Jahn in Liga 3: Zitter-Geburtstagsgeschenk für Hildmann gegen Aue
Jahn in Liga 3: Zitter-Geburtstagsgeschenk für Hildmann gegen Aue
Zwei Spiele unter dem neuen Chefcoach Sascha Hildmann, drei Punkte, der Klassenerhalt so gut wie sicher – die Bilanz also halbwegs ordentlich. Spielerisch sieht man aber in beiden Partien alles andere als eine Offenbarung – eher einen Rückschritt.
Das dem neuen Coach in die Schuhe zu schieben, wäre albern, zumal er nach eigener Aussage bisher ohnehin wenig geändert hat. Welche Faktoren für die überschaubaren Leistungen verantwortlich sind, darüber kann man nur spekulieren:
- Hat der überraschende Abgang von Michael Wimmer doch Spuren hinterlassen?
Will der inzwischen künstlerisch übermotivierte Noel Eichinger bereits seinen neuen Arbeitgeber beeindrucken? - Haben die katastrophalen Abwehrfehler in Stuttgart zu einem Backflash an Ängstlichkeit geführt?
Viel Stückwerk statt Spielfreude
Fakt ist: Bis auf wenige Ausnahmen kommt gegen ein ohnehin verunsichertes, hochgradig abstiegsbedrohtes Team aus Aue außer Keeper Felix Gebhardt, der mit drei, vier sehenswerten Paraden den Regensburgern einen glücklichen Dreier rettet, keiner an seine Leistungsgrenze:
- Noel Eichinger will mit dem Kopf durch die Veilchenwand und verdribbelt sich ein ums andere Mal
- Selbst Feintechniker Adrian Fein unterlaufen haarsträubende Fehlpässe
- Eric Hottmann kann sich nicht einmal im 1:1 gegen die Verteidigung durchsetzen
- Nicolas Oliveira gelingt bei allem Fleiß auf der rechten Außenbahn so gut wie keine Flanke
- Im Spielaufbau gilt die Devise: ein Schritt vorwärts, zwei zurück – und anschließend Ballverlust
- Und auch die Wechsel sorgen für wenig Begeisterung: Lucas Hermes trabt nach seiner Einwechslung in der Rückwärtsbewegung neben den ballführenden Auern, als hätte er bereits einen Marathon absolviert – mehr als ein halbes Luftloch aus acht Metern gelingt dem Stürmer nicht (76.)
Müller nutzt Simnica-Patzer eiskalt
So sorgt ein eklatanter Abwehrfehler für das frühe, entscheidende Tor: Der bedauernswerte Luan Simnica verdaddelt in der Rückwärtsbewegung Adrian Feins keineswegs gezielten langen Ball, Philipp Müller schnappt sich die Kugel, läuft allein auf Keeper Martin Männel zu und versenkt das Leder aus etwa 18 Metern flach unten rechts zum 1:0 (9.).
Danach verflacht die Partie zusehends. Viel Mittelfeldgeplänkel, wenig Präzision, kaum Tempo. Erst gegen Ende der ersten Halbzeit wird es wieder brenzlig: Eine scharfe Ecke zwingt Martin Männel zu einem Reflex auf der Linie (37.), ehe auf der Gegenseite Marcel Bär und Seiffert den starken Felix Gebhardt prüfen, der einen Schlenzer noch um den Pfosten lenkt (38.).
Kurz vor der Pause hat der Jahn die große Chance aufs 2:0: Noel Eichinger bedient Christian Kühlwetter, der frei vor Männel auftaucht, aber am herausstürmenden Keeper scheitert (42.).
Gebhardt hält den Dreier fest
Nach dem Seitenwechsel wird Aue zwingender – und der Jahn wackelt bedenklich:
Ein Freistoß von Guttau aus 20 Metern zwingt Felix Gebhardt zu einer Glanzparade (49.), kurz darauf scheitert Ricky Bornschein per Kopf erneut am Regensburger Schlussmann (54.). Die größte Ausgleichschance vergibt Weinhauer, der sich im Strafraum löst, den Ball aber nicht sauber trifft und direkt in die Arme von Gebhardt köpft (63.).
In der Schlussphase wird es dann endgültig zum Abwehrkampf: Erst klärt der Jahn eine Direktabnahme von Lucas Hermes eher unfreiwillig selbst (76.), dann hält Felix Gebhardt bei einem Kopfball von Julian Guttau nach Standard überragend (86.). Aue wirft alles nach vorne, setzt sich fest – doch Regensburg bringt das 1:0 mit Mühe über die Zeit. Ein Arbeitssieg, der mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert.
Viele Fragen trotz sicherer Punkte
Unterm Strich bleiben die Fragen:
- Warum verzichtet der Jahn ausgerechnet gegen angeschlagene Gegner wie Aue auf ein konsequentes Pressing?
- Wo ist die Spielfreude geblieben, die bei der unglücklichen Pokal-Niederlage gegen 1860 immer wieder aufblitzte?
- Warum wirkt die gesamte Mannschaft so gehemmt und unsicher, obwohl das Abstiegsgespenst nur noch schemenhaft zu erkennen ist?
- Sind es die Mühen der Englischen Woche im Schlussspurt einer langen Saison, die Vertragsverhandlungen?
Wir können nur hoffen, dass nicht schon wieder Abwanderungsgedanken durch die Köpfe der Spieler spuken.
Hildmann: „Noch zu fehlerbehaftet“
Jahn-Trainer Sascha Hildmann: „Zunächst einmal danke an die Mannschaft für den Sieg und das Geburtstagsgeschenk. Es war aber auch ein verdammt hartes Stück Arbeit. Man hat gesehen, dass wir uns im Spiel mit dem Ball noch verbessern müssen, da noch viel ruhiger agieren, viel schnellere Füße haben müssen, mit zwei Kontakten spielen, um den Gegner noch mehr in Bewegung zu kriegen.
