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Jahn in Liga 3: Steigbügelhalter für Tabellenführer MSV Duisburg

Duisburg. Diesen Fußball wollen wir nicht sehen, sagt ein enttäuschter Michael Wimmer. Sofern man das Stochern des SSV Jahn im Trüben noch so nennen kann. Mutlose Regensburger sind vor 20.000 Zuschauern ein Aufbaugegner für Duisburgs Rückeroberung der Tabellenspitze.

Jahn in Liga 3: Steigbügelhalter für Tabellenführer MSV Duisburg

Hängende Köpfe, hängende Schultern: SSV Jahn Aufbaugegner für MSV Duisburg. Foto: jrh

Schwer zu verstehen, was in den Köpfen und Beinen der Regensburger Spieler vor sich geht. Nach einem desaströsen Start in die Saison scheint sich der Zweitliga-Absteiger gegen Ende der Vorrunde zu fangen.

Michael Wimmers Strukturplan wird langsam sichtbar, der SSV Jahn ergänzt hohe Laufbereitschaft mit Kombinationsfußball. Die Ergebnisse machen Mut und die Vorbereitung mit zwei Siegen gegen höherklassige Teams lässt hoffen.

Rückfall mit Ansage: viel Leerlauf, wenig Leben

Und dann das: Die Oberpfälzer starten in die Rückrunde, als wollten sie nahtlos an den konfusen Fußball der Hinrunde wie dem 0:4 gegen Duisburg anknüpfen. Mut und Leidenschaft? Stattdessen hängende Schultern und hektische Fouls. Luftlöcher, Kerzen, planlose lange Bälle statt Kombinationen – das Resultat: zwei bis drei Zufallshalbchancen im ganzen Spiel.

Dem MSV reichen zwei präzise Standards von Patrick Sussek (27., 52.), dem Man of the Match, und zwei Vollstrecker. Joshua Bitter köpft nach Freistoßflanke zur verdienten Führung ein (27.). Felix Gebhardt, mit Abstand bester Regensburger, ist noch mit den Fingerspitzen dran, doch der Ball springt vom Innenpfosten ins Netz. Nach der Pause dasselbe Muster: Ecke Sussek, Verlängerung Alexander Hahn, Abpraller – Lex Tyger Lobinger staubt ab (52.). 2:0, Deckel drauf, und eher schmeichelhaft für den Jahn.

Denn Duisburg hätte vor und nach der Pause erhöhen können. Patrick Sussek zieht immer wieder an, prüft Felix Gebhardt mehrfach (38., 45.+2), Can Coskun und Jesse Tugbenyo sorgen für Dauerstress über die Flügel. Regensburg dagegen bleibt harmlos. Der erste Torschuss entsteht erst nach einem Standard, Sebastian Stolze jagt die Kugel über die Latte (41.).

Adrian Feins gelingt nur ein einziger halbwegs gefährlicher Schuss: SSV Jahn Aufbaugegner für MSV Duisburg. Foto: jrh

Hottmanns Lupfer, Feins Schlenzer

Nach dem Seitenwechsel überlässt der MSV den Gästen zeitweise den Ball – ohne Risiko. Der Jahn streut Ungenauigkeiten wie Konfetti. Aus dem Nichts hat Eric Hottmann nach feinem Steckpass von Andreas Fein die beste Chance, scheitert aber mit dem Lupfer an Vincent Müller (62.). Mehr kommt nicht. Auch die Wechsel – Phil Beckhoff für Christian Kühlwetter (77.), Noel Eichinger für Florian Dietz (64.) – verpuffen. Beckhoff zeigt immerhin Auge und Eifer, doch ohne Ertrag.

OTH Amberg-Weiden
OTH Amberg-Weiden

In der Schlussphase verwaltet Duisburg, Regensburg läuft an – ohne anzubrennen. Lediglich Feins Schlenzer, halb Flanke, halb Schuss, erzürnt Duisburgs Keeper, weil seine Abwehr nur zuschaut. John Xaver Posselt verzieht aus der Distanz (86.), Felix Gebhardt verhindert gegen Dennis Borkowski sogar noch das 0:3 (90.+2). Dann ist Schluss. Verdient, deutlich, ernüchternd.

„Das ist nicht der Fußball, den ich sehen will“

Jahn-Trainer Michael Wimmer: „Um ganz ehrlich zu sein: Ich habe den Alarmmodus noch nie abgeschaltet. Ich bin mir der Lage immer bewusst. Und ich habe immer gesagt, dass wir die Punkte brauchen, um da hinten rauszukommen. Für uns gibt es nichts anderes, als alles dafür zu tun, dass wir nächstes Jahr Dritte Liga spielen. Ich hatte in der ersten Halbzeit überhaupt nicht das Gefühl, dass das Spiel kippen kann, weil wir nicht mutig genug waren. Wir haben hinten drin gestanden, wir haben im Ballbesitz jeden Ball nach vorn gedroschen – und das ist auch nicht der Fußball, den ich sehen will. Da haben wir die Balance nicht gefunden: Wann kann man spielen, wann kann man etwas machen. Duisburg war in allen Belangen in der ersten Halbzeit überlegen. Schade ist trotzdem, dass es wieder ein Standardtor ist.

