Dr. Bernhardt
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Bürgerversammlung in Kirchenthumbach mit diskussionsfreudigem Publikum

Kirchenthumbach. Die Bürger kamen in Scharen und füllten am Dienstagabend den großen Saal des SC-Sportheimes bis auf den letzten Platz.

Bürgerversammlung in Kirchenthumbach mit diskussionsfreudigem Publikum

Zu viele Parksünder in der Innenstadt Kirchenthumbachs, hieß es in der Bürgerversammlung. Foto: Robert Dotzauer
In Abwesenheit des erkrankten Bürgermeisters leiteten Ewald Plößner (links) und Alexander Schatz (rechts) die Versammlung. Foto: Robert Dotzauer
Garanten für eine lebendige Bürgerversammlung: Ein diskussionsfreudiges Publikum – 120 Besucher waren ein Rekord. Foto: Robert Dotzauer

Keiner lebt für sich allein – diese Erkenntnis prägte auch die Bürgerversammlung in Kirchenthumbach. Eine Gemeinde muss leben, wenn ihre Bürger leben wollen. Das Gebot der Stunde hieß deshalb nicht in Lethargie oder gar in Verzweiflung zu versinken.

Ziel war es in diesen Stunden für das Duo Ewald Plößner und Alexander Schatz, eine lebendige Arbeitsgemeinschaft mit den Bürgern und dem Rathaus zu schaffen. Sie vertraten den erkrankten Bürgermeister, Jürgen Kürzinger. Das Anliegen des zweiten und dritten Bürgermeisters fand im offen geführten Gespräch viel Anklang. Vielleicht stärkte es sogar das Vertrauensverhältnis zwischen Kommunalpolitik und Bürgerschaft.

Ausblick aufs neue Jahr

Zu Beginn gab es einen kurzen Rückblick auf die Geschehnisse in der Marktgemeinde und die Entscheidungen des Marktgemeinderates. Dann hieß es für das Duo in verständlicher Form den Blick auf schwerwiegende Zukunftsprojekte zu richten. „Wer das Geschehen in der Gemeinde verfolgt, weiß, dass eine Reihe bedeutsamer Projekte anstehen, die gemeistert werden müssen“, gab Ewald Plößner schon einmal die Richtung für den dicken Informations-Katalog zur kommunalen Politik vor.

Hören und prüfen, was getan werden muss, hieße es deshalb. Die Rathauschefs zeichneten ein Bild des Fortschritts. Gleichzeitig erinnerten sie an die bestmögliche Lösung riesiger Verpflichtungen. Dennoch waren die Nachrichten zunächst positiv.

Die Erschließung des Baugebietes „Sandbrunnen V“ stehe vor der Ausschreibung. Auch für das Gewerbegebiet Weiherwiesen gebe es reges Interesse. Weiter investiere die Kommune Millionen von Euro im Bereich der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung.

Ferner erscheine den beiden die Kita-Betreuung mit der ergänzenden Containerlösung und einer Defizithaftung gegenüber der Bildungseinrichtung unter der Leitung der Katholischen Kirchenstiftung gut gelöst. „Wir schufen in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten ein bestmögliches Betreuungsangebot ohne jede Belegungsnot“, erklärten sie.

OTH Amberg-Weiden
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Kita und OGS – neue Schule in der Warteschleife

„Mehr Kinder, mehr Plätze. Es wird eng“, so die Bewertung von Ewald Plößner zum Thema Schule. Schlussfolgerung sei für den Marktgemeinderat deshalb das vorrangige Bemühen um ein Betreuungsangebot im Rahmen einer offenen Ganzgtagsschule (OGS) gewesen. Dieses sei ab 2026 zu schaffen und dann auch gesetzlich verpflichtend.

Die Planung von vier Gruppenräumen und einer Mensa auf grüner Wiese gegenüber dem Schulgebäude sei auf einem guten Weg. Dennoch verhehlte der zweite Bürgermeister nicht, dass es immer noch offene Fragen zu einem möglichen Schulhausneubau gibt. Doch aktuell gelte aus einer zeitlichen Zwangslage heraus der rasche Neubau einer OGS.

Dann warf Alexander Schatz unter anderem einen Blick auf die fast abgeschlossenen Dorferneuerungsmaßnahmen in Sassenreuth. Weiter nahm es sich die vor dem Baubeginn stehenden Maßnahmen in Neuzirkendorf und auf weitere Kleinprojekte vor.

