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Benjamin Zeitler im Echo-Interview (2): Klinikum, Berater, Prävention

Weiden. Das Klinikum ist Pflicht, Identität und Kostenblock. OB-Kandidat Benjamin Zeitler argumentiert: Die Region habe schon Strukturreformen geschluckt – und müsse jetzt vor allem Konstanz in die Führung bringen.

Benjamin Zeitler im Echo-Interview (2): Klinikum, Berater, Prävention

Weidens CSU-Fraktionschef Benjamin Zeitler beim Echo-Redaktionsgespräch. Foto: Martin Zimmer

Externe Beratung? Eher skeptisch. Prävention und ein „Medical Care Valley“? Möglich – wenn jemand die Fäden zusammenhält. Ein schwieriger Themenblock am Podium war das Klinikum – einer der größten Kostenpunkte von Stadt und Landkreisen.

Vieles wird von oben „vorgegeben“: Krankenhausreform des Bundes , Planung des Landes, unzureichende Finanzierung. Wo siehst du trotzdem Ansatzpunkte, wo die Kommune wirklich Einfluss hat?

Zeitler: Erst mal müssen wir froh sein, dass wir 2006 den Schritt zur Kliniken Nordoberpfalz AG gemacht haben – da sind wir vielen voraus. Viele Fusionen in Bayern passieren gerade unter Schmerzen. Wir waren früh dran. Wir haben Hausaufgaben gemacht, Häuser geschlossen, Strukturen reformiert. Das Gesundheitswesen ist zu teuer und hat zu viele Betten – das gilt eher für Städte; am Land versorgen wir Fläche.

Die Unterfinanzierung ist dadurch ein Stück weit ungerecht.

Benjamin Zeitler

Die letzte Strukturreform war nicht vergnügungssteuerpflichtig – großes Lob an Roland Grillmeier, wie er die Verlagerung der Geriatrie nach Tirschenreuth vermittelt hat: Notfallversorgung sichern, Schwerpunktversorgung erhalten. Wir gehen den Weg konsequent weiter: Effizienz, Struktur, Synergien. Wenn vom Bund Tarifsteigerungen Millionen an Personalkosten bedeuten, ohne Ausgleich, kann man das nicht kurzfristig wegsparen. Deshalb: Struktur verbessern, und ich hoffe mit dem neuen Vorstand auf neue Akzente – gemeinsam mit den Landkreisen diesen Weg weitergehen.

Du hast externe Berater kritisiert, Konzepte in Schubladen. Kannst du Beispiele nennen – wo hat Beratung wenig gebracht, wo wurde sie nie umgesetzt?

Zeitler: Es gibt das Problem, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht klar sind. Dadurch ist es schwer, sich richtig zu bewegen, weil der Gesetzgeber nicht in die Pötte kommt – unabhängig von der jeweiligen Regierung. Wir hatten Gutachten, wo sich selbst der Vorstand gefragt hat: Ist das der richtige Weg? Danach musste man mit Mühe, das wieder kitten. Ich bin viel im Austausch mit Ärzten, Chefärzten, Pflege, Verwaltung – da kommen immer wieder Berater mit neuen Ideen. Das bringt Wirbel, kostet Zeit, Ergebnis oft nicht zufriedenstellend.

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Was es zwingend braucht: Konstanz in der Führung.

Benjamin Zeitler

Wir hatten viele Wechsel – im Personalbereich, an der Führungsspitze, bei medizinischen Direktoren. Früher war Konstanz ein Grund, sich zu verlassen. Wir brauchen ein starkes Führungsteam, das miteinander wächst – nicht Leute, die ein halbes Jahr Karriere machen und wieder weg sind. Und wir müssen Menschen, die im Haus arbeiten, mit Erfahrung, Ressourcen, stärker einbinden. Mischung aus neuem Vorstand und interner Kompetenz.

Feierlicher Einmarsch in den Gustav von Schlör Saal. Dr. Benjamin Zeitler und Innenminister Joachim Herrmann. Foto. D. Nachtigall

Wir sprechen hier über Reparaturen im System. Aber langfristig treiben Demografie und Lebensstil die Kosten. Prävention wäre ein Hebel. Wir haben mit Professor Schmidkonz an der OTH eine Art Präventionstrainingslager. Wäre das nicht etwas für eine Modellregion?

Zeitler: Absolut. Prävention ist eine Chance. Wir haben kein Kenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Bewegung, Essen, Vorsorge. Wir haben auf unserer CSU-Liste bewusst medizinische Expertise: AOK-Direktor Jürgen Spickenreuther, Chefärzte, Oberärzte, niedergelassene Ärzte. Da ist viel Kompetenz, um mitzudenken.

In der Prävention haben wir mit Prof. Schmidkonz Expertise – wir müssen viel mehr vernetzen.

Benjamin Zeitler

Da braucht es eine Schnittstelle; das kann die Stadt sein. Ein Ökosystem-Manager, der Experten zusammenbringt. Das kann Prävention sein, Logistik, Labortechnik, bis hin zu einem Medical Care Valley wie in Erlangen oder Forchheim. Möglichkeiten gibt es genug – man muss sie nutzen.

Ministerpräsident Markus Söder mit Familie Hausner und Stefanie Sperrer. Foto: Christine Ascherl

Vielleicht motivieren wir dann auch Markus Söder, dass er sich mit seiner Leberkäs-Semmel ab und zu aufs Radl setzt?

Zeitler: Zur Ehrenrettung: Söder ist begeisterter Radfahrer und Schwimmer. Vorbildwirkung spielt eine Rolle. Wir laufen dreimal die Woche um 6.15 Uhr. Nicht ideologisch: nicht „ihr müsst“, sondern „ihr könnt“. Es hilft.

Weidens CSU-Fraktionschef Benjamin Zeitler beim Echo-Redaktionsgespräch. Foto: Martin Zimmer

Analyse (Teil 2): Klinikum-Logik und Sollbruchstellen

  • Seine Kernbotschaft: „Kommunale Trägerschaft schützt“ – plus: Strukturreformen sind gemacht, jetzt braucht es Führungskonstanz und interne Kompetenz.
  • Beraterkritik als Identitätssignal: Er positioniert sich gegen „Gutachten-Pingpong“ und für „Hausverstand“ im Klinikum – liefert aber (bis hier) keine harten Controlling-Hebel, sondern primär Kultur- und Führungsargumente.
  • Spannungspunkt: „Wir warten nicht auf Bund/Land“ vs. „Rahmenbedingungen sind unklar“. Das ist noch erklärungsbedürftig: Welche Maßnahmen sind tatsächlich in kommunaler Hand?
  • Prävention als Chancen-Narrativ: Er erweitert das Thema Klinikum Richtung „Ökosystem“ (OTH, Medical Valley). Das ist strategisch – aber braucht später im Interview klare Projektpfade (wer, wann, Geldquelle, Erfolgskriterium).