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Steinhilber
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David Mandrella und sein unverhoffter Einzug in den Bundestag aus traurigem Anlass

Kümmersbruck. Einen Tag nach seinem 25. Geburtstag wird David Mandrella als einer der jüngsten Abgeordneten in den Bundestag einziehen. Der Anlass ist ein trauriger, dennoch ist der Kümmersbrucker hoch motiviert.

David Mandrella und sein unverhoffter Einzug in den Bundestag aus traurigem Anlass

David Mandrella ist der erste Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Amberg seit vielen Jahren. Foto: privat

David Mandrella ist der erste Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Amberg seit vielen Jahren und er ist einer der jüngsten im 630 Köpfe zählenden Plenum im Berliner Reichstag: Am 12. April wird der Kümmersbrucker 25 Jahre alt und einen Tag später, am 13. April, wird er an der ersten Bundestagssitzung als Abgeordneter teilnehmen. Der Anlass dafür ist ein trauriger: Mandrealla rückt für den kürzlich plötzlich verstorbenen parlamentarischen Staatssekretär und SPD-Abgeordneten Carsten Träger aus Fürth nach.

Einen Tag nach dem Geburtstag die erste Plenarsitzung

Träger (52) war als Spitzenkandidat der SPD-Landesliste in den Bundestag eingezogen und seit 2025 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium. Wenn ein Abgeordneter stirbt oder sein Mandat aus einem anderen Grund nicht mehr ausüben kann, rückt diejenige Person nach, die auf der Landesliste der Partei in dem jeweiligen Bundesland auf dem nächsten, bisher nicht berücksichtigten Platz steht. Und das ist im Falle der Bayern-SPD David Mandrella (24). „Es ist natürlich sehr traurig, mein Mandat deswegen antreten zu können, und ich bin in Gedanken bei Carstens Familie.“

Mandrella hat sein Mandat am 30. März beim Landeswahlleiter angenommen und ist seither offiziell Mitglied des Deutschen Bundestags. Mit Beginn der Sitzungswoche am 13. April nimmt er seine Arbeit in Berlin auf. Für die neue Aufgabe muss er – zumindest vorübergehend – Abschied nehmen von seinem Beruf Lehrer. Nach seinem Studium in den Fächern Wirtschaft, Politik und Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg wollte er Realschullehrer werden. Sein Referendariat an einer Realschule in Oberfranken steht kurz vor dem Abschluss, muss aber jetzt ruhen.

Vom Realschullehrer zum Abgeordneten

Im folgenden Interview bezieht der Kümmersbrucker Stellung zu Fragen nach seinen Zielen, Hoffnungen und seiner Motivation.

Herr Mandrella, was wird jetzt aus Ihrem Lehrerjob?

Mandrella: Ich habe sehr gerne als Lehrer gearbeitet. Das ist ein Beruf mit echter Verantwortung. Man prägt Menschen in einer entscheidenden Lebensphase. Der Austausch mit den Schülern hat mir viel bedeutet. Mit der Annahme des Mandats übernehme ich jetzt eine andere Verantwortung. Ich konzentriere mich voll auf die Arbeit im Bundestag und lasse meine Lehrertätigkeit vorerst ruhen. Anders würde es gar nicht funktionieren. Die Übergabe an der Schule erfolgt in enger Abstimmung, damit für die Schüler ein verlässlicher Übergang sichergestellt ist. Ein Bundestagsmandat ist auf Zeit. Ich habe nicht vor, 50 Jahre in einem Parlament zu sitzen. Danach kehre ich in den Lehrerberuf zurück.

Mein besonderer Fokus liegt auf den Kommunen und ihrer finanziellen Ausstattung.

David Mandrella, SPD-Bundestagsabgeordneter

Wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen auf Ihre neue Tätigkeit?

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Mandrella: Der Aufbau eines Büros und eines funktionierenden Teams braucht Zeit. Mir ist wichtig, Menschen zu gewinnen, die fachlich stark sind und die Themen der Region kennen und verstehen. Ich führe derzeit intensive Gespräche – zur personellen Aufstellung und zur inhaltlichen Arbeit, etwa in den Ausschüssen. Mein Ziel: schnell arbeitsfähig sein und von Beginn an strukturiert und wirksam arbeiten.

