Gemeinderat stoppt Kita-Bus in Speinshart nach 30 Jahren

Gemeinderat stoppt Kita-Bus in Speinshart nach 30 Jahren
Ein gewohnter Service für junge Familien aus den Ortsteilen des Klosterdorfes endet. Gemeint ist der Kita-Bus. Wegen der explodierenden Kosten zieht der Gemeinderat einen Schlussstrich unter die freiwillige Leistung der Kommune, die zuletzt nur wenige Familien beanspruchten.
Kita-Bus in Speinshart wird eingestellt
„Es fällt mir schwer“, gibt Bürgermeister Albert Nickl zu. Viele Jahre habe sich die Beförderung von Kindern aus den Ortsteilen zum Kindergarten bewährt. Doch jetzt ist Schluss. Der Grund: Nur noch wenige Kinder nutzen das Angebot der Gemeinde. Und das bei weiter abnehmender Tendenz. Im kommenden Kita-Jahr rechnet der Bürgermeister laut vorläufiger Anmeldungen nur noch mit fünf Kindern – und das bei explodierenden Kosten. Der Gemeindechef verwies hochgerechnet auf ein künftiges jährliches Defizit von 12.000 € bei fünf Nutzern.
Unter Hinweis auf Elterngespräche verkündete Nickl: „Der Abwärtstrend wird sich nicht ändern.“ Für die Eltern gebe es zu viele individuelle Gründe, ihre Kinder selbst zur Kita nach Speinshart zu bringen. Als Schlussfolgerung empfahl der Rathauschef im Einvernehmen mit dem Elternbeirat ein Ende der gemeindlichen Serviceleistung. Ein Vorschlag, der nicht bei allen Ratsmitgliedern gut ankam. „Abgestraft werden die Eltern aus den kleinen Ortschaften“, kritisierte Christofer Neukam. „Man sollte bei Kindern nicht auf Zahlen schauen und Geld in Kinder anzulegen ist wichtiger als der Investitionsaufwand für einen öffentlichen Backofen“, argumentierte der Sprecher der Jungen Liste. Ein Protest, der weitere Stellungnahmen aus dem Gremium zum Missverhältnis zwischen dem Vorteil für nur noch Wenige und dem unvertretbaren Defizit für die Gemeindekasse auslöste und gegen die Stimmen der Junge-Liste-Vertreter Christofer Neukam und Lukas Braun mit einem Beschluss zur Abschaffung der freiwilligen Leistung endete.
ILE-Pakt soll bleiben
Einigkeit gab es bei den weiteren Entscheidungen. Mit Blick auf die erfolgreiche Zusammenarbeit der zehn Gemeinden in der ILE-Region Vierstädtedreieck und auf die segensreiche Kleinprojekte-Förderung billigte die Ratsversammlung angesichts der bisherigen Erfolge die Fortführung der interkommunalen Zusammenarbeit vorbehaltlich einer Förderzusage des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberpfalz. Der Förderzeitraum erstreckt sich auf fünf Jahre bis September 2031. Die Gemeinde rechnet mit einem Anteil an den Personalkosten in Höhe von rund 12.000 €. Die Kostenverteilung orientiert sich an den Einwohnerzahlen.
Rechtsanspruch auf Ferienbetreuung
Ab dem kommenden Schuljahr besteht für Schülerinnen und Schüler der Grundschulen ein Rechtsanspruch auf Ferienbetreuung. Der Anspruch wird gestaffelt eingeführt und beginnt mit dem Schuljahr 2026/27 für die ersten Klassen. Auf der Grundlage einer Gesprächsrunde der zehn westlichen Landkreisgemeinden mit der Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (gfi) wird die gfi eine Ferienbetreuung an der offenen Ganztagsschule an der Grundschule in Eschenbach anbieten.
