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Jahn in Liga 3: Unterirdische Premiere für Hildmann in Stuttgart

Stuttgart. Alles andere als ein Regensburger Sahnetag: Ausgerechnet zur Premiere von Cheftrainer Sascha Hildmann baut der SSV Jahn vor allem mit einer katastrophalen Abwehrleistung einen VfB Stuttgart II auf, der zuletzt vier von fünf Spielen verloren hatte.

Jahn in Liga 3: Unterirdische Premiere für Hildmann in Stuttgart

Trotz einiger Paraden kann Felix Gebhardt die Pleite nicht verhindern: Premiere von Jahn-Cheftrainer Sascha Hildmann in Stuttgart missglückt. Foto: Köglmeier/SSV Jahn

Natürlich kann man am Tag 1 einer neuen Cheftrainer-Epoche keine Wunder erwarten. Was man aber schon hoffen durfte: Dass sich die Jahn-Spieler für Sascha Hildmann und vor allem für ihre Positionierung im Team von ihrer besten Seite präsentieren wollen.

Davon sieht man in der ersten Halbzeit allenfalls Stückwerk gegen einen Stuttgarter Talentschuppen, in dem zwar einige Jungs ihr spielerisches Können aufblitzen lassen, dessen Kollektiv sich aber dennoch insgesamt eher harmlos Richtung Tor bewegt. Gefährlich wird es deshalb nur, wenn die Jahn-Abwehr viel zu passiv die wenigen Solos im eigenen Strafraum begleitet und dabei ein- bis zweimal Glück hat.

Zu harmlos nach vorne

Umgekehrt stehen sich die Regensburger bei eigenen Aktionen in der Box, die man aufgrund vieler Ungenauigkeiten im Spielaufbau an einer Hand abzählen kann, eher gegenseitig im Weg – etwa als Benedikt Saller dem besser postierten Eric Hottmann die Kugel stibitzt und die Aktion anschließend verpufft. Die beste Regensburger Chance vergibt Nick Seidel nach einer verlängerten Ecke freistehend über das Tor (35.).

In der chaotischen zweiten Halbzeit funktioniert lange Zeit auf beiden Seiten so gut wie gar nichts, sieht man von einem gelungenen Doppelpass des eingewechselten Philipp Müller mit Nicolas Oliveira ab, den ersterer dann aus fünf Metern dem VfB-Keeper in die Arme schlenzt (77.).

Nick Seidel vegibt aus einem Meter: Premiere von Jahn-Cheftrainer Sascha Hildmann in Stuttgart missglückt. Foto: Köglmeier/SSV Jahn

Darvich zündet den späten Doppelschlag

Was bis dahin nach einer Nullnummer riecht, kippt binnen weniger Minuten komplett. Noah Darvich tanzt sich durch die Regensburger Defensive und trifft sehenswert zum 1:0 (80.). Der Jahn verliert danach völlig die Ordnung: Abdenego Nankishi erhöht nach Ballverlust im Aufbau auf 2:0 (87.) und legt Sekunden später nach Steckpass den dritten Treffer nach (89.). Ein Totalausfall in der Rückwärtsbewegung.

Der Ehrentreffer durch John Xaver Posselt nach Flanke von Kai Pröger Seidel zum 3:1 (90.) bleibt Kosmetik. Über weite Strecken fehlen Struktur, ein ordnender Fuß im Mittelfeld und die Genauigkeit beim Pass. Von Adrian Fein kommt wenig, Bene Saller ist kaum zu sehen und Noel Eichinger übertreibt wohl bereits mit Blick auf seinen neuen Arbeitgeber brotlose Dribblings. Nur Christian Kühlwetter hat in Hälfte 1 einige Momente und Oliveira treibt auf der rechten Seite mit viel Tempo an.

