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SPD-Unterbezirk: Simon Grajer übergibt den Staffelstab an Gregor Forster

Neustadt/WN. Nur zwei Jahre dauerte die Amtszeit des Weideners Simon Grajer als SPD-Unterbezirksvorsitzender. Weil er beruflich nach Potsdam geht, übernimmt der Eschenbacher Gregor Forster den Staffelstab und kann sich über ein überragendes Ergebnis freuen.

SPD-Unterbezirk: Simon Grajer übergibt den Staffelstab an Gregor Forster

Blumen für Gregor Forster (Zweiter von rechts) von seinem Vorgänger Simon Grajer. Nicole Bäumler, Carolin Wagner (von links) und David Mandrella (rechts) freuen sich. Foto: Udo Fürst

Mindestens eines haben Vorgänger und Nachfolger gemeinsam: Beide bekamen bei ihrer Wahl zum Unterbezirksvorsitzenden 100 Prozent der Delegiertengestimmen. Simon Grajer freute sich bei der Konferenz des SPD-Unterbezirks Weiden-Neustadt-Tirschenreuth im Neustädter ASV-Sportheim entsprechend: „Mit Gregor Forster weiß ich den Unterbezirk in guten Händen.“ Neu gewählt wurden am Samstag im Sportheim des ASV Neustadt auch die stellvertretenden Vorsitzenden, ein neuer Kassierer, eine neue Schriftführerin, ein neuer Internetbeauftragter, 21 Beisitzer/innen sowie die Delegierten für Landes- und Bezirksparteitag.

„Der SPD geht es zuerst um die Sache“

Grußworte sprachen Neustadts Bürgermeister Sebastian Giering sowie die Bundestagsabgeordneten Carolin Wagner und David Mandrella. Der scheidende Bürgermeister zog einen Vergleich zwischen der kommunalen und der „großen“ Politik: „Uns geht es als SPD-Politikerinnen immer zuerst um die Sache und dann erst um die Partei. Gerade deshalb bekommen wir oft Prügel. Aber auch wenn’s wehtut: Wir lassen uns nicht verbiegen und machen, was notwendig ist.“

MdB Carolin Wagner umriss die Leitlinien der Partei in der Koalition zu den Themen Wirtschaft, Energiewende und Gesundheitsreform. Sie verteidigte die Maßnahmen der Regierung im Hinblick auf die Energiepreise, „auch wenn es nicht komplett das ist, was wir als Sozialdemokraten beschlossen hätten“. Deutlich kritisierte sie Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. „Wo sie mitmischt, wird’s schwierig. Neoliberalismus und konservative Politik bieten keine Antworten auf die Folgen des Iran-Kriegs. Während Reiche alles dem Markt überlässt, ist für uns Sozialdemokrat:innen klar: Wir können nicht akzeptieren, dass Erdölunternehmen massiv Profite aus der Krise schlagen und den Leuten die letzten Cent aus der Tasche ziehen.“ Die SPD arbeite deshalb weiter an der Übergewinnsteuer. „Keine Profite aus Kriegen und internationalen Krisen. Dafür kämpfen wir.“ Große Hoffnung setze sie auch auf die geplante Steuerreform von Finanzminister Lars Klingbeil im kommenden Jahr. „Dadurch sollen vorwiegend untere und mittlere Einkommen entlastet werden.“

Der neue Vorsitzende Gregor Forster (Mitte) mit seinen Gratulanten (von links) David Mandrella, Nicole Bäumler, Simon Grajer, Uli Roth, Carolin Wagner und Christopher Birner. Foto: Udo Fürst
Geflasht von 100 Prozent Zustimmung: Gregor Forster. Foto: Udo Fürst
Carolin Wagner bei ihrer Rede. Foto: Udo Fürst
SPD-Unterbezirksparteitag. Foto: Udo Fürst
Die Delegierten der Konferenz wählten einen neuen Vorstand. Foto: Udo Fürst
Vorgänger und Nachfolger: Simon Grajer (rechts) und Gregor Forster. Foto: Udo Fürst

Grajers Rückblick mit Wehmut

Der scheidende Unterbezirksvorsitzende Simon Grajer blickte in seiner sehr emotionalen Rede „mit Wehmut“ auf seine zweijährige Amtszeit zurück. „Es war mir eine große Ehre und Freude, euer Vorsitzender zu sein. Leider konnte ich wegen meines Studiums, das ich jetzt mit dem zweiten Staatsexamen abgeschlossen habe, nicht immer in dem Maß für euch da sein, wie es das Amt erfordert hätte.“ Bis heute bedauere er, dass es nicht gelungen sei, für Gregor Forster den 15. bayerischen SPD-Listenplatz zu ergattern. Eine weitere schlechte Nachricht verberge sich hinter den Mitgliederzahlen im Unterbezirk, die von 2186 Frauen und Männern im Jahr 2023 auf 1990 heute gesunken sei. Grajer: „Wir haben leider zu viele Sterbefälle und zu wenig junge Menschen, die sich uns anschließen.“ Mit dem Problem der Überalterung hätten viele Parteien zu kämpfen. Die Delegierten spendeten Simom Grajer lang anhaltenden Beifall.

