Nach Entsorger-Insolvenz: Experten räumen auf und übergeben Betriebsgelände nach nur elf Werktagen besenrein
Nach Entsorger-Insolvenz: Experten räumen auf und übergeben Betriebsgelände nach nur elf Werktagen besenrein

„Allein die Menge, aber auch die komplexen Aufgaben für die verschiedenen Abfallarten stellten uns vor echte Herausforderungen“, blickt der Geschäftsführer der Mantz Abfall- und Abwasser GmbH aus Osterode im Harz zurück. Diese ist ein Unternehmen der Gütersloher Zimmermann-Gruppe. Dazu kam der enge Zeitrahmen mitten im Sommer, wenn Fahrer und Spezialfahrzeuge ohnehin meist fest verplant sind und kaum freie Kapazitäten am Markt zur Verfügung stehen.
Mehrere Gesellschaften der Zimmermann-Gruppe arbeiten Hand in Hand
„Das Zeitfenster war äußerst knapp bemessen“, berichtet Jan Hainich. „Erst am 6. Juli 2026 konnten wir loslegen, und schon am 20. Juli – also nach nur elf Werktagen – haben wir das komplette Betriebsgelände besenrein übergeben.“ Zum Gelingen des Kraftakts trugen Abfallexperten, Fahrer und Anlagen von gleich mehreren Gesellschaften der Zimmermann-Unternehmensgruppe bei.
„Als Mantz Abfall- und Abwasser GmbH decken wir in Osterode neben der Abfallverwertung auch einen Part des Industrieservice ab“, erklärt Jan Hainich, der mit seinem Kollegen Niklas Busch die Regie beim Gesamtvorhaben übernahm. Als Hauptauftragnehmer und Koordinator zu den Behörden agierte die Zimmermann Industrieservice GmbH & Co. KG. Sie ist auf die Analyse von Schadenslagen sowie die Konzeption und Umsetzung von Entsorgungsprojekten im engen Austausch mit Behörden spezialisiert.
Die Koordination und Disposition der Spezialfahrzeuge und Fahrer steuerten die Zimmermann Transport- und Chemiehandelsgesellschaft mbH & Co. KG sowie die Zimmermann Entsorgung Nord. Am Standort Ladeburg hat die Zimmermann Entsorgung Ost einzelne Abfallmengen aufgenommen, zwischengelagert, teilweise bearbeitet und zur weiteren Verwertung an zertifizierte Unternehmen weitergeleitet. Mehrere Zimmermann-Standorte stellten zudem Bagger und Spezialgerät bereit.
Vorzeigebetrieb für Abfälle im Bereich Erneuerbare Energien insolvent
Nur durch die Expertise in den verschiedenen Abfallthemenfeldern sowie durch das vorhandene Netzwerk mit spezialisierten Entsorgungspartnern konnte der Betriebshof in Wernberg-Köblitz fristgerecht geräumt werden. Doch wie kam es zu der prekären Situation auf dem Betriebsgelände, und warum bekam die Zimmermann-Gruppe überhaupt den Auftrag in Bayern? Ein kurzer Rückblick.
Auftraggeber waren die finanzierende Bank sowie die Insolvenzverwalter der Kanzlei SDK. Das insolvente Unternehmen galt als „Pionier und Vorzeigebetrieb“ für die Verwertung und Entsorgung von Abfällen aus dem Bereich Erneuerbare Energien. Das Land Bayern förderte eine Anlage zum Batterierecycling, in der ein Großteil der Rohstoffe wieder zurückgewonnen werden konnte. Ebenso bot das Unternehmen die Verwertung glasfaserverstärkter Kunststoffteile (GFK) von Windkraftanlagen an, im Wesentlichen Rotorblätter, Turmsegmente und so weiter. Als drittes Standbein setzte die Firma auf das Recycling ausgemusterter Solarmodule.
Offensichtlich liefen Verwertung und Entsorgung der Abfallstoffe nicht so rund wie geplant. Hunderte Tonnen GFK-Abfälle tauchten in Tschechien auf und mussten wegen illegaler Entsorgung nach Bayern zurückgeholt werden. Beim Batterierecycling wurden Arbeitsschutzprobleme öffentlich. Und die PV-Module sammelten sich palettenweise auf dem Betriebshof. Schließlich musste die Firma 2025 Insolvenz anmelden; der Geschäftsführer landete in Untersuchungshaft.