Grammer Solar
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Nur nicht die Augen vor den Schwächen verschließen: Die Jahn-Elf präsentiert sich zur Premiere ihres neuen Cheftrainers Sascha Hildmann in Stuttgart nicht gerade von ihrer Sahneseite. Foto: jrh

Hildmann: „Viel zu überhastet und ungestüm“

Jahn-Trainer Sascha Hildmann: „Wir haben uns viel vorgenommen, haben das zunächst auch ganz gut umgesetzt. Ich glaube, die erste halbe Stunde war Stuttgart sehr, sehr präsent. Das kennen wir, das ist eine super spielstarke Mannschaft mit großer individueller Klasse. Das sieht man auch am Marktwert der Spieler. Und trotzdem haben wir uns da freigeschwommen, haben dann auch mehr vom Spiel gehabt, hatten auch etwas längere Ballbesitzphasen und dann auch unsere Torchancen. Ich glaube, den Eckball kannst du auf jeden Fall reinmachen, den musst du vielleicht sogar reinmachen. Stuttgart hatte auch seine Möglichkeiten.

Dann die zweite Hälfte, ähnliches Bild, ausgeglichen, Stuttgart läuft alleine aufs Tor, wir laufen alleine aufs Tor, jeder hätte eigentlich in Führung gehen können. Und dann war es Noah Darvich, der alleine durch fünf Leute durchläuft und das Tor macht. So etwas kann immer mal passieren, eine Einzelaktion. Nur musst du dann den Kopf oben behalten, du darfst die Nerven nicht verlieren, du darfst einfach nicht so anrennen. Da sind wir viel zu überhastet und ungestüm, was ich der Mannschaft gar nicht vorwerfe, weil sie halt so ist. Sie will dann einfach unbedingt, sie hat einen tollen Willen.

Premiere von Jahn-Cheftrainer Sascha Hildmann in Stuttgart missglückt. Foto: Köglmeier/SSV Jahn

Die zwei Tore, die wir dann noch gekriegt haben, das war Quatsch, eine Verkettung unglücklicher Umstände, die uns das Leben schwer gemacht haben. Eigene Einwürfe, wie beim 1:0, beim 2:0, dann rutschen wir noch aus in der Rückwärtsbewegung und dann schießen die das Tor. Und beim dritten Tor war’s ein absoluter Konter. Das darf uns einfach nicht passieren. Auch, wie wir dann spielen, die Bälle planlos nach vorne schießen – nein, da musst du mit zwei Kontakten spielen, versuchen, in den Halbraum zu kommen, dann die Bälle in die Box kriegen, besser vorbereiten das Ganze.

Wir machen noch das 3:1, freut mich total für John Xaver Posselt, war eine gute Flanke, aber im Endeffekt war das alles zu spät. Bis zum 1:0 war es für mich ein Unentschiedenspiel. So müssen wir unsere Lehren daraus ziehen und in den nächsten Spielen besser machen, besser verteidigen. Wir wollten die Mannschaft in den paar Tagen nicht aus dem Konzept reißen, das war unser Plan. Jetzt haben wir am Dienstag schon wieder ein Spiel, wir haben Englische Woche, aber perspektivisch gesehen wollen wir das eine oder andere verbessern. Wir müssen durchtrainieren, wir haben kein Ostern.“

Christian Kühlwetter beginnt motiviert: Premiere von Jahn-Cheftrainer Sascha Hildmann in Stuttgart missglückt. Foto: Köglmeier/SSV Jahn

Kühlwetter: „Eine Einzelaktion entscheidet“

Jahn-Kapitän Christian Kühlwetter: „Am Ende entscheidet eine Einzelaktion von dem jungen Mann, der vor mir da war, das macht er richtig gut. Klar darf der da nicht so einfach durchkommen, aber der Abschluss ist perfekt, das 2:0 auch. Dann haben wir so ein bisschen den Kopf verloren. Wir müssen dann trotzdem gucken, dass wir defensiv noch gut stehen und nicht einfach vorne stehen bleiben. Wir haben dann nach dem 3:0 noch einmal einen Ehrentreffer geschossen.

