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Erneuter Störfall in Temelín: Kritiker sehen ihre Sorgen bestätigt

Temelín/Weiden. Wieder Temelín, wieder Block zwei: Im tschechischen Atomkraftwerk nahe der bayerischen Grenze ist es erneut zu einer technischen Störung gekommen. Am Mittwoch musste der zweite Reaktorblock außerplanmäßig vom Netz genommen werden.

Erneuter Störfall in Temelín: Kritiker sehen ihre Sorgen bestätigt

Erneut gab es im Atomkraftwerk Temelin einen Störfall, der sich aber laut Betreiber im „nicht-nuklearen“ Bereich ereignet haben soll. Foto: vyroba-elektriny-energetika

Nach Angaben des Betreibers ČEZ lag der Fehler in einem digitalen Steuersystem des nicht-nuklearen Bereichs. Eine elektronische Karte in einem Schaltschrank wurde ausgetauscht. Am Donnerstag nahm der Block die Stromproduktion wieder auf und sollte anschließend schrittweise auf volle Leistung hochgefahren werden.

„Warnsignal“ für Atomkraftgegner

Für Atomkraftgegner in Bayern kommt der Zwischenfall dennoch zur Unzeit. Denn es ist nicht das erste technische Problem am zweiten Block in diesem Jahr. Bereits im Januar musste dessen Leistung wegen eines Problems an einem Umwälzkühlwasserpumpenlager reduziert werden. Nach der anschließenden Revision ging der Reaktor im April wieder ans Netz.

Für Eike Hallitzky von der „Plattform für Energiewende und gegen Atomgefahren“ ist die neuerliche Störung deshalb ein Warnsignal. Er betont zugleich, dass sich aus der Ferne nicht beurteilen lasse, ob vom aktuellen technischen Defekt eine konkrete Gefahr ausgegangen sei. Grundsätzlich hält er Temelín jedoch für besonders störanfällig. Seine Kritik richtet sich unter anderem auf die Kombination aus russischer Reaktortechnik und amerikanischer Leittechnik.

Auch die Oberpfälzer Bürgerinitiative gegen atomare Anlagen Weiden-Neustadt (BI Waa Naa) verfolgt die Entwicklung seit Jahren kritisch. Die Initiative lehnt insbesondere den weiteren Ausbau der Atomkraft in Tschechien sowie Laufzeitverlängerungen bestehender Anlagen ab. Der aktuelle Vorfall dürfte die grundsätzliche Kritik an Temelín daher eher verstärken.

Längere Laufzeiten sorgen für zusätzlichen Zündstoff

Besonders umstritten ist aus Sicht der Kritiker die geplante Verlängerung des Betriebsintervalls. Nach der diesjährigen Revision sollte Block zwei nicht wie bislang üblich rund zehn, sondern 16 Monate bis zur nächsten planmäßigen Revision laufen – sechs Monate länger als bisher. Hallitzky kritisiert gegenüber dem BR, dass dadurch die Abstände zwischen den Kontrollen größer würden. Er vergleicht das zugespitzt mit längeren TÜV-Intervallen bei älteren Fahrzeugen.

Der Betreiber verweist dagegen auf die durchgeführten Kontrollen und die technischen Maßnahmen. Während der knapp zweimonatigen Revision seien unter anderem Brennelemente ausgetauscht und Sicherheitssysteme überprüft worden. Auch die tschechische Atomaufsicht SÚJB überwacht die Anlage. Für den aktuellen Januar-Fall stellte sie ausdrücklich fest, dass die damalige Reparatur keine Auswirkungen auf die Sicherheit hatte.

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Nur rund 60 Kilometer von Bayern entfernt

Die Nähe zu Bayern macht Temelín zu einem besonderen Reizthema in der Oberpfalz. Das Kraftwerk liegt weniger als 60 Kilometer von der bayerischen Grenze entfernt. Entsprechend genau wird der Betrieb auch auf deutscher Seite beobachtet. Nach Angaben des Betreibers lief der erste Reaktorblock während der aktuellen Störung mit voller Leistung weiter. Für den zweiten Block wurde nach dem Austausch der defekten Elektronik die Stromproduktion am Donnerstag wieder aufgenommen. Hinweise auf eine Freisetzung radioaktiver Stoffe oder eine Gefährdung der Bevölkerung enthält die aktuelle Betreiberinformation nicht.

Tschechien will Atomkraft massiv ausbauen

Der Störfall fällt zudem in eine Zeit, in der Tschechien seine Atomkraft massiv ausbauen will. Bis 2040 soll der Anteil der Kernenergie am tschechischen Strommix auf mehr als die Hälfte steigen. Neben längeren Laufzeiten bestehender Reaktoren sind neue Anlagen geplant. In Dukovany sollen zwei weitere Reaktorblöcke entstehen. Genau diese Entwicklung stößt bei den Atomkraftgegnern in Ostbayern auf Widerstand. Sie sehen in Temelín nicht nur eine Frage einzelner technischer Störungen, sondern einen grundsätzlichen Konflikt: Während Tschechien stärker auf Kernenergie setzen will, fordern die Kritiker einen Kurs hin zu erneuerbaren Energien.

Für die Betreiberseite steht dagegen fest: Der aktuelle Defekt wurde behoben, der betroffene Block ist wieder in Betrieb. Der technische Zwischenfall ist damit beendet – die Diskussion über die Sicherheit und die Zukunft der tschechischen Atomkraft dürfte es noch lange nicht sein.