Taxi-Zentrale Weiden
Taxi-Zentrale Weiden

Von der Betonmischanlage zum digitalen Mittelstand: Simon Wolf beim YoungLeader MeetUp in Kemnath

Kemnath. Beim YoungLeader MeetUp im Coworking Kemnath zeigte Simon Wolf, wie er das Familienunternehmen Wolf Betonwerk & Baustoffe digital erneuert. Es ging um Nachfolge, IT-Quick-Wins und ehrliche Learnings.

Von der Betonmischanlage zum digitalen Mittelstand: Simon Wolf beim YoungLeader MeetUp in Kemnath

Was passiert, wenn ein junger technikaffiner Nachfolger ein Familienunternehmen von innen heraus modernisiert – und dabei gleichzeitig lernt, wann man den Kopf durchsetzt und wann man ihn einzieht? Genau das hat Simon Wolf beim jüngsten YoungLeader MeetUp im Coworking Kemnath mit uns geteilt. Ein Abend voller ehrlicher Einblicke, pragmatischer Learnings – und einem besonderen Satz über seinen 93-jährigen Großvater und einen Zaun im Wald.

Wer ist Simon Wolf?

Simon Wolf ist CTO und CIO sowie Leiter des Projektstabs bei der Wolf GmbH Betonwerk & Baustoffe – einem Familienunternehmen, das sein Vater in den 80er-Jahren gegründet hat. Was mit einzelnen Mitarbeitern und dem Silobau begann, ist heute ein Betrieb mit rund 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Nebenberuflich absolvierte Simon zuletzt seinen MBA und engagiert sich dieses Jahr als Vizepräsident bei den Wirtschaftsjunioren Bayreuth. Nach dem Studium in München – mit ein paar Werkstudentenjobs und Praktika in anderen Unternehmen dazwischen – ist er 2020 in die Firma eingestiegen. Seitdem hat er einiges bewegt. Und noch mehr gelernt.

Reinkommen, ankommen, gestalten

Wer als Nachfolger in ein Familienunternehmen eintritt, betritt kein unbeschriebenes Blatt. Man kommt in Räumlichkeiten, die in die Jahre gekommen sind, in gewachsene Strukturen, in eingespieltes Personal – und in ein Unternehmen, das eben von seinem Vater aufgebaut wurde. „Gerade mit dem Blick von außen sieht man, wo Handlungsbedarf ist. Aber man muss aufpassen, nicht zu krasses Feedback zu geben oder alles schlecht zu reden, was bisher geschah.“

Seit 2020 hat Simon schrittweise mit angepackt: 2023 Shop-Erneuerung und eine neue Büroküche. 2024 die neue große Regalhalle. 2025 ein großes Zementsilo und der Tag der offenen Tür – denn allein nach innen zu gestalten, reicht nicht. Man muss es auch nach außen zeigen, was man macht und wer man ist.

Anpacken im Mittelstand

Und dafür? Betonboden um drei Uhr nachts schleifen. Eine Einzelhändlertür reparieren, weil die eigentlich zuständige Fachfirma nicht reagiert hatte. Wer bei einem kleinen Mittelständler arbeitet, macht alle Stationen durch. Das formt.

Nachfolge ist kein Selbstläufer

Ein zentrales Thema des Abends: Die Unternehmensnachfolge im Familienkontext – und wie komplex sie wirklich ist. Die Theorie sagt, der Übergebende sollte den Prozess initiieren. Die Realität sieht oft anders aus: Häufig ist es der Übernehmende in einer Familie, der das Thema anschiebt, damit es nicht zu spät ist.

Zoigltermine
Zoigltermine

Für Simon bedeutete das: Abstimmung mit Vater, Stiefmutter und Schwester. Mehrere Rollen durchlaufen, bis klar war, wo seine Stärken liegen. Und immer wieder die Frage: Wie viel Druck ist okay – und wo beginnt der Konflikt, der nicht mehr nur beruflich ist? „Als Junior freundlich, aber bestimmt bleiben“ – das war Simons Formel.

Zwischen Diplomatie und Durchsetzung

Mit dem Kopf durch die Wand geht nicht. Aber alles mit sich machen lassen auch nicht. Am Ende haben sie einen Abstimmungsprozess über mehrere Jahre etabliert und lassen die Nachfolge von externer Unterstützung begleiten. Emotionale, steuerliche und vertragliche Aspekte – alles muss bedacht sein.