Worin sehen Sie Ihr Hauptbetätigungsfeld als Abgeordneter?

Mandrella: Ich will die Interessen unserer Heimat in Berlin konsequent vertreten. Ein besonderer Fokus liegt für mich auf den Kommunen und ihrer finanziellen Ausstattung. Ich höre aus nahezu allen Gemeinden, dass sie sich auf schwierige Zeiten einstellen müssen. Dabei geht es selten um Luxus, es geht um funktionierende Infrastruktur, gute Kitas und Schulen, ein lebendiges Vereinsleben. Wir müssen gegensteuern und den Kommunen wieder mehr Handlungsspielraum geben. Mein Ziel: weg von immer mehr Fördertöpfen, hin zu einer besseren Grundfinanzierung. Die Kommunen wissen selbst am besten, was sie brauchen.

David Mandrella (rechts) bei einer Podiumsdiskussion vor der Bundestagswahl 2025. Foto: privat

Gleichzeitig sehen wir wirtschaftlich wachsenden Druck. Deindustrialisierung ist keine abstrakte Debatte – sie zeigt sich in gefährdeten oder bereits gestrichenen Arbeitsplätzen. Diese Entwicklung müssen wir umkehren. Der Blick nach Großbritannien oder in die USA zeigt, wohin es führt, wenn Regionen dauerhaft den Anschluss verlieren. Deshalb brauchen wir eine aktive Wirtschaftspolitik, die unsere industrielle Basis sichert und weiterentwickelt. Der wirtschaftliche Aufschwung der Oberpfalz war ein Vorbild für andere Regionen. Das soll so bleiben. Und: Wir müssen Familien spürbar entlasten. Ich will für die gesamte Region ansprechbar sein – unabhängig von Parteizugehörigkeit. Bürgermeister, Landräte, Stadt- und Gemeinderäte können sich jederzeit an mich wenden. In Berlin arbeitet man hochspezialisiert. Im Wahlkreis bin ich Generalist – und genau das ist mein Anspruch. Die konkrete Ausschusszuordnung steht noch aus. Inhaltlich ist klar, wo meine Schwerpunkte liegen: Bildung, Jugend, Familie und eine starke Wirtschaft.

Die Koalition und die SPD kämpfen mit schlechten Umfragewerten. Was muss sich ändern?

Mandrella: Die SPD hat in Regierungsverantwortung zu oft geglaubt, Probleme ließen sich vorwiegend durch höhere staatliche Leistungen lösen. Das greift zu kurz. Natürlich helfen höhere Renten, mehr Kindergeld oder bessere Unterstützung in schwierigen Lebenslagen – daran gibt es nichts zu rütteln. Ich bin skeptisch, wenn vermeintliche Wirtschaftsexperten die Kettensäge an die Grundpfeiler unserer Sozialsysteme legen wollen. Aber bloßes Verteilen ist nicht der Kern sozialdemokratischer Politik. Unser Anspruch muss sein, Menschen durch gute Arbeit ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Es geht um sichere, gut bezahlte Jobs, um Aufstiegschancen und ein intaktes Gemeinwesen. Gleichzeitig braucht die Sozialdemokratie inhaltliche Schärfe. Wir befinden uns in einer Phase des Umbruchs
– wirtschaftlich, technologisch, gesellschaftlich. Da muss klar sein, wofür wir stehen: für eine starke Wirtschaft, die Arbeitsplätze schafft, für soziale Sicherheit und für echte Aufstiegsperspektiven.

Probleme benennen, Ideen erarbeiten, Lösungen umsetzen, verlässlich weiterentwickeln.

David Mandrella, SPD-Bundestagsabgeordneter

Wir müssen wieder dort ansetzen, wo Menschen konkret merken, ob Politik funktioniert: finanziell handlungsfähige Kommunen, funktionierende Infrastruktur, bezahlbares Wohnen, ein verlässlicher Staat im Alltag. Wenn sich das Leben spürbar verbessert, wächst das Vertrauen. Entscheidend ist: Wir dürfen uns nicht in Ankündigungen verlieren. Am Ende zählen Ergebnisse. Und klar ist auch: Nicht jedes Problem lässt sich in einer Wahlperiode lösen. Wer das verspricht, macht es sich zu einfach. Ich stehe für einen anderen Kurs – Probleme benennen, Ideen erarbeiten, Lösungen umsetzen, verlässlich weiterentwickeln.

