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Steinhilber
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Rechtsextremismus und Kampfsport: Experten warnen in Weiden

Rechtsextremismus und Kampfsport standen im Mittelpunkt eines VHS-Abends in Weiden. Robert Claus und Jan Nowak zeigten, wie extrem rechte Akteure Sport, Szene-Netzwerke und soziale Medien nutzen.

Rechtsextremismus und Kampfsport: Experten warnen in Weiden

Rechtsextremismus und Kampfsport
Rechtsextremismusexperte Robert Claus zeigt die traurige „Ausbeute“ eines Rundgangs um die Volkshochschule: Im Vorfeld des Vortragsabends wurden Sticker mit rechten Parolen an Laternen, Papierkörben und sonstigen Flächen geklebt. Foto: Martin Stangl

Rechtsextremismus und Kampfsport standen im Mittelpunkt eines Informationsabends der Volkshochschule Weiden-Neustadt. Rund 100 Besucherinnen und Besucher kamen in die Aula der VHS. Dort ging es um die Frage, wie extrem rechte Akteure Kampfsportmilieus nutzen, welche Entwicklungen in der Oberpfalz sichtbar werden und welche Rolle Vereine, Schulen und Kommunen bei der Prävention spielen können. VHS-Geschäftsführer Stefan Frischholz begrüßte zwei Fachleute, die das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten. 

Extremismuskenner Robert Claus

Den Auftakt machte der Journalist, Buchautor und Forscher Robert Claus. Er recherchiert seit vielen Jahren zu Rechtsextremismus, Fankulturen und Kampfsportstrukturen. In Weiden stellte er das Thema „Trainingskulturen in Bezug auf Gewalt und Diskriminierung im Kampfsport“ vor. Dabei machte er deutlich: Die große Mehrheit der Kampfsportvereine steht auf demokratischem Boden. Dennoch versuchen rechtsextreme Akteure gezielt, bestimmte Trainingsorte, Veranstaltungen und Netzwerke für sich zu nutzen.

Rechtsextremismus und Kampfsport als Strategie

Nach Claus’ Forschung dient Kampfsport in der extremen Rechten nicht nur der Fitness. Er wird auch zur Vernetzung, Rekrutierung, Ideologievermittlung und politischen Mobilisierung genutzt. Besonders attraktiv seien Vollkontakt-Disziplinen, weil sie Härte, Disziplin und Wehrhaftigkeit vermitteln. Diese Werte würden in rechtsextremen Milieus ideologisch aufgeladen. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt Kampfsport ebenfalls als besonders verbreitete Sportaktivität in der extremen Rechten. 
Claus verwies auf rechtsextreme Kampfsportevents und Szene-Treffpunkte. Solche Veranstaltungen könnten internationale Kontakte fördern, extremistische Strukturen stärken und Geld in die Szene bringen. Der Forscher beschreibt dabei eine zunehmende Professionalisierung. Marken, soziale Medien und Veranstaltungen würden genutzt, um eine eigene Gegenkultur aufzubauen. Kampfsport werde so zu einem identitätsstiftenden Baustein extrem rechter Milieus. 

Demokratische Vereine können schützen

Ein wichtiger Teil des Vortrags galt der Prävention. Claus unterscheidet zwischen Vereinen, die aktiv handeln, und solchen, die problematische Entwicklungen ignorieren. Widerstandsfähig seien vor allem Sportvereine, die Vielfalt fördern, klare Regeln gegen Diskriminierung haben und bei Vorfällen konsequent reagieren. Wo Trainer und Verantwortliche Haltung zeigen, haben extremistische Akteure weniger Chancen, Einfluss zu gewinnen. 
Dazu gehören Leitbilder, Fortbildungen und eine offene Vereinskultur. Wenn Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung selbstverständlich dazugehören, wird Kampfsport zu einem Ort demokratischer Erfahrung. Deshalb forderte Claus mehr Sensibilisierung und Demokratieförderung im Sport. Gerade lokale Vereine könnten früh erkennen, wenn sich einzelne Mitglieder radikalisieren oder menschenfeindliche Einstellungen verbreiten.

Rechtsextremismus in der Oberpfalz

Im zweiten Teil des Abends richtete Jan Nowak von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern den Blick auf die Oberpfalz. Nowak ist schwerpunktmäßig für Niederbayern und die Oberpfalz zuständig. Er sieht die Region als Raum, in dem rechtsextreme Akteure immer wieder versuchen, gesellschaftlichen Einfluss zu gewinnen.

Nowak verwies auf Neonazi-Netzwerke, rechtsextreme Musikveranstaltungen, Aktivitäten der Identitären Bewegung und personelle Überschneidungen zwischen unterschiedlichen rechten Strömungen. Auffällig sei ein Strategiewechsel. Viele Akteure treten heute weniger offen auf als früher. Stattdessen suchen sie Anschluss über soziale Medien, Bürgerinitiativen, Debatten oder Freizeitmilieus. Dadurch werde Rechtsextremismus häufig schwerer erkennbar.

Grammer Solar
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Besonders kritisch sieht Nowak die Ansprache junger Menschen. Während früher Szene-Konzerte oder feste Treffpunkte eine größere Rolle spielten, laufen Kontakte heute oft digital. Messenger-Dienste, Videoplattformen und soziale Netzwerke senken die Einstiegshürden. So können demokratiefeindliche Positionen beiläufig wirken und sich schrittweise normalisieren.

Politische Bildung bleibt notwendig

Die Aktualität des Themas zeigen auch bundesweite Zahlen. Das Bundeskriminalamt meldete für 2024 einen starken Anstieg politisch motivierter Straftaten. Rechtsextremistische Straf- und Gewalttaten stiegen laut Verfassungsschutz deutlich auf 37.835 Delikte. Damit wächst der Druck, Prävention nicht allein Sicherheitsbehörden zu überlassen.
Zum Ende der Veranstaltung zeigten die Fragen aus dem Publikum, wie groß der Informationsbedarf ist. Viele wollten wissen, wie Vereine reagieren können, wann Warnsignale ernst zu nehmen sind und welche Unterstützung es gibt.