Und: Die Trennung von Beruf und Familie darf nicht zur Daueraufgabe werden. Simons klare Ansage: „Am Sonntag beim Mittagstisch muss nicht über Lastwagen gesprochen werden.“

IT als Hebel: Klein anfangen, groß denken

Als CTO und CIO verantwortet Simon heute die gesamte IT bei Wolf – operativ wie strategisch. Und er weiß: Die Komplexität nimmt zu, während qualifizierte Dienstleister und Systemhäuser gleichzeitig weniger ganzheitlich agieren. Eine schwierige Ausgangslage.

Symptome, die er antraf: Schlechte Software, IT-Ausfälle, Chaos bei der Telefonie. Lösungen, die er angegangen ist: Onlinevertrieb, Strukturen für mobiles Arbeiten, Cybersecurity.

Sein Rat für alle, die ähnliche Herausforderungen kennen: Mit Quick Wins starten. Telefonie anpassen. Zeiterfassung klären. E-Mail und Drucker in Ordnung bringen. Nicht gleich das große Bild – sondern das, was heute brennt. Die Mitarbeiter werden es einem danken und Vertrauen fassen für die nachfolgenden größeren Projekte.

Apropos Telefonie: Hier hat Simon auch eine Niederlage erlebt. Ein Anbieter hat ihm „das Blaue vom Himmel“ versprochen – und nicht gehalten. Seine Konsequenz daraus: Guter Monitoring-Prozess, gründliche Recherche im Vorfeld und der Austausch mit kompetenten Ansprechpartnern sind keine Extras, sondern Pflicht.

Warum IT überhaupt? Die Antwort ist pragmatisch: „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zufriedener, es spart Zeit und Geld, und alle können sich auf das Kerngeschäft konzentrieren.“ Am Ende des Tages ist die IT für Simon als Unternehmensnachfolger zwar wichtig, aber primär Enabler für den Erfolg als Baustoffhandelsunternehmer.

Was Simon anderen mitgibt

Am Ende des Abends fragte die Runde nach dem, was wirklich zählt. Simon hat nicht lange überlegt:

Einfach anfangen. Perfektion ist der Feind des Fortschritts. Auch wenn der erste Schritt nur ein kleiner Quick Win ist.

Priorisieren. Es gibt immer mehr Probleme als Zeit. Wer das nicht akzeptiert, verliert sich.

Netzwerk pflegen. Von den Wirtschaftsjunioren Bayreuth über das Coworking Kemnath bis zur Uni Bayreuth und dem IEI – Kontakte und ehrliches Feedback helfen mehr als jeder Kurs.

Scheitern gehört dazu. Wer das nicht aushält, kann nicht wachsen.

Persönliche Ziele nicht vernachlässigen. Und hier kam der Moment des Abends: Simon erzählte, dass er am Tag zuvor mit seinem 93-jährigen Opa in den Wald gegangen ist – um gemeinsam einen Zaun aufzubauen. „Diese Zeit war unbezahlbar. Heute war die Gelegenheit da – wer weiß, ob das morgen noch möglich ist.“ Hierfür ist es es wert, sich Zeit zu nehmen und auch, dass die Firma einmal in den Hintergrund tritt – auch wenn der Zeitmangel selbst permanent hoch ist.

Ein Abend, der bleibt

Es gibt Abende beim YoungLeader MeetUp, die vor allem Wissen vermitteln. Und es gibt Abende, die etwas auslösen. Dieser war von der zweiten Sorte.

Simon Wolf hat nicht mit Erfolgsgeschichten geglänzt, sondern mit Ehrlichkeit. Über die Mühen der Nachfolge. Über IT-Projekte, die schiefgehen. Über die Kunst, in einem Familienunternehmen gleichzeitig Sohn, Kollege und Führungskraft zu sein. Und über die Frage, was wirklich wichtig ist – jenseits von Silos, Serverräumen und Strategiepapieren.

Das nächste YoungLeader MeetUp findet am 6. Mai wieder im Coworking Kemnath statt – mit Rebecca Oberst und Nina Perl zum spannenden Thema: „Chaos im Kopf, Kind am Bein: Ein Resilienzguide für (arbeitende) Eltern“. Wer dabei sein möchte: Alle Termine und Infos gibt es auf coworking-kemnath.de.