Jahn in Liga 3: Erst Chancenwucher, dann grippaler Einbruch in Hoffenheim
Jahn in Liga 3: Erst Chancenwucher, dann grippaler Einbruch in Hoffenheim
Ein Abend ohne Grund zum Feiern, obwohl der Jahn – wie Trainer Michael Wimmer zu Recht feststellt – die Partie in den ersten 45 Minuten eigentlich hätte entscheiden müssen. Bärenstark, gallig, präsent: fünf Monsterchancen, die größte durch Christian Kühlwetter allein vor TSV-Keeper Lukas Petersson (34.). Doch das Quäntchen Glück bleibt wie eingefroren im Kraichgau zurück.
Nach der Pause macht sich die Grippewelle bemerkbar, die während der Trainingswoche die halbe Mannschaft überrollt hat. Oscar Schönfelder schleppt sich am Zahnfleisch über den Platz, hält sich vor Erschöpfung am Gegenspieler fest und sieht zu Recht Gelb.
Schiedsrichter Jonah Besong – anders als sein Kollege gegen Rostock – lässt mit großzügiger Linie vieles laufen und kann beim besten Jahn-Willen nicht als Buhmann herhalten. Der Elfmeter zum 1:0 ist unstrittig: Eine ärgerliche Unkonzentriertheit von Leo Mätzler, der nach eigenem Einwurf im Strafraum den Fuß stehen lässt. Dass dann auch noch der überragende Jahn-Keeper Felix Gebhardt die Kugel mit beiden Händen nicht mehr von der Linie kratzen kann, macht das Pech komplett.
Regensburg beginnt dominant
Hoffenheims Trainer Stefan Kleineheismann bringt nach dem 2:3 in Ingolstadt lediglich Ben Labes anstelle von Mokwa in die Sturmspitze. Ansonsten lässt er seine Elf unverändert. Jahn-Coach Michael Wimmer setzt nach dem 0:3 gegen Hansa Rostock auf Oscar Schönfelder, Philipp Müller und Lukas Hermes, die Sebastian Stolze (Bank), Adrian Fein (Gelbsperre) und Nick Seidel (Rotsperre) ersetzen.
Den Ton geben schnell ausschließlich die Gäste an – nicht nur wegen der erdrückenden Stimm-Überlegenheit der Regensburger Fans: Die Oberpfälzer gewinnen Zweidrittel der Zweikämpfe, spielen zielstrebig nach vorne – die TSG schiebt sich ungewohnt zaghaft den Ball quer. Nur die Tore fehlen. Eric Hottmann (14.) und Noel Eichinger (22.) scheitern aussichtsreich. Eine abgefälschte Flanke klatscht an die Latte, Benedikt Saller verzieht knapp (29.). Kühlwetter (34.), erneut Eichinger (43.) und Hermes (45.+1) lassen Chancen zu einer möglichen hochverdienten Pausenführung liegen.
Duric mit Glück vom Punkt
Nach dem Seitenwechsel ändert sich die Statik völlig: Hoffenheim presst höher, kommt zu Abschlüssen durch Deniz Zeitler (48., 53.) und zwang Jahn-Keeper Felix Gebhardt mehrfach zu Glanzparaden (57., 71.). In dieser Drangphase unterläuft Leo Mätzler der spielentscheidende Fehler: ein ungestümes Einsteigen gegen Ayoube Amaimouni-Echghouyab im eigenen Strafraum. Luka Duric schießt den Strafstoß unplatziert, Gebhardt ist dran – lenkt die Kugel aber dennoch ins linke Eck (73.).
Gebhardt verhindert gegen Zeitler den Doppelschlag (74.), doch für eine Schlussoffensive fehlen die Kräfte: Die Grippewelle hat spürbare Spuren hinterlassen. Ein Spiel mit zwei Gesichtern, das über weite Strecken ein Remis verdient hätte, geht mit 1:0 an die TSG. Der Regensburger Anhang richtete die erschöpfte Mannschaft nach Abpfiff lautstark wieder auf – ein Zeichen, dass Leistung und Kampfgeist trotz allem Anerkennung verdienen.
Stimmen zum Spiel
Jahn-Trainer Michael Wimmer: „Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt, hatten gute Balleroberungen und vier, fünf richtig gute Chancen, mit denen wir das Spiel entscheiden können und mit 2:0 in die Pause gehen müssen. Nach der Halbzeit haben wir den Zugriff verloren, Hoffenheim hat ein paar Dinge verändert. In der zweiten Halbzeit war Hoffenheim klar besser, hatte sehr gute Chancen, bei denen uns Felix gerettet hat.
Auch das 0:1 fällt in ihrer Drangphase. Danach waren wir wieder da, aber ohne zwingende Möglichkeiten. Aufgrund der ersten Halbzeit wäre ein Remis verdient gewesen – oder wir hätten es vorher killen können. Natürlich ärgert es mich, aber die Jungs schießen ja nicht absichtlich vorbei. Eine Mannschaft, die schon etwas weiter ist, hätte vielleicht den Sack zugemacht. Deshalb stehen wir leider mit leeren Händen da.“
Gebhardt: „Müssen uns belohnen“
Jahn-Keeper Felix Gebhardt: „Es ist sehr ärgerlich, vor allem wenn man so eine erste Halbzeit spielt, wo man 1:0 oder 2:0 führen muss. Dann wäre es eine ganz andere zweite Halbzeit geworden. Hoffenheim hat gute Einzelspieler, die immer gut in Szene gesetzt werden. Bitter, dass wir wieder mit leeren Händen dastehen. Vor allem aus eigenem Einwurf den Elfer zu kassieren.
Ich wollte beim Strafstoß eigentlich stehen bleiben, aber da war zu viel Zug dahinter – den noch rauszukriegen ist schwer. Wir nehmen mit, dass wir eine richtig gute erste Halbzeit gespielt haben, uns aber belohnen müssen. Den Fans, die wieder so abgerissen haben, muss man einfach etwas zurückgeben.“
TSG-Trainer Stefan Kleineheismann: „Die erste Halbzeit geht klar an Regensburg. Wir haben ein paar Sachen angepasst – und aufgrund der zweiten Halbzeit ist es dann doch ein verdienter Sieg.“
Ausblick: Jetzt Waldhof!
Gegen Waldhof Mannheim wartet am kommenden Wochenende ein Gegner, der mit 5 Punkten Vorsprung auf Platz 9 rangiert. Für den Jahn bedeutet das:
- an die eklige erste Halbzeit von Hoffenheim anknüpfen,
- die Chancen endlich wieder verwerten,
- die Grippewelle überwinden,
- und sich von der eigenen Kulisse tragen lassen.
Wenn der Jahn diese Energie aus Hälfte 1 mit ins Heimspiel nimmt, ist der nächste Schritt aus dem Tabellenkeller absolut möglich. Mögen die Körner zurückkehren – und die Effizienz endlich einziehen.




