Kulturhaus geplatzt, Hoffnung bleibt: Wie es für den KUKUVE in Erbendorf weitergeht
Kulturhaus geplatzt, Hoffnung bleibt: Wie es für den KUKUVE in Erbendorf weitergeht
Seit knapp sechs Jahren engagiert sich der Verein dafür, der Kunst und Kultur in Erbendorf mehr Raum zu geben. Er will lokalen Künstlern und Kulturschaffenden eine Bühne bieten, die es in dieser Form bislang nicht gab. Das Programm ist vielseitig: von Fotoausstellungen bis zum gemeinsamen Zeichnen unter freiem Himmel, beim „Walking & Plein-Air-Sketching“. Hinter den Veranstaltungen steckt viel ehrenamtliche Arbeit und der Wunsch, Kultur in der Stadt nicht nur zu zeigen, sondern gemeinsam erlebbar zu machen.
Fünf Jahre im Industriegebiet
Fünf Jahre lang hatte der KUKUVE dafür Räume in einem Gebäude im Industriegebiet genutzt. Unternehmer Alfons Meierhöfer stellte es dem Verein zur Verfügung. Mit vielen freiwilligen Arbeitsstunden machten die Mitglieder daraus einen Treffpunkt für Kunst und Kultur. Als Meierhöfer die Immobilie wieder selbst nutzen wollte, begann die Suche nach einer neuen Bleibe. Der ehemalige Getränkemarkt Meixenberger schien schließlich die passende Lösung zu sein: zentral gelegen, mit Platz für neue Ideen und der Aussicht, das kulturelle Leben in Erbendorf dauerhaft zu bereichern.
Anfang des Jahres sah es für den KUKUVE offenbar gut aus. Nach Angaben des Vereins hatte man die Zustimmung der Eigentümerin und der finanzierenden Bank für den Kauf erhalten. Auch der Stadtrat war über die Pläne informiert. Der Verein sprach von positiven Gesprächen und einer mündlichen Zusage für ein gemeinnütziges Kunst- und Kulturhaus. Zudem hatte er nach eigenen Angaben bereits eine Förderzusage des Landtags über 275.000 Euro in Aussicht erhalten. Doch im Frühjahr kam alles anders. Die Eigentümerin verkaufte das Gebäude an den Erbendorfer Unternehmer Erdem Cakmak. Er plant dort eine Lebensmittelproduktion sowie eine Wohnung im Obergeschoss. Damit war die Hoffnung des KUKUVE auf das Haus in der Bahnhofstraße zunichte.

Zoff in Erbendorf: Wettstreit um den ehemaligen Meixenberger-Getränkemarkt
Erbendorf. Fünf Tage vor der Bürgermeisterstichwahl gibt es in der Steinwaldstadt mächtig Ärger. Der Kunst- und Kulturverein Erbendorf (KUKUVE) ist sauer über den Alleingang" des CSU-Bürgermeisterkandidaten.
Erdem Cakmak will „alles neu machen“
Die Entscheidung sorgte für deutlichen Unmut. Sowohl der KUKUVE als auch die Stadtratsfraktion der Grünen kritisierten den Verlauf. Der Verein hatte nach eigenen Angaben bereits Gespräche mit dem Makler der Raiffeisenbank Oberpfalz Nord-West geführt und Termine vereinbart. Dass man trotz der vorherigen positiven Signale am Ende leer ausging, wiegt für die Engagierten umso schwerer. Schließlich ging es ihnen nicht um ein gewöhnliches Immobilienprojekt, sondern um einen Ort für das kulturelle Leben der Stadt.
Erdem Cakmak will das Gebäude grundlegend erneuern. „Alles neu machen“ lautet sein Vorhaben: Dach, Leitungen, Heizungen und Fenster. Im Obergeschoss soll Wohnraum für eine vierköpfige Familie entstehen. Die Wohnung wollte der 31-Jährige ursprünglich bis spätestens August fertigstellen. Von außen ist bislang allerdings noch wenig Baufortschritt zu erkennen. Die Räume im Erdgeschoss sollen nach seinen Angaben „auf jeden Fall heuer noch fertig werden“.
Politische Brisanz nach gemeinsamem Auftritt
Als Cakmak seine Pläne im Kommunalwahlkampf gemeinsam mit dem später in der Stichwahl gegen Bernhard Schmidt (Freie Wähler) unterlegenen CSU‑Bürgermeisterkandidaten Matthias Fütterer und CSU-Stadtrat Wolfgang Hertlein vorstellte, bekam die Debatte um die Zukunft des Hauses zusätzliche politische Aufmerksamkeit. Für den KUKUVE war das eine Entwicklung, die über die reine Immobiliensuche hinausging – und die Enttäuschung verstärkte. Trotz des Rückschlags richtet der Verein den Blick nach vorn. Auf Anfrage von OberpfalzECHO bestätigt KUKUVE-Vorsitzender David Frischholz, dass man seit rund einem halben Jahr „mit Hochdruck“ an einer Alternative arbeite. Erste vorsichtig positive Signale habe es dafür bereits aus München gegeben. Mehr möchte Frischholz derzeit allerdings nicht verraten.
„Ohne Stadt und Stadtrat wird es auch hier nichts werden“, sagt er. Zugleich klingt in seinen Worten an, wie sehr die vergangenen Monate die Mitglieder beschäftigt haben: „Schade, dass niemand unsere enorme Arbeit sieht, geschweige denn würdigt.“ Dass die Suche nach einem Kulturhaus öffentlich zu einem Politikum geworden sei, enttäusche den Verein bis heute. Man habe gelernt, mit Informationen vorsichtiger umzugehen, erklärt Frischholz. Zu teuer sei es gewesen, zuvor offen über die Pläne gesprochen zu haben.
„Ehrenamtlich etwas für Erbendorf bewegen“
Dabei gehe es dem KUKUVE nach wie vor um eine Sache: „Wir wollen nach wie vor nur etwas ehrenamtlich in Erbendorf bewegen.“ Der Verein wolle gestalten, Angebote schaffen und Kulturschaffenden aus der Stadt eine Plattform bieten. Dafür braucht es Räume – und offenbar auch die Unterstützung der Kommune. Einen Seitenhieb auf den neuen Eigentümer will Frischholz trotz der Enttäuschung nicht setzen. Im Namen des Vereins wünscht er Erdem Cakmak fair „alles Gute und nur das Beste“ für sein Geschäft.
Das Kapitel Meixenberger ist damit für den KUKUVE geschlossen. Die Suche nach einem Ort für Kunst und Kultur geht weiter. Wo dieser entstehen könnte, bleibt vorerst offen. Doch der Verein möchte sich nicht auf das gescheiterte Immobilienprojekt reduzieren lassen: Die Idee, in Erbendorf einen lebendigen Treffpunkt für Kultur zu schaffen, lebt weiter – auch wenn die passende Adresse noch fehlt.