Der Druck ist die ganze Zeit schon groß. Ich habe noch nie woanders hingeschielt als nach unten, weil ich mir der Situation bewusst bin und weiß, wie eng die Spiele und die Liga sind. Deshalb hat sich der Druck auch nicht verändert. Wir sind noch über dem Strich, aber das zählt momentan gar nicht – es zählen nur die Punkte. Und für die Punkte braucht man mehr Mut, mehr Leidenschaft. Ich glaube, wir hatten eine einzige oder eineinhalb Torchancen, und das ist zu wenig. Vor allem ist es nicht das, was wir in den letzten Spielen der Vorrunde richtig gut gemacht haben und was uns ausgezeichnet hat. Davon sind wir weit weg. Der Trend geht ganz klar in eine Richtung, die wir jetzt aufhalten und in eine andere Richtung schieben müssen.“

Keeper Felix Gebhardt machtlos: SSV Jahn Aufbaugegner für MSV Duisburg. Foto: jrh

„Von Minute 0 bis zum Abpfiff – alles andere reicht nicht“

Jahn-Keeper Felix Gebhardt: „Wir wussten, was auf uns zukommt, wie die Gegebenheiten hier vor Ort sind, dass eine riesige Euphorie in Duisburg herrscht – und dass sie die mitnehmen werden. Das haben sie geschafft. Wir lassen uns durch einen Standard wieder den Schneid abkaufen und müssen ihnen dann lange Zeit hinterherlaufen. Das ist sehr bitter, egal wie mein Spiel war.

Jetzt sind wir wieder reingestartet mit zwei Niederlagen. Wir waren eigentlich auf einem guten Weg, aber das hat wohl nicht gereicht. Jetzt müssen wir uns selbst hinterfragen, wieso und weshalb wir es so schleifen lassen, das knallhart analysieren und am Wochenende gegen Schweinfurt endlich drei Punkte holen. Wir sind stabil, aber wir müssen es wieder auf den Platz bringen – von Anfang an. Nicht von Minute 20, nicht von Minute 40, sondern von Minute 0, wenn der Schiri anpfeift, bis der Schiri abpfeift. Das ist das Wichtigste – und Standards defensiv wie offensiv.“

MSV-Trainer Dietmar Hirsch hochzufrieden: SSV Jahn Aufbaugegner für MSV Duisburg. Foto: jrh

„Eine reife Leistung – und hochverdient“

MSV-Trainer Dietmar Hirsch: „Hochverdienter Sieg. Das 4:0 letzte Woche war vielleicht etwas zu hoch, heute ist der Sieg mindestens in dieser Höhe verdient. Wir hätten sogar mehr Tore schießen müssen und hätten bei 0:0 einen glasklaren Strafstoß bekommen müssen – dann kippt das Spiel wahrscheinlich schon früher in unsere Richtung. Aber wir hatten viel Energie, haben nur eine richtig brenzlige Torchance zugelassen, die Max Braune in der zweiten Halbzeit hält. Ansonsten bin ich sehr zufrieden, das war eine reife Leistung.

Es ist nicht immer schön, der Platz ist nicht gut bespielbar, aber wir haben trotzdem versucht, Fußball zu spielen. Wir hatten auch die Grundtugenden: mal ein langer Ball, gute zweite Bälle. Das hatten wir letzte Woche schon – und hier mit 20.000 Zuschauern in unserem Stadion ist es vielleicht noch ein bisschen einfacher. Die Power war da. Mich freut vor allem: letzte Woche ein Standard, diese Woche wieder.“

Patrick Sussek, MSV-Man of the Match: SSV Jahn Aufbaugegner für MSV Duisburg. Foto: jrh

„Wiederholen, wiederholen – dann klappt’s“

Patrick Sussek (MSV, Man of the Match): „Wir haben heute die Räume sehr gut genutzt, wir haben mich gut ins Spiel gebracht – dadurch komme ich erst in diese Situationen. Am Ende gewinnen wir 2:0, verdient. Wir haben uns in der Woche etwas erarbeitet und wussten, wie Regensburg versucht, uns nicht ins Spiel kommen zu lassen. Das haben wir in der ersten Halbzeit gnadenlos umgesetzt.

Ohne den überragenden Kopfball von Josch Bitter geht der Ball niemals rein, der Torwart ist ja auch noch fast dran – den muss man erst mal so machen. Mit einer Standardsituation 1:0 in Führung zu gehen, ist natürlich super für uns. Das haben wir in den letzten zwei Wochen auch gezielt trainiert, die Wiederholungszahl ist momentan sehr hoch. Wir hatten in den vergangenen Spielen schon sehr gefährliche Standards, gegen Stuttgart auch eine Ecke, die zum Tor führt. Immer wieder wiederholen – dann klappt’s.

Wir schlagen die Flanken rein, wir haben große Stürmer. Auf Tiger bin ich immer stolz, ich kenne ihn ja schon ein bisschen, wir haben zusammen bei Düsseldorf II gespielt. Er gibt immer Gas, er gibt richtig Gummi.“

Schon der Heimspiel-Auftakt gegen Duisburg geriet zum Jahn-Fiasko. Foto: jrh

Blick nach vorn: Wenn nicht dort, wann dann?

Nächste Aufgabe: Der SSV Jahn gastiert am kommenden Samstag beim Schlusslicht Schweinfurt (16.30 Uhr). Nach zwei torlosen Auftritten zum Jahresstart und dem ernüchternden Rückfall in Rumpelfußball ist die Botschaft klar: Wenn nicht dort, wann dann? Es braucht Mut, Präzision – und endlich wieder Leben im letzten Drittel.