Gerade im Spielaufbau und im Übergangsspiel waren wir noch zu fehlerbehaftet, haben den Gegner immer wieder eingeladen zu Umschaltsituationen und auch zu Torchancen. Wir hatten zwar auch einige gute Torchancen, aber Aue, fairerweise, hatte die auch.“
Müller: „Trotzdem nicht alles richtig gemacht“
Jahn-Torschütze Philipp Müller: „Ich habe einfach versucht, Druck auf den Ballführer zu machen, langer Ball, dann natürlich ein individueller Fehler, den habe ich Gottseidank ausgenutzt und bin froh darüber, dass wir das Spiel gewonnen haben – aber wir haben trotzdem nicht alles richtig gemacht.
Wir haben zu viele individuelle Fehler gemacht, zu viele leichte Ballverluste, dadurch haben wir die Auer Spieler stärker gemacht. Was wir mitnehmen, ist, dass wir an uns arbeiten müssen. Jetzt schauen wir aufs nächste und die folgenden Spiele und wollen weiter siegen.“
Shubitidze: „Wir haben noch etwas vor“
Aues Interimstrainer Khvicha Shubitidze: „Individuelle Fehler passieren, das sind Menschen. Wir haben aber trotzdem genügend Möglichkeiten gehabt, das Spiel in unsere Richtung zu biegen. Wir werden es das nächste Mal vielleicht mit etwas mehr Wucht versuchen. Der Spieler, der den Fehler macht, ist jung. Der muss halt seine Erfahrungen sammeln mit solchen Situationen. Ich kann damit leben, ist halt so, wie es ist. Ein Gegentor kann passieren. Dass wir aber dann trotzdem vieles anders und besser machen müssen, ist auch Fakt.
Wir haben jetzt fast nichts verändert und meiner Meinung nach trotzdem kein so schlechtes Spiel gemacht. Wir haben wenig zugelassen da vorne, die hatten ein, zwei Möglichkeiten, das macht ein wenig Hoffnung. Dass man dann mit solchen Einzelsituationen ein Spiel verliert, tut weh, aber ist halt so.
Man versucht halt die Spieler in die richtige Richtung zu lenken, ich habe zum Beispiel auch den Vorgänger gelobt, weil die Mannschaft hat bis zum Schluss 90 Minuten Gas gegeben. Ich habe niemanden gesehen, der sich hängen hat lassen. Dazu gehört auch, dass die Fans da sind. Man muss erst mal unter der Woche hier 900 aus Aue herbekommen. Genau das sind dann halt die Dinge, die stark machen. Das ist erst der Anfang, wir haben noch etwas vor.“
Bornschein: „Viel Aufwand, aber wenig Ertrag“
Aue-Stürmer Ricky Bornschein: „Bescheiden, es sind turbulente Zeiten gerade bei uns, die Entscheidung, die unter der Woche gefallen ist, war auch in dieser Spontanität für uns eine Überraschung. Aber ich glaube, wir haben mit dem Staff die ersten paar Tage gut gearbeitet. Im Endeffekt stehen wir aber trotzdem mit null Punkten da, nach so einer Leistung, die wirklich akzeptabel war. Wir reden ja schon seit Wochen darüber, dass wir bis auf wenige Ausnahmen konkurrenzfähig sind, schaffen es aber halt nicht, den Ball über die Linie zu drücken. Viel Aufwand heute wieder, aber wenig Ertrag.
Es ist erstmal wichtig, als Stürmer Chancen zu haben, die Jungs haben mich da in gute Positionen gebracht. Dann muss einfach der erste Abschluss aufs Tor kommen. Und den zweiten treffe ich mit dem Hinterkopf als Aufsetzer, da rettet er gut, aber ich schieße ihn auch mehr oder weniger an. Wir waren einfach nicht gut genug, um hier was mitzunehmen, da bin ich selbstkritisch genug, ich weiß, dass die rein müssen.“
Englische Woche: Charaktertest für den Jahn
Jetzt zeigt sich, ob die Hildmann-Premiere ein Ausrutscher war – oder ein Warnsignal. Am Dienstag, 7. April, 19 Uhr, wartet im Jahnstadion ein Duell gegen Aue. Vielleicht bereits das Endspiel für die Traditionsmannschaft aus dem Erzgebirge. Für den neuen Jahn-Cheftrainer Sascha Hildmann bleibt kaum Zeit für Korrekturen – vieles wird über Ansprache, Mentalität und einfache Prinzipien laufen müssen. Entscheidend wird sein, ob die Mannschaft defensiv stabiler steht und die wilden Phasen abstellt.
Bereits am Sonntag, 11. April, 19.30 Uhr, geht es zum emotional aufgeladenen Duell beim TSV 1860 München. Die Löwen, ohnehin ein Lieblingsgegner für narrative Dramatik, kämpfen ihrerseits um Konstanz – aber zuhause entwickeln sie regelmäßig eine Wucht, die gerade eine wackelige Jahn-Abwehr schnell überrollen kann.
Für Regensburg wird diese Englische Woche zur Standortbestimmung:
Schafft es Hildmann, in kürzester Zeit Ordnung ins Spiel zu bringen?
Oder droht ein Saisonfinale, das eher nach Verwaltungsmodus als nach Aufbruch klingt? Die Antwort gibt es nicht auf dem Reißbrett – sondern auf dem Platz.