Wie wollen Sie als junger und neuer Abgeordneter Einfluss darauf nehmen?

Mandrella: Natürlich bin ich der junge Neuzugang und kann nicht das Rad neu erfinden. Aber ich bringe andere Perspektiven mit – und das nicht nur wegen meines Alters. Ich bin der erste in meiner Familie, der studiert hat. Ich bin nicht in Wohlstand aufgewachsen. Deutsch war nicht die Muttersprache meiner Eltern. Das prägt den Blick auf dieses Land – und so geht es vielen Menschen hier. Diese Perspektive möchte ich an allen Stellen einbringen. Gleichzeitig bin ich der Abgeordnete für alle. Auch mit 24 Jahren kann man zum Beispiel gute Seniorenpolitik machen. Ich durfte bei Marianne Schieder, die 20 Jahre lang für die Oberpfalz im Bundestag saß, beobachten, wie sie sich trotz ihrer langen Parlamentserfahrung mit ganzer Kraft für Jugendarbeit eingesetzt hat. Alter allein sagt
wenig über politische Prioritäten.

Gibt es schon Kontakte zu anderen Abgeordneten und zur Bundestagsfraktion?

Mandrella: Einige kenne ich bereits seit Längerem – mit denen stehe ich laufend in Kontakt. Auch erste neue Abgeordnetenkollegen haben sich schon bei mir gemeldet. Das freut mich.

Was sagen Sie zur Energiepolitik der Wirtschaftsministerin Reiche, die Gas und Atom präferiert?

Mandrella: Erneuerbare Energien werden regional erzeugt – zu Erzeugungskosten, die fossile Quellen nicht erreichen. Ich teile die Einschätzung, dass sie einen Beitrag zu mehr Unabhängigkeit leisten. Auch der frühere FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat sie einmal als „Freiheitsenergie“ bezeichnet – damit hatte er recht. Unbestreitbar ist aber: Mit Erneuerbaren allein lässt sich eine Industrienation wie Deutschland heute noch
nicht vollständig versorgen. Deshalb sind Gaskraftwerke als Brücke sinnvoll – gerade wenn sie später auf grünen Wasserstoff umgerüstet werden können. Diese Planung der Bundesregierung ist richtig. Ständig über einen Wiedereinstieg in die Atomkraft nachzudenken, ist dagegen deplatziert. Ich bin da nüchtern: Wenn wir günstigere und verlässlichere Quellen wie Solar und Wind haben, brauchen wir keine Phantomdiskussionen. Unsere Wirtschaft benötigt Planbarkeit – keine energiepolitischen Dauerdebatten ohne Substanz.

Am 13. April wird David Mandrella 25 Jahre, tags darauf nimmt er als Abgeordneter erstmals an einer Plenarsitzung teil. Foto: privat

Wo sehen Sie die größten Reibungspunkte sozialdemokratischer Politik in der Regierungsarbeit?

Mandrella: Die liegen dort, wo es um das Fundament unseres Sozialstaats geht – und damit
direkt um die Interessen der Arbeitnehmer. Es gibt Stimmen, die laut nach Reformen rufen, aber Kürzungen meinen, die wieder einmal die hart arbeitende Mitte treffen würden. Ob bei der Rente oder der Krankenversicherung: Wer jeden Tag früh aufsteht und seinen Job macht, darf nicht als Erstes die Rechnung zahlen. Diese Reformforderungen setzen an der falschen Stelle an. Bevor wir über Einschnitte bei Beschäftigten reden, müssen wir die Frage der Verteilungsgerechtigkeit stellen. Das bedeutet: die Verantwortung derer in den Blick nehmen, die ihr Geld für sich arbeiten lassen, und die strukturelle Schieflage durch
Privatversicherungen thematisieren.

Echte sozialdemokratische Politik sorgt dafür, dass die Lasten fair verteilt werden – nicht immer nur bei der arbeitenden Mitte hängen bleiben. Das ist der Punkt, an dem ich mich reiben werde. Es geht um den Kern unserer Gesellschaft.