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Gewerkschaft warnt vor Aus des Acht-Stunden-Tags

Nordoberpfalz. In der Stadt Weiden gibt es für rund 260 Kinder unter drei Jahren einen Kitaplatz, die Quote liegt bei gut 24 Prozent. Die NGG warnt vor der Abschaffung des Acht-Stunden-Tags und fordert verlässliche Arbeitszeiten für Familien.

Nordoberpfalz. In der Stadt Weiden gibt es für rund 260 Kinder unter drei Jahren einen Kitaplatz, die Quote liegt bei gut 24 Prozent. Die NGG warnt vor der Abschaffung des Acht-Stunden-Tags und fordert verlässliche Arbeitszeiten für Familien.
8 Stunden sind genug: „Wer vom Chef einen XL-Arbeitstag mit 10 oder sogar 12 Stunden aufgebrummt bekommt, kann sich weder um Kinder noch um Angehörige, die zu Hause auf Pflege warten, kümmern“, sagt Rainer Reißfelder von der NGG Oberpfalz. Die Gewerkschaft erteilt den Plänen der Bundesregierung, den 8-Stunden-Tag zu kippen, damit eine klare Absage. Foto: Nils Hillebrand

Gewerkschaft warnt vor Aus des Acht-Stunden-Tags

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnt in der Nordoberpfalz vor Folgen geplanter Änderungen am Arbeitszeitgesetz für Familien. In Weiden stehen rund 260 Kindern unter drei Jahren Kita-Plätze zur Verfügung (Betreuungsquote: 24 Prozent), im Landkreis Neustadt/WN sind es rund 960 Kinder (33 Prozent) und im Landkreis Tirschenreuth rund 700 Kinder (knapp 39 Prozent).

Weiden: NGG fordert mehr Verlässlichkeit für Familien

Als Maßstab nennt die NGG einen Elternbedarf von 47 Prozent bei der Betreuung von Unter-Dreijährigen in Bayern, der auf einer Studie des Deutschen Jugendinstituts basiert. „Das ist zu wenig. Vor allem wenn Eltern arbeiten, müssen sie sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder betreut werden“, sagt Rainer Reißfelder von der NGG Region Oberpfalz.

Die Gewerkschaft stellt in Aussicht, dass Eltern in Weiden und den Landkreisen mit zusätzlichen Hürden rechnen müssen, falls der 8-Stunden-Tag fällt. „Wenn das passiert, dann bricht für Eltern jede Planung bei der Kinderbetreuung zusammen. Denn dann kann ein Arbeitstag auch mal zwei oder sogar dreieinhalb Stunden länger werden. Mit Verlässlichkeit, die Eltern dringend brauchen, hat das nichts mehr zu tun“, so Reißfelder.

Neustadt/WN: Enger Takt von Kita und Arbeit

NGG verweist darauf, dass berufstätige Eltern feste Abläufe benötigen. „Meistens sind Kita- und Arbeitszeiten schon jetzt auf Kante genäht – also eng miteinander abgestimmt: Wer sein Kind in der Kita hat, der muss es auch pünktlich wieder abholen, bevor die Kita schließt. Aber wenn der Chef demnächst aus einem 8-Stunden-Tag einen Arbeitstag mit 10 oder 12 Stunden am Stück machen kann, wird es für Familien nahezu unmöglich, ihren Alltag verlässlich zu planen“, sagt Reißfelder. Nach Einschätzung der Gewerkschaft leidet darunter am Ende auch die Berufstätigkeit der Eltern.

Auch Pflegende bräuchten klare Strukturen. „Wer sich zu Hause – zum Beispiel in enger Absprache mit Pflegediensten – um Angehörige kümmert, kann alles gebrauchen, aber keinen XL-Arbeitstag“, sagt der Geschäftsführer der NGG Oberpfalz. „Verlässlichkeit ist das A und O“, so Reißfelder. Die NGG nennt die geplante Aufweichung des 8-Stunden-Tages „Gift für alle, die im Moment alles daransetzen, den Spagat zwischen Job und Familie zu schaffen“.

Tirschenreuth: Region Oberfranken mit gleicher Sorge

Für den Landkreis Tirschenreuth meldet die NGG Oberfranken eine Betreuungsquote von knapp 39 Prozent bei rund 700 U3-Kita-Plätzen. „Sollte Schwarz-Rot jetzt den 8-Stunden-Tag abschaffen und bei der Wochenarbeitszeit ein Höchstlimit von 48 und in Ausnahmefällen sogar bis zu 73,5 Stunden setzen, würde die Bundesregierung damit echte Probleme für viele Familien im Kreis Tirschenreuth provozieren – im Job und in der Familie“, warnt NGG-Geschäftsführer Marcel Adelhardt.

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Auf Basis einer Beschäftigtenbefragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes berichtet die NGG, dass 51 Prozent der Frauen und 41 Prozent der Männer Angehörige betreuen, hauptsächlich Kinder oder Ältere. Zudem hat gut ein Fünftel der Beschäftigten häufig Schwierigkeiten, Familie und Arbeit zeitlich zu vereinbaren; bei alleinerziehenden Frauen liegt dieser Anteil aktuell bei 42 Prozent.

Arbeitsmarkt und Gesundheit

Gleichzeitig suchen das Gastgewerbe, das Lebensmittelhandwerk und zahlreiche Betriebe der Nahrungsmittelindustrie qualifizierte Fachkräfte. „Den Arbeitskräftemangel in diesen Betrieben lösen wir nicht durch längere Arbeitstage, sondern durch bessere Arbeitsbedingungen und mehr Kita-Plätze“, so Reißfelder.

Aus Sicht der NGG gehen längere Arbeitstage zudem zulasten der Gesundheit. „Nach 8 Stunden im Job steigt das Unfallrisiko immer mehr an. Nach 12 Stunden ist es sogar doppelt so hoch wie bei einem regulären 8-Stunden-Tag“, so Reißfelder. Zusätzlich nennt die Gewerkschaft Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Burn-out als mögliche Folgen.

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