Monsignore Hettler feiert goldenes Priesterjubiläum in Eslarn

Monsignore Hettler feiert goldenes Priesterjubiläum in Eslarn
Trotz Ruhestand und hohen Alters ist es für Monsignore Gerhard Hettler seit Jahren selbstverständlich, von Passau nach Eslarn zum Gedenkgottesdienst der Heimatvertriebenen anzureisen. Am Sonntagvormittag war es wieder so weit, und der inzwischen im Ruhestand befindliche Pfarrer zelebrierte an der Waldkapelle am Eslarner Goldberg in Gegenwart vieler Gläubiger aus nah und fern wie schon in Jahren zuvor eine Eucharistiefeier. Bei der Messfeier wies der Geistliche auf sein 50. Priesterjubiläum und seine langjährige Wirkungsstätte in der Pfarrkirche „St. Georg“ in Passau-Hals hin. Seit nunmehr fünf Jahrzehnten steht sein Leben im Zeichen des Evangeliums, der Seelsorge und der Nähe zu den Menschen.
Verbundenheit mit Eslarn und der Heimat
Geboren wurde Gerhard Hettler vor 78 Jahren in Weiden. Seine familiären Wurzeln reichen jedoch in das einst deutsch besiedelte Dorf Eisendorf im böhmischen Grenzgebiet, dem heutigen tschechischen Zelezna. Diese Herkunft hat ihn geprägt. Immer wieder spricht er mit großer Verbundenheit von seiner Heimatgeschichte. Bei einer Heimat- und Versöhnungsmesse an der Eslarner Goldbergkapelle sagte er einmal: „Ich bin zwar in Weiden geboren, aber auch ich habe Wurzeln nahe Eslarn in Eisendorf.“ Mit einem Schmunzeln erzählt er, dass sich auf der Heimfahrt von der Oberpfalz nach Passau an der Landkreisgrenze sein Dialekt ganz von selbst ins Niederbayerische verwandle.
Erinnerungen an Krieg und Vertreibung
Seine Kindheit war noch von den Folgen des Zweiten Weltkriegs überschattet. In seinen Predigten erinnerte Monsignore Hettler immer wieder an die Schicksale der Menschen seiner Heimat. Besonders eindrucksvoll schilderte er nach Aussagen seines Onkels Wenzl Schmidt die Sprengung der Pfarrkirche von Eisendorf am Karfreitag 1954, genau um 15 Uhr. Dieses Ereignis blieb vielen Heimatvertriebenen unvergessen. Sein Onkel, der unmittelbar an der Grenze im Ortsteil Tillyschanz wohnte, war ein außergewöhnlicher Klarinettenspieler. „Er konnte zwar keine Noten lesen, verfügte aber über ein außergewöhnliches Gehör und konnte Melodien auch von Verdi auswendig nachspielen.“ Solche Erinnerungen schlagen eine Brücke zwischen persönlicher Familiengeschichte und der Kultur einer verlorenen Heimat.
Immer wieder mahnt Monsignore Hettler in seinen Ansprachen zum Frieden. Nicht die Menschen als Ganzes seien es, die Unheil über die Welt brächten, sondern einzelne machthungrige Persönlichkeiten, deren Gier und Herrschsucht Kriege und Leid verursachen. Mit Blick auf die Schrecken des 20. Jahrhunderts und die Konflikte der Gegenwart erinnert er daran, wie wenig die Menschheit oft aus ihrer Geschichte gelernt hat. Sein Aufruf zu Versöhnung, Frieden und gegenseitigem Respekt zieht sich wie ein roter Faden durch sein priesterliches Wirken.
