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Bürgermeister Uli Münchmeier: Ich bin Vohenstraußer mit Leib und Seele

Vohenstrauß. Für den 46-Jährigen war schon immer klar: Keine zehn Pferde werden ihn jemals aus seiner Heimatstadt wegbringen. Jetzt hat er dort auch noch seinen Traumjob bekommen. Seit 4. Mai sitzt der CSU-Mann im Rathaus-Chefsessel. Und: er will etwas bewegen.

Bürgermeister Uli Münchmeier: Ich bin Vohenstraußer mit Leib und Seele

Ist seit gut vier Monaten im Amt: der Vohenstraußer Bürgermeister Uli Münchmeier. Foto: Theo Kurtz

Er ist kontiniuerlich die kommunalpolitische Erfolgsleiter hinaufgeklettert. 18 Jahre lang saß Uli Münchmeier (CSU) im Vohenstraußer Stadtrat. Zwei Perioden lang war er ehrenamtlicher 2. Bürgermeister. Seit 4. Mai diesen Jahres sitzt der 46-Jährige als Nachfolger von Andreas Wutzlhofer im Chefsessel. Mit knapp 73 Prozent der Wählerstimmen hatte er auf Anhieb den Einzug ins Rathaus geschafft. Seitdem sind rund vier Monate ins Land gezogen. Guter Zeitpunkt für das OberpfalzECHO, um an seine Amtszimmertür zu klopfen.

Herr Münchmeier, wie waren die ersten Monate als Rathauschef?

Münchmeier: Die waren schon teilweise recht herausfordernd. Termin reihte sich an Termin. Ich kann mich noch gut an die Kulturnacht am 22. Mai erinnern. Ich habe fast drei Stunden gebraucht, um von der Bühne bis zu meiner Frau zu kommen, die auf mich gewartet hatte. Klar, viele wollten mit mir plaudern, mich einfach kennenlernen, oder wollten mir noch mal gratulieren. Aber ich habe ja gewusst, was auf mich zukommt. Ich bin auch ganz toll von unserer Verwaltung aufgenommen worden. Die hat mir zum Amtsantritt eine Schultüte und ein T-Shirt überreicht. Ich bin dankbar, solche Mitarbeitende zu haben, die mich nach Leibeskräften unterstützen.

Rückendeckung von der Familie

Apropos Familie. Wie haben Ihre Frau und Ihre drei Töchter auf ihre Kandidatur reagiert?

Münchmeier: Ich habe volle Rückendeckung bekommen. Ganz ehrlich, ohne das Okay meiner Familie wäre ich nicht angetreten. Da zähle ich auch meine Eltern und Schwiegereltern dazu, die mich und meine Frau, die Grundschullehrerein in Bechtsrieth ist, bei der Kinderbetreuung unterstützen. Außerdem haben wir einen großen Freundeskreis, der uns bei den Freizeitaktivitäten unserer Kids unter die Arme greift. Aber ich versuche so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie zu verbringen. Dazu gehört das gemeinsame Mittagessen. Das wäre in meinem alten Job, ich war Assistent der Geschäftsführung bei der Weidener Firma Mutzbauer, gar nicht möglich gewesen.

Münchmeier hat das T-Shirt zum Amtsantritt von den Mitarbeitenden geschenkt bekommen. Foto: Theo Kurtz

Bürgermeister – für Sie ein Traumjob?

Witron Zoiglbrotzeit
Witron Zoiglbrotzeit

Münchmeier: Ja, weil ich die Möglichkeit habe, etwas in meiner Heimstadt zu gestalten. Und ich will etwas bewegen. Auch wenn es mir natürlich schwergefallen ist, meine alte Arbeitsstelle aufzugeben. Da flossen beim Abschied schon die Tränen. Schließlich war ich 24 Jahre dort. Ich bin zudem Vohenstraußer mit Leib und Seele. Für mich stand immer schon fest: Ich will hier nicht weg.

Ihr Amtsvorgänger Andreas Wutzlhofer war 18 Jahre Bürgermeister. Ist es schwer in seine Fußstapfen zu steigen?

Münchmeier: Ich versuche meine eigenen „Spuren“ zu setzen. Das fängt bei der Personalführung an. So habe ich den 65 Beschäftigten der Stadt und des Bauhofs das „Du“ angeboten. Ich möchte außerdem mit jedem Mitarbeitenden ein vertrauliches Personalgespräch unter vier Augen führen – zum besseren Kennenlernen und um zu erfahren, was gut läuft oder wo wir noch was verbessern können. Mir ist Bürgernähe wichtig, deshalb steht die Bürotüre (fast) immer offen.

Ich  habe einen Ortstermin eingeführt, der eine Stunde vor jeder Stadtratssitzung stattfindet. So kann sich jedes Mitglied auf den gleichen Informationsstand bringen lassen. Die Teilnahme ist natürlich freiwillig, aber die Resonanz, das kann man schon sagen, ist super. Wir verstehen uns alle im Stadtrat, wir arbeiten konstruktiv zusammen. Alle Fraktionen ziehen an einem Strang, zum Wohle der Kommune und ihrer Bürgerinnen und Bürger. Das weiß ich wirklich zu schätzen.

