Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen – Unternehmer treffen Brigadegeneral Hambach in Neuhaus

Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen – Unternehmer treffen Brigadegeneral Hambach in Neuhaus
Die Location hätte nicht besser passen können: WBU-Bezirksvorsitzender Harald Gollwitzer begrüßt die rund 100 Gäste im BayZBE in Neuhaus. Das Trainingszentrum für besondere Einsatzlagen ist spektakulär: Im Obergeschoss ist beispielsweise ein Einkaufscenter nachgebaut, draußen steht ein echter Zug der Deutschen Bahn – alles für Übungszwecke (siehe Infobox).
Plötzlich wieder Bedrohungslage
Zugpferd des Abends ist der Hauptredner: Brigadegeneral Thomas Hambach, Kommandeur des Landeskommandos Bayern. Das Landeskommando ist im Ernstfall Ansprechpartner der Landesregierung in der zivil-militärischen Zusammenarbeit.
Unternehmer Gollwitzer erinnert an den Eisernen Vorhang, der bis 1989 wenige Kilometer östlich verlief. Seine eigene Jugend war dominiert von Nato-Doppelbeschluss, Pershing, Kaltem Krieg in höchster Stufe. „Ein ungutes Gefühl.“ Aber das sei nichts gegen die aktuelle multiple Gefahrenlage, auch ausgehend vom Ukraine-Krieg. „Damit muss man umgehen, auch als Unternehmer.“
BayZBE-Chef: Zivilschutz ist Pflicht jeden Bürgers
BayZBE-Chef Daniel Pröbstl führt in das Thema ein. Jeder Unternehmer sollte seine Zivilschutzfähigkeit überdenken, um für eine Systemschwächung vorbereitet zu sein. Er wolle keine Angst machen. Das sei die Realität. „Wir sind vulnerabler denn je.“ Der Zivilschutz sei gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Sie haben eine Pflicht, das wahrzunehmen. Sie sind Teil des Zivilschutzes.“
Hambach spricht 60 Minuten Klartext. Russland stellt für ihn die größte Bedrohung dar. Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg gegen die Ukraine sei nur der Anfang. „Die Absichten reichen deutlich weiter, als nur die Ukraine einzunehmen.“ Putin wolle Russland zur Großmacht machen. Er wolle die Sicherheitsordnung rückgängig machen, die nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstanden ist.
„Wir sind nicht unbedingt im Krieg mit Russland. Aber Russland mit uns.“
Aktuell versuche Russland die westliche Geschlossenheit zu schwächen. Das Ganze folge den Gerasimov-Doktrin (ein Konzept für hybriden Krieg): Spaltung, Sabotage, Subversion, Probeangriffe, klassischer Krieg. „Wir sind nicht unbedingt im Krieg mit Russland. Aber Russland mit uns.“
Hambach zählt Anschläge aus jüngster Zeit auf: Brandserien, Drohnenüberflüge, Spamwellen. Auch der ein oder andere Unternehmer werde schon Cyber-Angriffe erlebt haben – Nicken im Publikum. Insgesamt habe es in Deutschland im letzten Jahr 300 Sabotage-Verdachtsfälle gegen. „Russland versucht uns zu testen. Immer intensiver.“
Militärisch werden Konsequenzen gezogen, etwa mit dem Ausbau der Bundeswehr. Leitspruch: Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen. Ein geheimer Operationsplan Deutschland lege fest, wie alliierte Kräfte durch Deutschland an die Ostflanke geführt werden.
Vorbild Skandinavien: „Unter jedem Edeka ein Bunker“
Vernachlässigt werde die zivile Verteidigung. Er appelliert an die Bevölkerung, sich für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzusetzen, einen Konflikt notfalls „mit Einschränkungen und Verlusten mitzutragen“. „Wer auf dieser Welt lebt in einer so privilegierten Gesellschaft wie wir? Wer lebt in solch friedlichen Strukturen wie wir? Und das wollen wir uns wegnehmen lassen?“
Hambach verweist auf nordische Länder, die nach der Devise „Total Defense“ verfahren. „Wenn in Schweden ein Edeka aufmacht, kommt ein Bunker drunter.“ In Finnland werde Geschlossenheit demonstriert, das strahle nach außen aus. In Deutschland passiere das Gegenteil: Cyber und Desinformation spalten die Bevölkerung.
Wer auf dieser Welt lebt in einer so privilegierten Gesellschaft wie wir? Wer lebt in solch friedlichen Strukturen wie wir? Und das wollen wir uns wegnehmen lassen?
Brigadegeneral Thomas Hambach
Wie nah ist der „Spannungsfall“?
Hier kommen die Unternehmer ins Spiel. Die Stabilität der Gesellschaft hänge entscheidend von der Wirtschaft ab. Hambach empfiehlt, IT und Lieferketten zu prüfen und Notfallkonzepte zu üben. Betriebe müssten sich auf Personalmangel einstellen: „Wenn der Verteidigungsfall ausgerufen wird, dann kommen die Reservisten zu uns!“
Publikumsfrage: Wie nah ist er – der „Spannungsfall“, die Vorstufe zum Verteidigungsfall? Das hänge von ausreichender Abschreckung ab, meint Hambach. Er nennt wieder den Leitspruch: „Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen.“
Denn: Dass die Nato einspringt, auch wenn „nur ein Schnipsel von Estland“ besetzt wird, ist für den General alternativlos. „Diese Solidarität ist der Kern der Nato.“
Das BayZBE in Neuhaus: Bis 2030 werden 55 Millionen Euro investiert
Das Trainingszentrum für besondere Einsatzlagen in Neuhaus ist deutschlandweit einzigartig, wenn nicht europaweit. Hier trainieren Einsatzkräfte besondere Einsatzlagen (nächstes Jahr 3.500 Teilnehmer): Terroranschläge, Amokläufe, Naturkatastrophen. Neuerdings steht ein ausrangierter Zug im Gewerbegebiet an der A93.
Harald Gollwitzer, Bezirksvorsitzender des Wirtschaftsbeirats: „Ich bin als Nordoberpfälzer stolz, dass dieses Einsatzzentrum hier steht. Die ganze Region profitiert.“ Er bedauerte die kurzfristige Absage von Landrat Andreas Meier, der mit den regionalen Abgeordneten das BayZBE in die Region geholt habe.
Landtags-Vizepräsident Tobias Reiß betont, dass das neue Sicherheitszentrum dem Freistaat Bayern bis 2030 mehr als 50 Millionen Euro wert sein wird. Geplant ist der Ausbau weiterer Übungsgelände für verschiedene Szenarien.
