Aber zuvor hätten wir in Führung gehen können, die hätten in Führung gehen können. Es war so ausgeglichen. Am Ende ist das Ergebnis ein Tick zu hoch, aber damit müssen wir leben. Wir hatten am Anfang des Spiels etwas Probleme, haben es dann aber gut aufgefangen, weil wir es dann anders gemacht haben. Nach dem 1:0 haben wir es komplett verloren. Da wollten wir dann zu viel nur offensiv denken. Das darf uns dann nicht passieren, so machen wir uns auch ein bisschen das Torverhältnis kaputt.

Wir haben trotzdem keine schlechte Leistung gezeigt. Es ist eine lange Zeit vergangen, seitdem ich mit Sascha Hildmann gearbeitet habe. Ich schätze ihn sehr und glaube, dass er mit seinem Co-Trainer hier einiges bewirken kann. Wir müssen jetzt erst einmal die Saison sauber zu Ende bringen, und dann muss mit dem neuen Trainerteam ein Kader erstellt werden, der zu seinem Spielstil passt. Bisher war alles auf Michael Wimmer abgestellt, jetzt muss man schauen, was Sascha Hildmann spielen möchte.“

Bene Bauer geht in Hälfte 2 die Luft aus: Premiere von Jahn-Cheftrainer Sascha Hildmann in Stuttgart missglückt. Foto: Köglmeier/SSV Jahn

VfB-Coach Willig: „Es war unser Heimgesicht“

Nico Willig: „Es war unser Heimgesicht. Wir waren von Anfang an gut unterwegs, haben uns bereits genug Situationen herausgespielt, die wir hätten versenken können. Wir können auch einen Elfmeter bekommen, wie ich es auf dem Video gesehen habe.

Wir mussten leider in der Halbzeit verletzungsbedingt wechseln nach dem Tritt. Das hat uns ein bisschen Probleme bereitet, das Zentrum zu organisieren. Trotzdem haben wir es im weiteren Verlauf endlich geschafft, die Dose zu öffnen mit dem super Darvich-Tor. Dann ging’s weiter, 3:0 war dann schon beeindruckend.

Mir geht aber auch das Fan-Herz auf, wenn Noah auf der rechten Seite spielt und der Gegner hat einen Konter und der Noah verteidigt den links hinten, weil er die Laufbereitschaft hat, nach hinten mitzugehen. Vor allem ist das Nankishi-Tor wichtig, von daher muss ich ihn immer auf das Tor spielen lassen, dann klappt’s.“

Noah Darvich stellt mit seiner späten Führung die Weichen: Die Jahn-Elf präsentiert sich zur Premiere ihres neuen Cheftrainers Sascha Hildmann in Stuttgart nicht gerade von ihrer Sahneseite. Foto: jrh

VfB-Dosenöffner Darvich: „1:0 ist immer wichtig“

Noah Darvich: „Das 1:0 ist immer wichtig. Relativ spät, ich glaube 80. Minute, deshalb umso schöner und das hat dann den Sieg in die Wege geleitet. Ich habe gesehen, dass da ein bisschen Raum war, dann gehe ich auf den rechten Fuß, noch ein kleiner Haken, und dann habe ich gesehen, die Beine sind offen. Mit ein, zwei schnellen Bewegungen komme ich vorbei, dann musste er ins lange Eck flach.