Instagram und VohenstraußApp

Und dann versuche ich, unsere Bürger umfassend über meine Arbeit aber auch des Kommunalparlaments zu informieren. Abends, nach der Arbeit, poste ich noch Beiträge auf meinem Instagramkanal. Es gibt außerdem eine eigene VohenstraußApp, wo alle Neuigkeiten etwa aus den Vereinen, veröffentlicht werden. Die wird sehr gut angenommen.

Zwei Wochen Familienurlaub in Kroatien liegen hinter Ihnen. Andere würden zur Entspannung einen Roman oder einen Krimi lesen. Uli Münchmeier hatte das Buch „Energiewende in Kommunen“ als Lesestoff eingepackt.

Münchmeier (lacht): Ohne was zu tun, geht halt nicht bei mir. Aber es war eine wirklich spannende Lektüre. Es werden darin hochinteressante Ideen, Projekte und konkrete Umsetzungsschritte anschaulich beschrieben. Ich bin davon überzeugt, dass wir zukünftig vor Ort eine möglichst große Wertschöpfung erreichen müssen. Vorausgesetzt, man wirft uns keine Knüppel zwischen die Beine.

Sie sprechen vermutlich den geplanten Windpark an. Auf dem Vohenstraußer Gemeindegebiet sollen fünf Anlagen gebaut werden. Gegen zwei hat der Denkmalschutz sein Veto eingelegt, weil sie das landschaftsprägende Denkmal „Altstadt Pleystein“ beeinträchtigen würden.

Münchmeier: Ich und der Stadtrat können das nicht nachvollziehen. Wir haben einen Appell an die Bayerische Staatsregierung gerichtet und auch die Landtagsabgeordneten angeschrieben, mit der Bitte sich für eine stärkere Berücksichtigung kommunaler Interessen einzusetzen. Wir als Stadt wollen die Stromversorgung auf eigene Beine stellen und nicht länger abhängig von Energiekonzernen sein, die uns die Preise diktieren.

Wir planen ein eigenes Umspannwerk und überlegen einen Batteriespeicher zu errichten. Unsere ortsansässigen Firmen würden den Strom sofort abnehmen. Das wäre außerdem ein klarer Standortvorteil für uns. Und zudem würde jedes Jahr ein sechsstelliger Euro-Betrag zusätzlich ins Stadtsäckel fließen. Sollte sich der Denkmalschutz aber durchsetzen, müssten wir schlimmstenfalls die Pläne über den Haufen werfen.

Familienerlebnistag am 13. September

Was steht alles auf Ihrer Agenda?

Münchmeier: Ich will die Attraktivität und die Aufenthaltsqualität der Vohenstraußer Innenstadt weiter verbessern. Dazu sollen von Bahnhof bis rauf zur Burg Spielgeräte aufgestellt werden. Ich habe das in Hof gesehen. Wir hatten unsere drei Töchter dabei. Und die waren begeistert. Gemeinsam mit dem mittelständischen Wirtschaftskreis wollen wir auch die bisherigen Marktsonntage mit Aktionen und einem Bühnenprogramm beleben. Am 13. September findet zum Beispiel der Familienerlebnistag auf dem Marktplatz statt. 

Wir müssen unser neues Gewerbegebiet vermarkten, in das die Kommune bereits vier Millionen Euro gesteckt hat. Die ersten Interessenten gibt es schon. Und dann wollen wir ein zusätzliches Wohnbaugebiet erschließen. Die Nachfrage ist groß. Es gibt sogar schon eine Warteliste. Wir werden wieder versuchen, einen Preis zwischen 85 und 100 Euro pro Quadratmeter inklusive der Erschließung zu verwirklichen.

Wir müssen außerdem einen neuen, viergruppigen Kindergarten errichten und unsere Grundschule barrierefrei umgestalten. Für die Ganztagesbetreuung und die Mensa brauchen wir einen Anbau. Ferner muss noch der bestehende Kinderhort saniert, beziehungsweise erweitert werden. Da kommen in den kommenden drei Jahren Investitionen zwischen zehn und zwölf Millionen Euro auf uns zu.

Gibt es etwas, weswegen sich der Bürgermeister Uli Münchmeier Sorgen macht?

Münchmeier: Ich mache mir Gedanken, ob die finanzielle Ausstattung der Kommunen reichen wird, um ihren Pflichtaufgaben nachkommen zu können. Teilweise sind die Auflagen und bürokratischen Hürden schon so hoch, dass man auf Förderungen verzichten muss. Wir werden daher, denke ich, zukünftig mehr priorisieren müssen. Die Stadt versucht ohnehin in Eigenregie einige dieser Aufgaben zu bewerkstelligen. So kommt etwa beim Straßenunterhalt unser Bauhof verstärkt zum Einsatz.