Jetzt Tickets für die kommenden Jahn-Spiele sichern!
Vereinigte Sparkassen – Baufinanzierung
Vereinigte Sparkassen – Baufinanzierung

Bezirkswechsel eint Kirchenpingarten und Haidenaab

Haidenaab-Kirchenpingarten. Zwei Traditionsvereine wagen Neues: ASV Haidenaab/Göppmannsbühl und SSV Kirchenpingarten bündeln Kräfte und überschreiten dafür Bezirksgrenzen. Ihr Projekt soll den Amateurfußball zukunftsfest machen.

Bezirkswechsel eint Kirchenpingarten und Haidenaab

Foto: Wolfgang Hübner
Foto: Wolfgang Hübner
Foto: Wolfgang Hübner
Foto: Wolfgang Hübner
Foto: Wolfgang Hübner
Foto: Wolfgang Hübner

Als am warmen Montagabend Ende Juni die ersten Spieler auf den Sportplatz des SSV Kirchenpingarten einlaufen, wirkt vieles zunächst wie der Beginn einer gewöhnlichen Saisonvorbereitung. Alte Bekannte begrüßen sich, neue Gesichter werden vorgestellt, Bälle rollen über den Rasen. Doch wer genauer hinsieht, erkennt schnell: Dieser Abend markiert weit mehr als den Trainingsauftakt zweier Fußballmannschaften. Er ist der Startschuss für eines der außergewöhnlichsten Gemeinschaftsprojekte, das der Amateurfußball in Nordostbayern in den vergangenen Jahren erlebt hat.

Neues Kapitel für ASV Haidenaab/Göppmannsbühl und SSV Kirchenpingarten

Mit Beginn der Saison 2026/27 schlagen der ASV Haidenaab/Göppmannsbühl und der SSV Kirchenpingarten ein neues Kapitel auf. Zwei Traditionsvereine, die jahrzehntelang in unterschiedlichen Fußballbezirken beheimatet waren, bündeln ihre Kräfte und stellen sich gemeinsam den Herausforderungen der Zukunft. Es ist eine Entscheidung, die weit über sportliche Überlegungen hinausgeht und beispielhaft zeigt, wie sich der Amateurfußball den gesellschaftlichen Veränderungen anpassen muss.

Seltenes Modell: Bezirkswechsel macht Kooperation möglich

Die größte Besonderheit dieser Zusammenarbeit spielt sich dabei nicht auf dem Fußballplatz ab, sondern in der Verbandsstruktur des Bayerischen Fußball-Verbandes. Damit die Kooperation überhaupt möglich wurde, verlässt der SSV Kirchenpingarten seinen angestammten oberfränkischen Spielkreis Bayreuth-Kulmbach und schließt sich künftig dem oberpfälzischen Kreis Amberg/Weiden an. Ein solcher Bezirkswechsel ist im bayerischen Amateurfußball ausgesprochen selten und entsprechend aufmerksam wurde dieser Schritt verfolgt.

Dass diese Entscheidung nicht überall auf Begeisterung stieß, überrascht kaum. In Oberfranken kämpft der Verband – wie viele andere Regionen Bayerns – mit rückläufigen Mannschaftszahlen. Jeder Verein, der einen Spielkreis verlässt, bringt dessen Struktur weiter unter Druck. Schließlich benötigt jeder Kreis eine ausreichende Anzahl an Mannschaften, um langfristig eigenständig bestehen zu können. Die Diskussionen hinter den Kulissen zeigten deshalb, wie groß die Herausforderungen inzwischen geworden sind. Letztlich genehmigte der Bayerische Fußball-Verband den Wechsel nach den geltenden Statuten. Damit war der Weg frei für ein Projekt, das viele als Modell für die Zukunft sehen.

Idee reift seit dem Winter – Verantwortliche setzen auf Miteinander

Die Idee dazu entstand nicht über Nacht. Bereits im vergangenen Winter führten ASV-Vorsitzender Stephan Veigl und SSV-Fußballabteilungsleiter Stefan Legath erste Gespräche. Beide kannten die Entwicklungen im Amateurfußball nur zu gut: kleinere Jahrgänge, berufliche Belastungen, immer weniger Spieler, die Woche für Woche zuverlässig zur Verfügung stehen. Schnell wurde klar, dass beide Vereine vor denselben Herausforderungen stehen. Statt abzuwarten, entschieden sich die Verantwortlichen zum Handeln. In unterschiedlichen Arbeitsgruppen fanden Gesprächsrunden statt, Ergebnisse wurden zusammengetragen, ausgewertet und münden nun in einer SG-Vereinbarung, die noch von den beiden Vorständen Holger Seiler und Stephan Veigl unterzeichnet wird.

„Uns war wichtig, dass es menschlich passt“, betonen beide übereinstimmend. Genau darin sehen sie heute die größte Stärke der neuen Gemeinschaft. Die Spieler kennen sich vielfach bereits aus gemeinsamen Jugendmannschaften, Rivalitäten spielen kaum eine Rolle. Vielmehr überwiegt die Vorfreude auf einen gemeinsamen Neuanfang.

Witron Bewerbertag 18.07.
Witron Bewerbertag 18.07.

Sportliches Konzept: Erste bleibt eigenständig, SG startet in der A-Klasse

Sportlich wurde das Projekt bewusst klar strukturiert. Die erste Mannschaft des ASV Haidenaab-Göppmannsbühl bleibt als eigenständiges Kreisligateam erhalten und tritt weiterhin in der Kreisliga Nord des Fußballkreises Amberg/Weiden an. Verstärkt wird der Kader durch mehrere Spieler des SSV Kirchenpingarten, deren Spielberechtigungen auf den ASV übertragen wurden, damit sie in der Kreisliga eingesetzt werden können. Für den ASV bedeutet dies eine deutliche Verbreiterung des Kaders und zusätzliche Qualität, ohne die Identität des Vereins aufzugeben.