Den entsprechenden Vertrag für insgesamt sechs Wochen Betreuungszeit in den Faschings- und Herbstferien, in der ersten Woche der Oster- und Pfingstferien und in den letzten beiden Wochen der Sommerferien nahm das Gremium zur Kenntnis. Der Anteil der Gemeinde für das Schuljahr 2026/27 beträgt für die Speinsharter Kinder 20 € je Betreuungstag und ist auf zwei Wochen begrenzt. Bürgermeister Albert Nickl verwies in diesem Zusammenhang auf die seit vielen Jahren bestehende Zusammenarbeit zur Ferienbetreuung mit Learning Campus bei einem Kostenanteil der Gemeinde von derzeit 105 € pro Kind für eine Woche.
Eile geboten ist für einen Förderantrag zur Errichtung von Regenrückhaltungen im Rahmen von Kanalsanierungen. In der Finanzplanung sind dafür 410.000 € vorgesehen. Der Bürgermeister informierte über die Notwendigkeit, ergänzend zum bereits vorliegenden Förderbescheid für die Neuverlegung von Abwasserkanälen einen weiteren Zuschussantrag zu stellen, weil es sich bei den Rückhaltebecken um neue Bauwerke im Sinne der Zuwendungsrichtlinien der RZWas handelt. Tempo sei auch deshalb notwendig, weil eine Auftragserteilung an die Baufirmen erst nach der Bescheiderteilung durch die Fachbehörde erfolgen dürfe. Das sogenannte gemeindliche Einvernehmen erteilte das Gremium den Bauanträgen zur Errichtung eines landwirtschaftlichen Betriebsleiterwohnhauses in Zettlitz und eines Betriebsleiterwohnhauses in der Weinleite in Speinshart. Verbunden ist die Zustimmung mit Erschließungsverpflichtungen der Antragsteller.
Nachrichten des Gemeindechefs
Im Informationsteil verwies Bürgermeister Albert Nickl unter anderem auf die Wiederfreigabe der Staatsstraße nach Abschluss der Wasserleitungsverlegung, verbunden mit einem Dank an die Verkehrsteilnehmer für die Behinderungen. Mit der Vergabe der Tiefbauarbeiten in Haselbrunn rechnet der Bürgermeister bis Ende August 2026. Wegen der Erkundungsbohrungen an der Creußenbrücke der S2168 verwies der Bürgermeister auf Anweisungen des Staatlichen Bauamtes zur Prüfung der Standsicherheit des Geländes. Die jüngste Prüfung habe keinen akuten Handlungsbedarf ergeben.
Albert Nickl kündigte zudem die Restaurierung der Heiligenfiguren rund um Speinshart mit Kosten in Höhe von 16.350 € bei einer Förderquote von 80 Prozent an. Thema war auch das Sturzflutmanagement der Gemeinde. Bei geschätzten Kosten von 70.000 € beträgt die staatliche Förderung 75 Prozent. Die Kosten für die technische Ertüchtigung des Klärwerks bezifferte der Bürgermeister auf circa 170 000 €. Die Gemeinde erwartet dafür eine Zuweisung von 137.000 €.
Zu einem Hingucker soll der Holzbackofen werden, der von der Firma „Bayerischer Holzbackofenbau“ aus Konzell auf dem Vorplatz zwischen Wieskapelle und Klosterkirche errichtet wird. Der Bürgermeister berichtete über den Beginn der Bauarbeiten für das circa 50 000 € teure Wunschprojekt vieler Speinsharter. Die Förderung aus Dorferneuerungsmitteln beträgt 70 Prozent.
Im Gespräch bleibt die Gemeinde-Kita. Aufwendig saniert, steuern die laufenden Kosten auf ein neues Rekorddefizit zu. Für den Gemeinderat ein Grund mehr, das freiwillige Angebot von Kita-Bus-Fahrten wegen des bemerkenswerten Missverhältnisses zwischen Elterninteresse und der Kostenexplosion für die Kita-Fahrten zu beenden.
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