Eine bemerkenswert frische Rede hielt David Mandrella, jener Politiker aus dem Wahlkreis Amberg, dem Forster bei der Nominierung des Bezirksverbands unterlegen war. Der mit 25 Jahren jüngste SPD-Bundestagsabgeordnete war kürzlich als Nachrücker für den verstorbenen Carsten Träger aus Fürth in den Bundestag eingezogen. Seine Botschaft: „Die Oberpfalz ist viel zu schön, als sie der CSU zu überlassen.“ Er wolle sich in Berlin für alle Menschen gleichermaßen einsetzen, denn „Alt gegen Jung auszuspielen, ist Klassenkampf für Dumme“. Die Probleme zu lösen, funktioniere nur gemeinsam.

Die Führungsriege des SPD-Unterbezirks

Vorsitzender: Gregor Forster

Stellvertreter: Nicole Bäumler, Gunar Prauschke, Christopher Birner

Kassierer: Adrian Kuhlemann

Schriftführerin: Sarah Lehner

Internetbeauftragter: Michael Das

SPD-Frauenvertreterin: Petra Thomas

60plus-Vertreter: Helmut Fastner

JuSo-Vertreterin: Olexandra Khibovska

21 Beisitzer/innen

„SPD als Kümmerer vor Ort“

In seiner 20-minütigen Bewerbungsrede blickte Gregor Forster auf die für die SPD zuletzt krachend verlorenen Wahlen in Bund, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zurück. „Es passt einfach nicht in der SDP derzeit. Auch die Kommunalwahl war für uns im Unterbezirk sehr enttäuschend.“ Für ihn unverständlich sei, dass das ehrenamtliche Engagement vieler Genossinnen und Genossen in Vereinen und Organisationen nicht mehr anerkannt werde. „Doch gerade jetzt, wo die CDU/CSU in Europa, Bund und Land fast täglich an der Brandmauer rüttelt, und das schleichende Gift des Nazismus schleichend in die Gesellschaft eindringt, ist die SPD so wichtig.“ Die Rechtspopulisten verglich Forster mit Rattenfängern, die reines Blendwerk verbreiteten und nichts anderes im Sinn hätten, als die Demokratie im Land abzuschaffen.

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Der neue Vorsitzende räumte auch mit der „Mär“ auf, dass es den Leuten gut gehe, wenn es der Wirtschaft gut gehe. Unter dem Beifall der Delegierten sagte Forster: „Den meisten Unternehmen ist nur der Profit wichtig. Die Menschen dahinter sind denen vollkommen egal.“ Die SPD werde sich mit allen Mitteln gegen den Abbau der Arbeitnehmerrechte wehren. „Der Gipfel ist die jüngste Idee der Konservativen, den 1. Mai als Feiertag abzuschaffen. Das wird mit der SPD nicht zu machen sein.“ Er wolle dafür sorgen, dass die SPD-Mitglieder an den Stammtischen, am Arbeitsplatz oder in den Vereinen ihre Argumente ohne Scheu vortragen und man so zu alter Stärke zurückfinde. „Wir müssen Kümmerer vor Ort sein und zeigen, dass es die SPD noch gibt und sie so wichtig ist.“

Steckbrief Gregor Forster

Gregor Forster. Foto: Udo Fürst

Alter: 44

Familie: verheiratet mit Karolina, drei Kinder

Beruf: Realschullehrer für die Fächer Geschichte, Deutsch und Politik

Partei: 25 Jahre in der SPD; stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Eschenbach

Vereine: Schriftführer Heimatverein Eschenbach, Jugendschöffe, Elternbeirat

Abschiedsgeschenke und neue Leute

Neben Simon Grajer beendeten auch sein Stellvertreter Uli Roth (Kreisverband Tirschenreuth) und Schatzmeister Dominik Brütting (Neustadt/WN) ihre Tätigkeit. Für sie rücken Gunar Prauchke (Stellvertreter, Tirschenreuth) und Adrian Kuhlemann (Kassierer, Neustadt) nach. Neue Schriftführerin ist Sarah Lehner aus Weiden. Die Ausgeschiedenen bekamen für ihre Arbeit jeweils ein Geschenk.