Mit Schaufel und Leidenschaft: Wie der Fahrenberg zum Mountainbike-Erlebnis wird
Mit Schaufel und Leidenschaft: Wie der Fahrenberg zum Mountainbike-Erlebnis wird
Ein paar Schaufeln Erde, kräftige Hände und jede Menge Begeisterung: An diesem tristen Freitagnachmittag wird am Fahrenberg nicht einfach nur ein Weg freigeräumt. Zwischen Wurzeln, Steinen und dichtem Laubwald entsteht ein Stück neue Mountainbike-Infrastruktur für den nördlichen Oberpfälzer Wald. Die Helfer schaufeln, schleppen und schneiden Äste zurück. Mittendrin: Robert Rieger, der mit geschultem Blick den Verlauf des Trails prüft und erklärt, wo noch nachgebessert werden muss.
Für Sportler attraktive Naturräume, die sich in die Landschaft einfügen
Dem Mittelfranken ist die Leidenschaft fürs Radfahren – genauer gesagt fürs Mountainbiken – anzumerken. Als Geschäftsführer der Full-Service-Agentur RideTime GmbH entwickelt er seit Jahren nachhaltige Natursportkonzepte in Bayern und darüber hinaus. Beim Projekt „4 Trails“ bringt er seine Erfahrung nun an die Grenze zwischen Bayern und Tschechien. Sein Ziel: Naturräume zu schaffen, die für Mountainbiker attraktiv sind, sich in die Landschaft einfügen und langfristig funktionieren. „Mit innovativen Natursportkonzepten glauben wir an eine gemeinsame Zukunft aller Aktiven auf den Waldwegen.“
Mit innovativen Natursportkonzepten glauben wir an eine gemeinsame Zukunft aller Aktiven auf den Waldwegen.
Robert Rieger, Projektant des Oberpfälzer Woldtrails
Am Fahrenberg wird diese Idee ganz konkret. Gleich hinter der Wallfahrtskirche führt ein 2,7 Kilometer langer Abschnitt durch den Laubwald ins Tal. Er gehört zur „Zone Mitte“, zu der neben dem Fahrenberg auch die Kommunen Vohenstrauß, Leuchtenberg, Waldthurn, Pleystein und Waidhaus zählen. Die freiwilligen Helfer befreien den Weg von gefährlichen Wurzeln und Steinen, kürzen Äste und gleichen einzelne Stellen aus. Wo es sinnvoll ist, entstehen kleine Rampen. „Wir gestalten hier eben eine echte Mountainbikestruktur“, sagt Rieger.
Schon Josef Beimler hatte eine Idee
Eine gute Handvoll Helfer ist an diesem Nachmittag dabei. Unter ihnen sind Max Solfrank und Michael Tiegs aus Waldthurn sowie Michael Völkl aus Pleystein. Sie gehören zu den „11 Freunden“, dem Zusammenschluss von elf Grenzlandgemeinden unter dem Dach der Tourismusgemeinschaft Naturparkland Oberpfälzer Wald. Eslarn, Floß, Flossenbürg, Georgenberg, Leuchtenberg, Moosbach, Pleystein, Tännesberg, Vohenstrauß, Waidhaus und Waldthurn möchten gemeinsam die Region voranbringen. Das Mountainbikeprojekt ist ein Beispiel dafür, wie aus dieser Zusammenarbeit ein konkretes Angebot für Einheimische und Gäste entstehen soll.
„Wir sollten die Strecke ‚Wurzel-Sepp-Trail‘ oder so ähnlich nennen.
Max Solfrank, Mitglied der „11 Freunde“
Während die Schaufel wieder in die Erde fährt, erinnert sich Max Solfrank an eine Begegnung mit dem früheren Waldthurner Bürgermeister Josef Beimler. „Der Sepp hat schon vor zehn Jahren gesagt: ‚Was machen wir denn jetzt mit einer Mountainbikestrecke?‘“ Heute bekommt die Idee Gestalt. Für Solfrank wäre es deshalb nur passend, den Abschnitt am Fahrenberg einmal nach dem langjährigen Bürgermeister zu benennen. Sein Vorschlag: „Wurzel-Sepp-Trail oder so ähnlich.“ Robert Rieger und Illona Hunsperger, ILE-Managerin und Umsetzungsbegleiterin der „11 Freunde“ sowie Ansprechpartnerin für „4 Trails“, können sich mit dem Gedanken durchaus anfreunden.

4 Trails in 4 Zonen startet im Oberpfälzer Naturparkland und an der Silberhütte
Flossenbürg/Vohenstrauß. Am 3. August ist am Wurmstein in Flossenbürg der Startschuss für das Projekt „4 Trails in 4 Zonen – Mountainbiken im Grenzland“ gefallen. Insgesamt entstehen vier Mountainbike-Angebote mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden im Naturparkland Oberpfälzer Wald. Die offizielle Eröffnung ist für Frühjahr 2027 geplant.
„Eingriffe in die Natur gering halten“
Doch bei dem Projekt geht es um mehr als um einen neuen Ort zum Biken. Rieger setzt auf ein Miteinander verschiedener Natursportarten. „Mit innovativen Natursportkonzepten schaffen wir nutzbare Räume für Mountainbiker, Wanderer, Trailläufer und andere Natursportler. Wir glauben an eine gemeinsame Zukunft auf den Wegen.“ Die Eingriffe in die Natur sollen dabei möglichst gering bleiben. Der bestehende Weg wird nur punktuell angepasst, der Bewuchs behutsam zurückgeschnitten. Es gehe nicht darum, den Wald großflächig umzugestalten, sondern die Strecke so herzurichten, dass sie sicher und sinnvoll genutzt werden kann.
Das Konzept verfolgt mehrere Ziele: Mountainbiker sollen auf geeignete Strecken gelenkt werden, damit Natur und andere Erholungssuchende möglichst wenig beeinträchtigt werden. Gleichzeitig soll das kostenfreie Sportangebot Menschen nach draußen bringen, das Interesse an der heimischen Landschaft stärken und zusätzliche Gäste in die Region locken. Davon könnten auch Gastronomie und Einzelhandel profitieren.
Die Mountainbike-Szene beteiligt sich ganz aktiv am Bau der Trails.
Illona Hunsperger, ILE-Managerin und Umsetzungsbegleiterin
„Zammlanga“ und „Zammsitzen“
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Mountainbike-Community selbst. „Besonders ist auch die Einbindung der Community: Die Mountainbike-Szene beteiligt sich ganz aktiv am Bau der Trails“, sagt Illona Hunsperger. Die freiwilligen Helfer bringen nicht nur ihre Arbeitskraft mit, sondern auch ihre Erfahrung und Ideen. So entsteht die Strecke nicht am Reißbrett allein, sondern gemeinsam mit jenen, die sie später nutzen werden.
Bis 17 oder 18 Uhr wollen die Helfer an diesem Freitag noch am Fahrenberg-Trail arbeiten. Dann ist Schluss mit Schaufeln und Astscheren. Zum Abschluss geht es auf ein Seidel in den Berggasthof. Denn bei aller Planung, Streckenführung und Arbeit im Wald gehört für Robert Rieger noch etwas Wesentliches dazu: das Miteinander. Genauso wichtig wie das „zammlanga“ sei hinterher das „zammsitzen“. Und so wächst am Fahrenberg nicht nur ein neuer Trail, sondern auch ein Stück Gemeinschaft.
Weitere Informationen unter https://11-freunde.de/de/projekte/mountainbike-trailpark


