Bürgerwindpark Parkstein: Jetzt geht es ums Ganze

Bürgerwindpark Parkstein: Jetzt geht es ums Ganze
Voller Bürgersaal in Parkstein. Die Stühle reichen nicht. Die Bürgerenergie-Genossenschaft informiert am Mittwochabend über den Bürgerentscheid. Am Ende steht ein flammender Appell von Bürgermeister Reinhard Sollfrank und zweiten Bürgermeister Josef Langgärtner, zugleich Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft: Stimmen Sie am 20. September mit Nein, wenn Sie Ja zum Windpark sagen.
Die drei Windräder stehen vor der Finanzierungsphase, Baubeginn soll 2027 sein. Zwei sind genehmigt, eines in Kürze. Die Verträge mit Hersteller Enercon sind geschlossen. Die Bayernwerke haben die Einspeisung zugesagt. Die drei Windräder könnten den kompletten Markt Parkstein mit Strom versorgen – und Witron gleich noch dazu. Die Wertschöpfung bliebe in der Gemeinde, die ihren eigenen Strompreis machen könnte. Genannt werden eine erwartete Rendite von 3,5 Prozent und 8,2 Cent Preis für die Kilowattstunde.
Infokasten: Darüber wird abgestimmt
Die Frage am 20. September lautet: Soll der Markt Parkstein keine weiteren finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Bürgerenergie eingehen und seine Mitgliedschaft und Beteiligung – soweit rechtlich möglich – beenden?
JA: Kein weiteres Geld, Ausstieg aus der Bürgerenergie.
NEIN: Die Gemeinde bleibt beteiligt. Weitere Investitionen sind damit noch nicht beschlossen.
Sprecher der „Bürgerinitiative Windparkfreie Heimat Parkstein“ ist Markus Scheidler-Diertl, als Mitinitiatoren werden Altbürgermeister Hans Schäfer und Stefan Wittmann genannt. Die BI sammelte die nötigen Unterschriften für das Bürgerbegehren (10 Prozent der Wahlberechtigten). Am 20. September kommt es deshalb zum Bürgerentscheid.
Windräder: Frage ist nicht „ob“, sondern „wer“
Die Frage ist ohnehin nicht: Windräder – ja oder nein? Parkstein liegt im Windvorranggebiet NEW 66. Der Freistaat erzwingt über den neuen Regionalplan Oberpfalz den Windradbau. „Es geht nicht darum, ob die Windräder gebaut werden. Es geht darum, ob wir etwas davon haben“, sagt der Bürgermeister. Gegenbeispiel Kirchendemenreuth/Püllersreuth. Hier sind zehn bis zwölf Windräder beantragt – von Galileo Empower, einem internationeln Konzern mit Stammsitz in Großbritannien (Energy projects in the Upper Palatinate).
In Parkstein – wie auch in Tännesberg – wollte man einen anderen Weg gehen: Die Windparks sollten in genossenschaftlicher und kommunaler Hand bleiben. In Tännesberg stehen seit einigen Wochen die Türme für drei Anlagen. Der Widerstand: gering. Bürgermeister Ludwig Gürtler (viele Jahre Kämmerer) hat die Gemeinde hinter sich. In Parkstein dagegen steht man überraschend vor einem zweiten Bürgerentscheid.
2021 gaben Parksteiner Bürger grünes Licht
2021 haben die Parksteiner schon einmal abgestimmt und sich für den Windpark entschieden. Jetzt ist die Frage – bewusst oder nicht – wesentlich komplizierter formuliert. Die „Bürgerinitiative Windparkfreie Heimat Parkstein“ will zwei Dinge: Die Marktgemeinde soll kein weiteres Geld in die Bürgerenergie stecken. Und sie soll ihre bestehenden Anteile kündigen (siehe Infokasten).
Für die Befürworter hätte das weitreichende Folgen. „Die BI will alles zunichte machen: die Bürgerenergiegenossenschaft, die Windräder, auch die Solarparks“, warnt Bürgermeister Reinhard Sollfrank. Die bestehenden Solarparks müssten nach Darstellung der BEP verkauft werden. Der Appell lautet deshalb, etwas paradox: Stimmen Sie mit Nein, wenn Sie für Ja sind.
Gegner schießt scharf
Einer der größten Gegner sitzt am Mittwoch im Publikum: Reinhold Gerber. Er schießt scharf. „Ihr langt in die Gemeindekasse, das soll ein Freibrief sein“, wirft er den Verantwortlichen vor. Auch die Rentabilität bezweifelt er: Wäre der Windpark so lukrativ, müssten Investoren Schlange stehen. Es gäbe aber keine Anfragen, wie der Bürgermeister bestätigt.
Kurz vor Ende der Versammlung steht Bernhard Schmidt, Projektleiter Erneuerbare Energien bei Plan BC, spontan auf. „Ich muss jetzt was sagen, sonst zerreißt es mich.“ Der langjährige Bankbetriebswirt hat die Kalkulation gemacht. Er nennt die Zahlen, die in Parkstein vielleicht am meisten interessieren. Aktuell wird für die drei Windräder mit Kosten von 24 Millionen Euro gerechnet. Die bisher genannten 27 Millionen Euro hätten sich reduziert, weil kein Umspannwerk nötig ist.
