Mehr als nur ein Hausmeister: Justiz verabschiedet Jürgen Zellner in den Ruhestand

Mehr als nur ein Hausmeister: Justiz verabschiedet Jürgen Zellner in den Ruhestand
Jürgen Zellner geht die „Ahnengalerie“ im dritten Stock des Justizgebäudes entlang. Hier hängen die Porträts der Landgerichtspräsidenten seit dem Zweiten Weltkrieg. „Sieben habe ich erlebt“, sagt der 66-Jährige. 36 Jahre lang war Zellner Hausmeister der Weidener Justiz.
Das Haus kennt er sogar schon länger: seit Inbetriebnahme 1966 (Grundsteinlegung war 1962). Damals zog die Justiz aus dem „Waldsassener Kasten“ (heute Keramikmuseum/Regionalbibliothek) in den Neubau in der Ledererstraße. Zellner lief schon als kleiner Bub in den drei Stockwerken herum, angelegt um einen Lichthof mit Brunnen. Grund: Sein bester Freund war der Sohn des Hausmeisters.
In Nachbarschaft aufgewachsen
Jürgen Zellner wuchs in unmittelbarer Nachbarschaft als Sohn eines Bahnmitarbeiters auf. Wo jetzt die Kinderklinik ist, stand ein Wohnblock für „Bahnerer“ und ihre Familien. „Ich bin aus dem Viertel nie herausgekommen“, scherzt der 66-Jährige. Er lernte Spengler und Installateur bei Haustechnik Müller in der Sebastianstraße. Nach 15 Jahren wechselte er zur Justiz und bezog die Dienstwohnung.
Seither ist der Kubus von 64 mal 47 Metern Seitenlänge mal 17 Metern Höhe sein berufliches „Zuhause“. Der Wohnort ist inzwischen Georgenberg. Zellner kennt jeden Winkel des Justizgebäudes, betreut zudem das Bewährungshelferhaus und bis zur Schließung auch das Amtsgericht Vohenstrauß. „Für mich ist Jürgen Zellner Gold wert“, sagt Geschäftsleiter Andreas Greiner.
Seit 2023 umfassende Sanierung
Für den Erhalt des Gebäudes arbeitet Greiner mit dem Staatlichen Bauamt Amberg zusammen. Der Rechtspflegeoberrat nahm den Hausmeister mit zu den Baubesprechungen. Sein Detailwissen habe bei der Suche nach praktischen Lösungen enorm geholfen.
Die Justiz ist in den 60 Jahren ihres Bestehens zigmal umgebaut und renoviert worden: Asbestsanierung, energetische Sanierung, Heizungsaustausch, technische Aufrüstung für Internet und Computer. Seit 2023 läuft eine umfassende Sanierung für 3,5 Millionen Euro: Innenhof, Kanal, Parkplatz, Photovoltaik, LED-Lampen. Sämtliche Sitzungssäle wurden erneuert und für die Nutzung der E-Akte vorbereitet. Alles blitzt und blinkt. Die Gänge sind frisch gestrichen.
Die Berge sind das zweite Zuhause
„Unsere Grundeinstellung ist die gleiche“, sagt der Geschäftsleiter. „Es muss sauber sein. Das Außenbild schwingt doch mit, gerade bei der Justiz.“ Greiner wird den 66-Jährigen vermissen, auch wenn mit Wachtmeister Christian Ermer der Wunschkandidat zum Nachfolger wird.
Zellner wird den Ruhestand nutzen, um mit Ehefrau Anita weiterhin die Alpen zu erobern, im Winter auf Skiern, im Sommer in der Wanderstiefeln. Südtirol ist wie ein zweites Zuhause. Gemeinsam hat das Ehepaar die Alpen überquert, ist oft tagelang von Hütte zu Hütte gewandert. Er wird nicht immer Empfang haben, aber das Angebot steht: „Wenn was ist: Ruft’s mich an!“



