Das Miteinander der Offenen Hilfen ist ein Segen für Menschen mit Behinderung
Das Miteinander der Offenen Hilfen ist ein Segen für Menschen mit Behinderung
Menschen mit Behinderungen wollen genauso leben wie nichtbehinderte Menschen. Sie möchten mobil sein und ihren Alltag ohne fremde Hilfe meistern können. Und sie haben ein Recht darauf. Denn niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden – so steht es im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Dieses Grundrecht garantieren in der Region Weiden/Neustadt/WN vorwiegend die Offenen Hilfen des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) Irchenrieth, die Offene Behindertenarbeit des Allgemeinen Rettungsverbands Oberpfalz (ARV) oder die Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung (EUTB).
Dass bei der Gleichstellung von Menschen mit Behinderung noch einiges im Argen liegt, zeigt die geplante Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes. Das reicht Betroffenen nicht aus, findet unter anderem der Autor Raúl Krauthausen (@raulkrauthausen). Nach wie vor bleibe Barrierefreiheit am guten Willen privater Unternehmen hängen, meint der Aktivist. https://www.instagram.com/p/DYjqv-2kabh/?img_index=1&igsh=MTJzeGFubWFjbzduag==
Ein Auftrag, der fordert
Kürzlich stellten die drei Organisationen beim ARV ihre Jahresberichte vor. Interessierte Gesprächsteilnehmer waren die Behindertenbeauftragten der Stadt Weiden, Alexander Grundler, und des Landkreises Neustadt/WN, Bernd Lober, sowie ARV-Geschäftsführer Christian Henkens. Quintessenz der Berichte von Martina Grüner (HPZ), Lydia Wetzel, Manuela Da Ros (ARV/OBA) und Andrea Wiedel (EUTB): Es gab viel zu tun, mehr Aufgaben und Angebote. Unterstützung und Inklusion sind für die Dienste nicht nur Begriffe, sondern ein Auftrag, der einen fordere, und den man sehr ernst nehme. „Und dabei ist unsere vertrauensvolle Zusammenarbeit ein essenzieller Faktor“, betonte Grüner.
Seit vielen Jahren ist die Offene Behindertenarbeit ein fester Bestandteil der Arbeit beim ARV Oberpfalz. Wie Frau Wetzel berichtete, seien die Treffs in der „Sonneninsel“ und zum „Kaffeehaferl“ für viele Gäste nicht mehr wegzudenkende und außerordentlich beliebte Angebote. Dazu gehörten auch zahlreiche Ausflüge, Sommerfeste und Adventsfeier und die Zeitschrift „BeOBAachter“, die inklusiv erarbeitet werde. Der Bericht der OBA beinhaltet folgende Zahlen:
- 44 Mal war die Sonneninsel am Freitagnachmittag geöffnet
- 24 Mal „Kaffeehaferl“ am Mittwochnachmittag
- 6 Treffen der Zeitschriften-Redaktion „BeOBAchter“
- 23 weitere Freizeit-, Bildungs- und Begegnungsveranstaltungen mit insgesamt 233 Teilnehmenden
- 173 Beratungen, je zur Hälfte persönlich sowie telefonisch/ schriftlich
HPZ-OH: 9250 ehrenamtliche Stunden
Martina Grüner berichtete von den Aktivitäten des HPZ Irchenrieth. Im vergangenen Jahr habe man sich mit vielen Trägern und Organisationen neu vernetzt, auch weil gesetzliche
Änderungen und Aufgabenverteilungen zwischen Bezirk und Kommunen berücksichtigt werden müssten. In der Offenen Hilfe (OH) waren 73 ehrenamtliche Helfer aktiv, die 9250 Stunden (5,78 Vollzeitstellen) und damit zehn Prozent mehr als im Vorjahr geleistet hätten.
Man habe 213 Menschen mit Beeinträchtigung bei Freizeit- und Bildungsangeboten sowie beim „Familienentlastenden Dienst“ (FED) 151 Menschen in 5235 Stunden begleitet und betreut. 484 Menschen hätten die OH-Struktur mit Beratung und/oder Betreuung genutzt. Außerdem habe man 111 (2024: 93) Freizeit-, Bildungs- und Begegnungsmaßnahmen beziehungsweise Entlastungsangebote sowie vier Urlaubsfahrten organisiert.
Gut besucht seien die Gesprächskreise und Angebote für Eltern und Angehörige von Menschen mit Behinderung und für Autismusspektrumstörung von Eltern und Angehörigen gewesen. „Die Beratung der Eltern und Angehörigen über die Rechtslagen wird immer aufwendiger und komplexer. Dadurch fühlen sich die Betroffenen oft überfordert, wie uns häufig mitgeteilt wird“, erklärte Frau Grüner. Man freue sich, dass in der Stadt Weiden die Fußgängerzone barrierefrei gestaltet wird. Wichtig wäre es, wenn im Jugendzentrum (JUZ) Weiden ein Aufzug eingebaut würde, damit Menschen mit Behinderung das Haus einfacher nutzen könnten.
Wir beackern manch komplizierte Fälle, wobei die Ratsuchenden fast immer sehr zufrieden sind.
Andrea Wiedel, Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung
Viele komplizierte Fälle
Bis vor einem guten halben Jahr war die EUTB im ARV-Haus in der Parksteiner Straße untergebracht. Seit dem 1. Oktober 2025 ist die Fachberatung unter der Adresse „Zur Centralwerkstätte 1“, in den Räumen der Regenbogenwerkstatt des HPZ zu finden. „Dort fühlen wir uns sehr wohl und haben beste Vernetzungsmöglichkeiten“, erklärte Andrea Wiedel. Der Schwerpunkt der EUTB-Beratungen liege bei den Themen Schwerbehindertenausweis, finanzielle Sicherung, Gesundheit, Behördenumgang und Antragstellung bei der Renten- und Krankenversicherung, Arbeitsagentur oder Jobcenter.
70 Prozent der Beratungen fänden mit Menschen mit körperlicher oder psychischer Behinderung (251 in der Stadt Weiden und im Landkreis Neustadt/WN) und 30 Prozent (133) mit Angehörigen statt. Bei Letzteren handle es sich meist um Eltern von Kindern oder Kindern von betagten Eltern. „Wir beackern da manch komplizierte Fälle, wobei die Ratsuchenden fast immer sehr zufrieden sind“, betonte Wiedel.