Darunter entsteht etwas völlig Neues. Aus der bisherigen zweiten Mannschaft des ASV und der ersten Mannschaft des SSV wird künftig die Spielgemeinschaft ASV/SSV I gebildet, die in der A-Klasse an den Start geht. Ergänzt wird das Konzept durch eine weitere SG-Mannschaft. Die Verantwortlichen entschieden sich bewusst für drei Herrenteams anstatt vier. Die Erfahrungen vieler Vereine hätten gezeigt, dass Quantität heute nicht mehr entscheidend sei. Wichtiger seien drei leistungsfähige Mannschaften mit ausreichend Spielern, hoher Trainingsbeteiligung und gesundem Konkurrenzkampf.

Trainerteam steht – klare Rollen und Verantwortlichkeiten

Auch personell wurde nichts dem Zufall überlassen. Die Kreisligamannschaft wird weiterhin von Michael Kaufmann gemeinsam mit Torsten Küffner und Maximilian Langsteiner betreut. Die neue SG übernimmt Markus Etterer als Cheftrainer – ein Mann, der beide Vereine aus seiner Zeit als Spieler und Trainer bestens kennt und deshalb ideale Voraussetzungen mitbringt, zwei Mannschaften zusammenzuführen. Luca Vetter übernimmt die zweite Mannschaft der SG und wird dabei von Betreuer Paul Hecht unterstützt.

Schon bei den ersten Trainingseinheiten wurde deutlich, welche Philosophie künftig gelten soll. Michael Kaufmann sprach nicht zuerst über Taktik oder Tabellenplätze. Stattdessen formulierte er Werte. Niemand rede schlecht über Mitspieler, weder innerhalb der Mannschaft noch gegenüber anderen Vereinen. Probleme sollen offen angesprochen werden.

Gemeinsame Werte als Leitbild der Zusammenarbeit

Wer private oder berufliche Schwierigkeiten habe, solle frühzeitig das Gespräch suchen. Und eine Regel stellte der Trainer besonders heraus: Eine Mannschaft verlässt den Platz immer gemeinsam – unabhängig davon, ob sie gewonnen oder verloren hat. Diese Worte wirkten fast wie ein Leitbild für das gesamte Gemeinschaftsprojekt.

Auch außerhalb des Spielfeldes wächst die neue Einheit zusammen. Gemeinsame Trainingskleidung, Trikots mit beiden Vereinslogos, eine neue Team-App sowie gemeinsame Veranstaltungen sollen aus zwei Vereinen eine Gemeinschaft formen. Das traditionelle Sportfest des SSV Kirchenpingarten wurde deshalb bewusst als erste große Bühne genutzt. Hier trafen sich Spieler, Verantwortliche, Mitglieder und Fans erstmals in neuer Konstellation. Aus ehemaligen Gegnern wurden Mitspieler. Aus Nachbarvereinen wurden Partner.

Saisonstart als Gradmesser – Spiele am 24. und 26. Juli

Die erste sportliche Bewährungsprobe wird nicht lange auf sich warten lassen. Zum Auftakt der Kreisligasaison wartet mit dem TSV Pleystein ausgerechnet ein Aufsteiger, der sich nach einer beeindruckenden Spielzeit als Vizemeister der Kreisklasse Ost über die Relegation den Aufstieg in die Kreisliga Nord gesichert hat. Für den ASV wird dieses Spiel weit mehr sein als ein gewöhnlicher Saisonstart. Es ist die erste Gelegenheit zu zeigen, dass die neue Zusammenarbeit nicht nur auf dem Papier funktioniert. Stattfinden wird das Spiel als Auftakt zum Sportfest am Freitag, 24. Juli, ab 18 Uhr. Am Sonntag, 26. Juli, starten dann die beiden anderen Mannschaften gegen SV Neusorg II (B-Klasse) beziehungsweise SC Schwarzenbach (A-Klasse).

Signalwirkung über den Fußballkreis hinaus

Unabhängig vom sportlichen Ausgang hat das Projekt schon jetzt eine Signalwirkung. Während vielerorts Vereine um ihren Fortbestand kämpfen oder Mannschaften vom Spielbetrieb abmelden müssen, haben sich zwei Nachbarvereine bewusst für einen anderen Weg entschieden. Sie setzen nicht auf Konkurrenz, sondern auf Kooperation. Nicht auf kurzfristige Lösungen, sondern auf nachhaltige Entwicklung.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Bedeutung dieser Zusammenarbeit. Der ASV Haidenaab-Göppmannsbühl und der SSV Kirchenpingarten reagieren nicht auf eine Krise – sie gestalten ihre Zukunft aktiv. Mit Mut, gegenseitigem Vertrauen und der Bereitschaft, traditionelle Grenzen zu überwinden. Die geografische Grenze zwischen Oberfranken und der Oberpfalz verliert dabei ebenso an Bedeutung wie alte Vereinsgrenzen.

Vorbildcharakter für die Region

Am Ende könnte dieses Projekt weit mehr sein als eine erfolgreiche Spielgemeinschaft. Es könnte zum Vorbild für viele andere Vereine werden, die in den kommenden Jahren vor denselben Herausforderungen stehen. Denn eines zeigt die neue Partnerschaft schon heute eindrucksvoll: Die Zukunft des Amateurfußballs entsteht dort, wo Menschen bereit sind, gemeinsam neue Wege zu gehen.

Tipp: Wenn Du etwas googelst, bekommst Du neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt.
Wenn Du OberpfalzECHO als bevorzugte Quelle hinterlegst, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Dich auf.
Füge jetzt OberpfalzECHO Deinen Quellen hinzu!