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Wettbewerber veranschlagt drei Monate
Insolvenzverwalter und Gläubiger wie Banken versuchten nun, die teilweise hochmodernen Anlagen und das Betriebsgelände möglichst schnell zu reinigen und zu vermarkten. „Im Dezember 2025 wurden wir über einen beteiligten Sachverständigen erstmals angesprochen und um ein Angebot gebeten“, erinnert sich Jan Hainich. Schon zum 15. Januar 2026 legte die Zimmermann-Gruppe ihr erstes Angebot vor. Knackpunkte bei derartigen Projekten sind immer die schwer zu kalkulierenden Mengen sowie die enge Koordination, Begleitung und Zulassung des Prozesses mit den Behörden auf verschiedenen Ebenen der Kommunen und mehrerer Länder.
„Gegen einen großen Entsorgungskonzern konnten wir uns durchsetzen, weil der Wettbewerber drei Monate für den Auftrag veranschlagt hätte“, weiß Jan Hainich.
Allein 403 Tonnen teils sperrige Windradteile in Schrottmulden abgefahren
Letztlich bekam die Zimmermann-Gruppe am 12. Juni 2026 den Auftrag. Nach behördlicher Freigabe sowie kurzfristiger Disposition der Technik und der Mitarbeiter startete die Aktion auf dem Betriebsgelände, das mehrere hundert Kilometer von Osterode (400 km), Gütersloh (500 km) und Ladeburg (350 km) entfernt liegt. „Da mussten viele Rädchen ineinandergreifen“, beschreibt Hainich die Situation. Am Ende kamen fast 750 Tonnen Abfall zusammen, die in kürzester Zeit entsorgt werden mussten.
Auf der Freifläche lagerten 403 Tonnen teils sperrige GFK-Teile, diese wurden mit 35 Schrottmulden abtransportiert. Geplant waren zunächst 240 Tonnen des Windrad-Abfalls. „Bei den palettierten PV-Modulen hatten wir mit 330 Tonnen gerechnet, am Ende waren es 223 Tonnen“, so Hainich. Auch eine größere Menge Altreifen lagerte auf den Freiflächen und musste weggeschafft werden.
Der gefährliche Abfall hingegen befand sich in der Halle, die zur Batterierecyclinganlage gehörte. In sogenannten Big Bags lagerten Schwarzmasse (Batteriereststoffe), Filterstäube, Schwerteile und Folien. „Insgesamt noch einmal 122 Tonnen, die teilweise unter Vollschutz auf Spezialfahrzeuge verladen und abtransportiert werden mussten“, so der Projektverantwortliche. „Die PV-Module gingen mit insgesamt 18 Sattelzügen an die ostwestfälische Firma Reiling, die im Münsterland eine entsprechende Aufbereitungsanlage betreibt.“ Und die gefährlichen Abfälle wurden im Zwischenlager Ladeburg behandelt beziehungsweise zwischengelagert, um sie später zu geeigneten Betrieben zur Verwertung und Entsorgung weiterzuleiten.
Standortübergreifende Leistung als Erfolgsfaktor
Neben der fachgerechten Verwertung und Entsorgung stellte besonders der Transport eine große Herausforderung dar. Marvin Zimmermann, Geschäftsführer der Zimmermann-Transportsparte, und sein Team mussten sehr kurzfristig und flexibel Kapazitäten schaffen. „Bei den GFK-Abfällen hatten wir zunächst mit Schubbodenaufliegern geplant“, beschreibt Jan Hainich die Situation. Die scharfkantigen und sperrigen Abfälle hätten jedoch die Fahrzeuge stark beschädigt. „Deshalb sind wir auf robustere Schrottmulden umgestiegen. Nur: Die standen auch wegen der Ferienzeit so kurzfristig kaum zur Verfügung – nicht intern und auch nicht auf den Plattformen.“ Am Ende hat das Team der Transportsparte alle Engpässe überwunden. „Wir konnten das ganze Gelände fristgerecht übergeben, und unsere Auftraggeber konnten so die Gewerbeimmobilie kurzfristig veräußern.“
Die Auftraggeberin lobte den reibungslosen Ablauf: „Es war sehr professionell, wie die Zimmermann-Gruppe alles in dem knappen Zeitrahmen erledigt hat. Wir haben so die Batterie-Recyclinganlage und die Lagerfläche bereits an einen neuen Betreiber verkaufen können.“
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