Anschließend beleuchtete der zweite Rathauschef die kluge raumplanerische Lenkung der Gemeinde bei Privatinitiativen für Photovoltaik-Freiflächenanlagen (PV). Insgesamt seien mit der unterstützenden Bauleitplanung des Marktes fünf PV-Großprojekte auf den Weg gebracht worden. Als Ziel nannte der Ewald Plößner eine energieautarke Kommune. Beim Blick auf notwendige Zukunftsprojekte hieß es „dranbleiben“. Dazu gehörten beispielsweise der Grunderwerb für weiteres Bauland, die Daueraufgabe weiterer Sanierungsschritte im Bereich der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie der Teilneubau der Kläranlage.

Zudem informierte er über Fortschritte bei der Planung der Ortsumgehung. Voraussichtlich ab dem 15. Januar 2024 komme es zum Auslegungsverfahren für eine neue Planfeststellung. Das neue Konzept „schaue vernünftig aus“, obgleich es ein paar Kröten zu schlucken gebe.

In der Planung sei zum Beispiel eine Direktverbindung nach Fronlohe wegen der problematischen Geländebeschaffenheit nicht mehr. Mit Hinweisen zur Aufgabenvielfalt und den Leistungen des Bauhofes endete die Berichterstattung. Dazu appellierte er an die Räum- und Streupflicht der Grundstückseigentümer.

Einerseits Kritik …

Das Wort hatte nun die Bürgerschaft. Die Wünsche, Anregungen und Beschwerden aus den Reihen der zirka 120 Besucher waren vielfältig. Als erstes kritisierte Rosi Schuller den Ankauf des „maroden“ Kirchengebäudes. Die Blechmühlerin sieht mit dem Erwerb auf die Gemeinde dauerhaft unvorhersehbare Kosten zukommen. „Man hätte auch das Boderhaus mitten im Zentrum kaufen können“, so ihr Vorschlag.

Darauf verwies Ewald Plößner im Gegensatz dazu auf den günstigen Preis. Leider bestehe für das ehemalige Kirchengrundstück noch keine Verwendungsidee. Jedoch sei für die zentrale Lage des Areals der Kaufpreis von 80.000 Euro interessant und angemessen gewesen.

Anschließend kritisierte Werner Schmidt die seit Jahren bestehenden Schäden in der Fahrbahn der Heidestraße. „Da wird nicht einmal hingeschaut“, meinte er. Zudem vermisste der engagierte Bürger eine Aufklärungsversammlung vor dem Versenden der Verbesserungs-Beitrags-Bescheide. Der Hauptamtsleiter, Matthias Kroher, lud deshalb zur Aufklärung und zu Einzelgesprächen ins Rathaus ein.

Viel Beifall bekam Sandra Friedl mit ihrer Forderung, ein Auge auf den desolaten Zustand der Schultoiletten zu werfen. Abschließend meldete sich Rosi Schuller erneut mit Hinweisen zur Parkplatznot auf dem Marktplatz zu Wort. Ein Thema, das viele bewegte, wie Ewald Plößner zugab. „Doch die Größe des Marktplatzes ist endlich“, bemerkte er.

… und andererseits Einbringungen der Bürger

Stärker für das Gewerbegebiet Weiherwiesen werben, lautete der Vorschlag von Josef Kellner. Eine gute Idee, die allerdings am Widerstand des Staatlichen Bauamtes scheitere, wie der Geschäftsleiter, Matthias Kroher, bedauerte.

Ein weiterer Vorschlag aus den Reihen der Versammlung: Die OGS im Elisabethenheim unterbringen. Eine Idee, die Ewald Plößner verwarf. „Lange Umbaudauer, höhere Kosten und durch die Kleinräumigkeit ungeeignet“, begründete er sein Urteil.

Immer wieder ein heißes Thema: Der Schulhausneubau. Der Bürgerentscheid sei für die Katz gewesen, hieß es. Passiert sei nichts. Ein Projekt, das auch die Gemeindeführung bewege: „Wir mussten mit der OGS eine neue Priorität schaffen“, stellte Ewald Plößner klar. Mit den neuen Räumlichkeiten der OGS schaffe man zudem im alten Schulgebäude mehr Platz.

Dennoch stehe der Schulhausneubau weiter im Focus, versicherte Plößner. Zu beachten sei allerdings die demografische Entwicklung. Diese werde in den Schulverbänden zu Neuausrichtungen und zu neuen Klassenbildungen führen, mutmaßte der Versammlungsleiter.

Weitere Themen

  • Straßenbeleuchtung in Metzenhof
  • vom Rathaus eingeschränkten Räum- und Streudienste für untergeordnete Straßen und Wege
  • Anliegerpflichten beim Räumen und Streuen
  • Forderung auf Verzicht von Hundebeuteln und mit einem
  • Katalog an weiteren Erinnerungen

So nahm das zirka einstündige „Bürgergespräch“ ein temperamentvolles, aber friedliches Ende. Ein gutes Zeichen für ein friedvolles Weihnachten auch in Kirchenthumbach.