Priesterlicher Werdegang und Wirken in Passau-Hals
Nach dem Studium der Philosophie und Theologie empfing Gerhard Hettler im Jahr 1976 im Hohen Dom St. Stephan in Passau durch Bischof Antonius Hofmann die Priesterweihe. Nach den ersten Kaplansjahren übernahm er verschiedene seelsorgliche Aufgaben im Bistum Passau, ehe er zum Pfarrer der Pfarrei St. Georg in Passau-Hals ernannt wurde. Nach seiner Priesterweihe begann Hettler seinen seelsorglichen Dienst als Kaplan. Zu seinen ersten Aufgaben gehörte auch die Tätigkeit als Kaplan und Schulseelsorger am damaligen Mädchengymnasium in Passau-Freudenhain. Dort begleitete er junge Menschen auf ihrem Glaubensweg und sammelte wertvolle Erfahrungen in der Jugendseelsorge.
Diese Nähe zu den Menschen prägte seinen weiteren priesterlichen Weg ebenso wie seine spätere jahrzehntelange Tätigkeit als Pfarrer von St. Georg in Passau-Hals. Über Jahrzehnte prägte er dort das kirchliche und gesellschaftliche Leben. Generationen von Gläubigen spendete er die Sakramente, begleitete Familien in Freude und Trauer und wurde für viele Menschen zum vertrauten Seelsorger. Nicht wenige bezeichneten ihn als einen „Glücksfall für Hals“.
Ehrungen und Engagement in Hals
Sein Engagement reichte weit über die Pfarrgemeinde hinaus. Seit 1981 gehört er als förderndes Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Hals an und unterstützte die Wehr über Jahrzehnte als treuer Begleiter, Gönner und Seelsorger. Für diese außergewöhnlichen Verdienste wurden ihm die Feuerwehr-Ehrenmedaille sowie das Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber des Bezirksfeuerwehrverbandes Niederbayern verliehen. Auch das öffentliche Leben würdigte seinen Einsatz. Im Mai 2025 erhielt Monsignore Hettler die Fritz-Gerstl-Medaille für seine großen Verdienste um den Passauer Stadtteil Hals und sein jahrzehntelanges Wirken für das Gemeinwohl.
Engagement im Ruhestand und Pflege der Heimatgeschichte
2018 wurde er von Bischof Dr. Stefan Oster SDB in den Ruhestand verabschiedet. Der Bischof betonte damals, wie wertvoll die Ruhestandsgeistlichen für das Bistum weiterhin seien, und dankte ihnen für ihre Bereitschaft, auch im Ruhestand Verantwortung zu übernehmen und die Seelsorge zu unterstützen. Ruhestand bedeutete auch für Monsignore Hettler keineswegs Rückzug. Bis heute engagiert er sich in der Familiarengemeinschaft des Deutschen Ordens, begleitet Gottesdienste und Andachten, führt Pilgergruppen als geistlicher Begleiter ins Heilige Land und steht den Menschen weiterhin als Seelsorger zur Seite. Ein besonderes Anliegen blieb ihm stets die Pflege der Erinnerung an die Heimat seiner Vorfahren. Seit vielen Jahren feiert er an der Goldbergkapelle bei Eslarn die Heimat- und Versöhnungsmesse für die Vertriebenen aus Eisendorf und dem böhmischen Grenzland. Dabei verbindet er Geschichte, Glaube und Versöhnung auf eindrucksvolle Weise und erinnert daran, dass Frieden und Heimat niemals selbstverständlich sind.
Dank und Wünsche zum Goldenen Jubiläum
Das Goldene Priesterjubiläum ist deshalb weit mehr als ein persönliches Jubiläum. Es ist ein Fest des Dankes für 50 Jahre treuen Dienstes an Gott und den Menschen. Zahlreiche Gläubige, Weggefährten und Freunde werden mit Monsignore Hettler feiern und ihm für seinen unermüdlichen Einsatz danken. Möge Gott ihm weiterhin Gesundheit, Freude und Kraft schenken, damit sein priesterliches Wirken auch in den kommenden Jahren vielen Menschen Hoffnung, Zuversicht und Glauben vermittelt.
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