Heidi Riedel (evangelisch) und Uta Lorenz (katholisch) für die Neuntklässler einen Besichtigungstermin in der Synagoge in Floß. Aus aktuellem Anlass schlossen sich weitere Personen an:
Weitere Beteiligte
- die drei Schülersprecher Jonas Schnabel, Samira Porsch und Elias Dobner
- alle Klassensprecher und Klassensprecherinnen
- die Wertebotschafterin Simeyna Öcal
- die Schulleiterin Irene Sebald
Der Archivpfleger des Marktes Floß, Siegfried Schuller lieferte außergewöhnliche und interessante Informationen zur bewegten jüdischen Vergangenheit in Floß. Diese begann bereits 1684: so gibt es beispielsweise seit 1817 dort eine Synagoge. Dabei wurde auch erinnert, dass der frühere katholische Pfarrer, der Geistliche Rat Jakob Raß, am Morgen des 10. November auf den Judenberg ging und die Zerstörer der Synagoge aufforderte, mit diesem Unrecht aufzuhören, was schließlich auch geschah.
Aktion für Frieden
Die hochinteressante Führung mündete in einer Friedensaktion mit Fürbitten und dem Friedensgebet „Mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens“, vorgetragen durch alle Beteiligten, Schüler der Klasse 10d, und die Schulleitung. Dazu legten die Jugendlichen Rosen als Symbol der Erinnerung sowie des Respekts vor ihren „älteren Geschwistern im Glauben“, die damals vor 85 Jahren so Schreckliches erleiden mussten, nieder und entzündeten eine Mahnkerze.
Mit den Worten „Die Lobkowitz Realschule gedenkt der Opfer der Reichspogromnacht“ wurde abschließend eine Schweigeminute eingeleitet. Sichtlich bewegt von der Gedenkfeier, kehrten die Schüler als Multiplikatoren in ihre Klassen zurück, um weiterzutragen, dass solch ein Wahnsinn nie wieder geschehen darf.