Projektleiter: „Wir haben eine Finanzierung“
Die Umweltbank sei ab 25 Prozent Eigenkapital zur Finanzierung bereit. „Den Rest finanzieren wir.“ Wunsch ist, dass die Gemeinde acht Millionen Euro einbringt. Mehr Eigenkapital wäre aus Schmidts Sicht generell von Vorteil: „Dann muss ich die Zinsen nicht der Bank geben.“
Bürgermeister Sollfrank hofft auf mittlere Investoren, die beispielsweise ein oder zwei Millionen Euro einbringen. Großinvestoren seien gar nicht das Ziel. Auch mit Neue Energien West würden Verhandlungen laufen. BEP-Aufsichtsrat Peter Schwarzmeier appelliert an die Parksteiner, sich in die Genossenschaft einzubringen: „Meine Empfehlung: Werdet Mitglied, ab 500 Euro. Wenn uns von 2000 Wahlberechtigten die Hälfte 1000 Euro gibt, haben wir schon eine Million.“
Parkstein könnte Strom verkaufen
An der Rentabilität bestehe kein Zweifel, sagt Mariella Schubert von Plan BC. Die einjährige Windmessung des TÜV Süd habe für Parkstein mit rund 5,9 Metern pro Sekunde einen durchschnittlichen bayerischen Windstandort ergeben. Moderne Anlagen mit großer Nabenhöhe und großem Rotordurchmesser machten Windkraft inzwischen auch in Süddeutschland wirtschaftlich. „Wenn sich der nicht lohnt, lohnt sich die Hälfte der Windparks in Bayern nicht.“
Der Ertrag soll bei 33 Millionen Kilowattstunden im Jahr liegen, sagt Projektleiter Schmidt. Die Gemeinde Parkstein – „ihr alle miteinander“ – verbrauchte 2024 rund 13 Millionen kWh, die Firma Witron rund 11 Millionen. Für die Bank kalkuliere er konservativ mit der EEG-Vergütung einen Strompreis von 8,9 Cent. Übriger Strom könne verkauft werden, etwa nach Weiden. Zahle ein Unternehmen mehr und wenn es auch „nur“ 12 Cent seien, steige die Rendite deutlich: „Dann explodiert das Ding.“
In Aussicht gestellt wird, dass Parksteiner auch Strom aus ihren alten PV-Anlagen gegen Entgelt einspeisen können. Schmidt wirft zudem einen Blick in die Zukunft: Der Wärmetransformationsplan sehe die Förderung von Wärmepumpen für Kommunen vor. Schmidt ist selbst Bürgermeister (in Erbendorf). „Ihr könnt jetzt bestimmen. Wenn ihr 2030 Wärmepumpen baut, versorgt ihr Parkstein mit Wärme – und unser Strom kostet dann nicht 25 oder 35 Cent. Ihr müsst in die Zukunft denken.“
Bürgermeister wird emotional:
Als Gegner Gerber wieder von „Pöstchen“ spricht, die man sich zuschiebe, wird Bürgermeister Sollfrank lauter. „Ja, ich bin Aufsichtsrat. Aber ich kriege da kein Geld dafür.“ Ihm gehe es um das Beste für Parkstein und nachkommende Generationen. „Ich und du werden sehr gut bis an unser Lebensende leben. Unsere Kinder und Enkel werden diesen Lebensstandard nicht mehr haben, wenn wir nicht endlich unseren Arsch hochbringen – nicht nur in Parkstein.“
Auch er selbst könne sich „Schöneres vorstellen“, als 260 Meter hohe Windräder: „Sage mir einer eine Alternative.“ In Ungarn und Frankreich mussten im Sommer wegen Hitze und Wassermangel Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Man könne den Klimawandel leugnen, aber die Fakten sprächen eine andere Sprache. Parallel werde sich der Stromverbrauch laut Bayernwerken in den nächsten zehn Jahren verdoppeln. 28 Prozent der Autos weltweit sind bereits Elektroautos. „Wollen wir die Energiewende oder nicht?“
Ob die Parksteiner diesen Weg mitgehen, entscheidet sich am 20. September. Langgärtner: „Dann werden wir wissen, was ist.“
Das wird in Parkstein gebaut
- Drei Windräder vom Typ Enercon E-160 EP5 E3
- Gesamthöhe: rund 250 Meter
- Abstand zur Wohnbebauung: mindestens 1000 Meter
- Erwarteter Jahresertrag: rund 33 Millionen Kilowattstunden
- Genehmigungen: zwei erteilt, die dritte wird laut Plan BC in Kürze erwartet
- Bauvorbereitung: ab September 2026
- Baubeginn: geplant für Frühjahr 2027
- Inbetriebnahme: geplant für Sommer 2028