Das sind Dinge, die du jeden Tag machst, vor allem den Abschluss. Deshalb bin ich sehr froh, dass es heute geklappt hat. Das war überragend heute von Abdenego Nankishi, ich weiß nicht, wie lange er drin war, aber das erwartet man sich von einem Einwechselspieler, dass er volle Energie reingibt – und das hat er heute super gemacht.“

Das haben wir uns anders vorgestellt: Die Jahn-Elf präsentiert sich zur Premiere ihres neuen Cheftrainers Sascha Hildmann in Stuttgart nicht gerade von ihrer Sahneseite. Foto: jrh
Einer wie Marco Grüttner fehlt im Jahn-Sturm: Die Jahn-Elf präsentiert sich zur Premiere ihres neuen Cheftrainers Sascha Hildmann in Stuttgart nicht gerade von ihrer Sahneseite. Foto: jrh
Am Schiri hat’s nicht gelegen: Die Jahn-Elf präsentiert sich zur Premiere ihres neuen Cheftrainers Sascha Hildmann in Stuttgart nicht gerade von ihrer Sahneseite. Foto: jrh
Auch der Dreifach-Wechsel kann die Pleite nicht verhindern: Die Jahn-Elf präsentiert sich zur Premiere ihres neuen Cheftrainers Sascha Hildmann in Stuttgart nicht gerade von ihrer Sahneseite. Foto: jrh
Kann mit seinem Debut nicht zufrieden sein: Die Jahn-Elf präsentiert sich zur Premiere ihres neuen Cheftrainers Sascha Hildmann in Stuttgart nicht gerade von ihrer Sahneseite. Foto: jrh
Christian Kühlwetter beginnt motiviert: Premiere von Jahn-Cheftrainer Sascha Hildmann in Stuttgart missglückt. Foto: Köglmeier/SSV Jahn
Eric Hottmann bekommt kaum Bälle in der Box: Premiere von Jahn-Cheftrainer Sascha Hildmann in Stuttgart missglückt. Foto: Köglmeier/SSV Jahn
Nur der Jahn-Anhang bringt 100 Prozent: Premiere von Jahn-Cheftrainer Sascha Hildmann in Stuttgart missglückt. Foto: Köglmeier/SSV Jahn
Von Bene Saller kommen heute kaum Impulse: Premiere von Jahn-Cheftrainer Sascha Hildmann in Stuttgart missglückt. Foto: Köglmeier/SSV Jahn
Bene Bauer geht in Hälfte 2 die Luft aus: Premiere von Jahn-Cheftrainer Sascha Hildmann in Stuttgart missglückt. Foto: Köglmeier/SSV Jahn
Nicolas Oliveira ist ein Aktivposten als Flügelflitzer: Premiere von Jahn-Cheftrainer Sascha Hildmann in Stuttgart missglückt. Foto: Köglmeier/SSV Jahn
Regensburg verheddert sich: Premiere von Jahn-Cheftrainer Sascha Hildmann in Stuttgart missglückt. Foto: Köglmeier/SSV Jahn

Englische Woche: Charaktertest für den Jahn

Jetzt zeigt sich, ob die Hildmann-Premiere ein Ausrutscher war – oder ein Warnsignal. Am Dienstag, 7. April, 19 Uhr, wartet im Jahnstadion ein Duell gegen Aue. Vielleicht bereits das Endspiel für die Traditionsmannschaft aus dem Erzgebirge. Für den neuen Jahn-Cheftrainer Sascha Hildmann bleibt kaum Zeit für Korrekturen – vieles wird über Ansprache, Mentalität und einfache Prinzipien laufen müssen. Entscheidend wird sein, ob die Mannschaft defensiv stabiler steht und die wilden Phasen abstellt.

Bereits am Sonntag, 11. April, 19.30 Uhr, geht es zum emotional aufgeladenen Duell beim TSV 1860 München. Die Löwen, ohnehin ein Lieblingsgegner für narrative Dramatik, kämpfen ihrerseits um Konstanz – aber zuhause entwickeln sie regelmäßig eine Wucht, die gerade eine wackelige Jahn-Abwehr schnell überrollen kann.

Für Regensburg wird diese Englische Woche zur Standortbestimmung:
Schafft es Hildmann, in kürzester Zeit Ordnung ins Spiel zu bringen?
Oder droht ein Saisonfinale, das eher nach Verwaltungsmodus als nach Aufbruch klingt? Die Antwort gibt es nicht auf dem Reißbrett – sondern auf dem Platz.